DTZ A2–B1 · Sprechen Teil 1

In Teil 1 „Über sich sprechen“ gibt es keine falschen Antworten. Trotzdem hat die Aufgabe 7 versteckte Regeln. Sie stehen im Skript der Prüfer und in den Bewertungskriterien. Wer diese Regeln kennt, versteht, was in den ersten Minuten der mündlichen DTZ-Prüfung wirklich passiert.

1

Die Antwort kurz: Teil 1 testet nicht Ihre Daten, sondern Ihr Gespräch

In Teil 1 der mündlichen DTZ-Prüfung kontrollieren die Prüfer keine Fakten. Ihr Name, Ihr Wohnort und Ihr Beruf stehen schon im Anmeldeformular. Die Prüfer testen etwas anderes: Können Sie diese Informationen auf Deutsch verbinden? Und können Sie auf eine Frage spontan antworten? Genau diese zwei Dinge stehen in den offiziellen Bewertungskriterien für Teil 1A und 1B.

Das bedeutet: Teil 1 hat keine Distraktoren wie im Lesen oder Hören. Es gibt keine falsche Antwort. Aber die Aufgabe hat Regeln, die nicht auf dem Aufgabenblatt stehen. Sie stehen im Skript der Prüfer, im Prüfungshandbuch und in den Formulierungen der Kriterien. In diesem Artikel lesen Sie diese 7 Regeln – mit der offiziellen Quelle für jede Regel.

Die Quellen sind: der DTZ-Übungssatz 1 von g.a.s.t. (PDF) mit dem Ablauf für Prüfer (Seiten 28–32) und den Bewertungskriterien (Seiten 44–46), die Seite „Der DTZ auf einen Blick“ und das offizielle DTZ-Prüfungshandbuch (BAMF, PDF), auf das g.a.s.t. in seinen FAQ verweist. Stand: 11.09.2026.

Den Ablauf von Teil 1 und die Punktetabellen finden Sie in unserem Artikel zu Aufbau und Bewertung von Teil 1. Hier geht es nur um die Regeln dahinter.

👉 Übungen zu DTZ Sprechen Teil 1 „Über mich“
2

Regel 1: Die Fragen kommen aus einem Katalog – und Sie steuern sie

Die Fragen in Teil 1B sind nicht spontan. Die Prüfer haben einen Katalog mit Standard-Fragen. Das Prüfungshandbuch nennt für Teil 1B „Prüferfragen aus Katalog“. Im Übungssatz 1 (Seite 30) zeigt g.a.s.t. Beispiele: Fragen zum Beruf, zu den Kindern, zu den Sprachen.

Die versteckte Regel dahinter: Der Prüfer wählt aus dem Katalog eine Frage, die zu Ihrer Vorstellung passt. Im offiziellen Ablauf steht: Der Prüfer „knüpft an das Gesagte an“. Das heißt, Sie steuern die Fragen selbst. Wer in 1A über die Kinder spricht, bekommt in 1B eine Frage zu den Kindern. Wer über die Arbeit im Heimatland spricht, bekommt eine Frage zur Arbeit.

Was das für Sie bedeutet

Sie können in 1A Themen anbieten, über die Sie gern und sicher sprechen. Ein Satz wie „Ich habe in meiner Heimat als Koch gearbeitet“ ist eine Einladung für die Frage „Was haben Sie da genau gemacht?“. Ein Thema, das Sie nicht nennen, fragt der Prüfer meistens nicht ab.

3

Regel 2: Teil 1B ist ein Test für spontanes Sprechen

Warum gibt es Teil 1B überhaupt? Die Antwort steht direkt in den Bewertungskriterien (Übungssatz 1, Seite 45). Für Teil 1B steht dort:

  • B1: Kann auf Fragen relativ spontan und ausführlich antworten.
  • A2: Kann auf Fragen knapp und/oder nur teilweise verständlich antworten.
  • A1: Kann mit einzelnen Wörtern oder auswendig gelernten Wendungen antworten.

Das Wort „spontan“ steht nur bei B1. Das Wort „auswendig gelernt“ steht nur bei A1. Das ist kein Zufall. Die Aufgabe ist so gebaut: Teil 1A kann man vorbereiten. Teil 1B kann man nicht komplett vorbereiten, weil die Frage von der Vorstellung abhängt. Genau hier sehen die Prüfer den Unterschied zwischen einem Text und einem Gespräch.

Die versteckte Regel: Die Prüfer erwarten nicht, dass Sie in 1B perfekt sprechen. Sie erwarten, dass Sie reagieren. Eine Antwort mit einem kleinen Fehler, aber mit einem Beispiel und einem Grund, passt zu „spontan und ausführlich“. Eine perfekte Antwort mit nur drei Wörtern passt zu „knapp“.

4

Regel 3: Kurze Antwort = mehr Fragen

Im Prüfungshandbuch steht für Teil 1: Nach der Vorstellung stellt der Prüfer „eine bzw. bei kurzen Antworten zwei bis drei weiterführende Fragen“. Das Ziel ist, dass jede Person circa eine Minute in 1A und circa eine Minute in 1B spricht.

Die versteckte Regel: Die Anzahl der Fragen ist ein Signal. Eine Frage bedeutet: Ihre Vorstellung war lang genug. Drei Fragen bedeuten: Ihre Vorstellung oder Ihre Antworten waren kurz, und der Prüfer füllt die Zeit. Das ist keine Strafe. Der Prüfer hat die Aufgabe, Ihnen zwei Minuten zum Sprechen zu geben. Er nimmt Ihnen keine Zeit weg – er gibt Ihnen Zeit.

Im Übungssatz 1 (Seite 30) steht auch: Wenn eine Person „ins Stocken kommt oder die Vorstellung abbricht“, gibt der Prüfer Impulse. Beispiele im Skript sind: „Was machen Sie beruflich? Haben Sie Kinder? Was machen Ihre Kinder?“. Auch das ist Hilfe, kein Test.

Wichtig

Die Bewertung für 1B ist unabhängig von der Anzahl der Fragen. Der Prüfer bewertet nicht: „Ich musste drei Fragen stellen.“ Er bewertet: „Wie hat die Person auf die Fragen geantwortet – spontan und ausführlich, oder knapp?“

5

Regel 4: „Das habe ich nicht verstanden“ ist ein Skript, kein Urteil

Im offiziellen Ablauf (Übungssatz 1, Seite 30) steht als Beispiel für die Überleitung zu Teil 1B dieser Satz: „Sie haben etwas über Ihren Beruf gesagt. Das habe ich nicht genau verstanden.“ Viele Teilnehmer hören diesen Satz und denken: Ich habe schlecht gesprochen. Das stimmt nicht. Der Satz ist ein Standard-Impuls. Er steht im Skript, bevor Sie überhaupt im Raum sind.

Die versteckte Regel: Dieser Satz ist eine zweite Chance. Sie können die gleiche Information noch einmal sagen – mit anderen Wörtern, langsamer, mit einem Beispiel. Die Prüfer bewerten, was Sie in dieser zweiten Chance machen.

Dazu gehört noch eine Regel aus dem Prüfungshandbuch: Der Prüfer spricht klar und deutlich und bleibt bei Wortschatz und Grammatik auf Niveau B1. Bei Verständnisproblemen soll er „weitere Erklärungen“ geben. Sie dürfen also fragen: „Können Sie die Frage bitte wiederholen?“ Das ist erlaubt und normal.

Ein Detail aus den Kriterien

In den Kriterien für A1 steht: Die Person ist darauf angewiesen, dass Dinge langsamer wiederholt werden. Einmal nachfragen ist kein Problem. Wenn Sie aber jede Frage zweimal brauchen, passt das zur Beschreibung von A1. Der Prüfer hilft gern – die Kriterien beobachten aber, wie oft Sie diese Hilfe brauchen.

6

Regel 5: Teil 1 entscheidet, welche Fragen Sie in Teil 2 bekommen

Das ist die wichtigste versteckte Regel. Die sprachlichen Kriterien – Aussprache, Flüssigkeit, Korrektheit, Wortschatz – bewerten die Prüfer nicht pro Teil, sondern für das ganze Gespräch von Teil 1 bis Teil 3. Das steht im Übungssatz 1 (Seite 44). Für Teil 2 gibt es außerdem zwei Listen mit Fragen: „Prüfungsfragen Stufe A2“ und „Prüfungsfragen Stufe B1“ (Übungssatz 1, Seiten 34–35).

Die Prüfer müssen also früh entscheiden: Welche Liste nehme ich? Diese Entscheidung fällt in Teil 1. Das Prüfungshandbuch sagt das direkt: Die Fragen in Teil 2 „sollen dem vorgefundenen sprachlichen Niveau A2 oder B1 angepasst werden“. „Vorgefunden“ heißt: das Niveau, das der Prüfer bis jetzt gehört hat.

Die versteckte Regel: Teil 1 bringt beim Inhalt nur 10 von 100 Punkten. Aber Teil 1 ist die Einstufung im Kopf der Prüfer. Wer in Teil 1 verbunden und mit Details spricht, bekommt in Teil 2 die B1-Fragen – und damit die Chance, B1 zu zeigen. Wer in Teil 1 knapp spricht, bekommt eher die A2-Fragen. Mit A2-Fragen ist es schwerer, ausführlich zu antworten, weil die Fragen einfacher und geschlossener sind.

Was der Prüfer in Teil 1 hört Was der Prüfer für Teil 2 wählt Beispiel für eine Frage in Teil 2
Kurze Sätze, wenig Verbindung Liste A2 Was haben Sie schon im Internet gekauft?
Verbundene Sätze, Details, Gründe Liste B1 Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Einkaufen im Internet gemacht? Was sind die Vor- und Nachteile?

Die Beispielfragen stammen aus dem Übungssatz 1 (Seite 34). Sie zeigen den Unterschied: Die A2-Frage kann man mit einem Wort beantworten. Die B1-Frage verlangt Erfahrung, Meinung und Vergleich.

7

Regel 6: Vollständigkeit ist kein Kriterium – Verbindung ist eins

Viele Teilnehmer denken: Ich muss alle 6 Stichworte nennen, sonst fehlt etwas. Lesen Sie die Kriterien für Teil 1A genau (Übungssatz 1, Seite 45). Dort steht kein Wort über „alle Stichworte“. Dort steht:

  • B1: Kann sich vorstellen und dabei auch detailliertere Informationen vortragen.
  • A2: Kann sich vorstellen und dabei knappere, allgemeine Informationen geben.
  • A1: Kann sich vorstellen und dabei Informationen unverbunden vortragen.

Die versteckte Regel: Die Prüfer bewerten zwei Dinge – die Details und die Verbindung. Nicht die Anzahl der Stichworte. Eine Vorstellung mit fünf Stichworten und vielen Details ist B1. Eine Vorstellung mit allen sechs Stichworten, aber ohne Verbindung, ist A1. Das Prüfungshandbuch sagt auch: Die Stichworte „müssen nicht nacheinander abgearbeitet werden“. Das Blatt ist eine Hilfe, keine Checkliste.

Darum bewerten die Prüfer nicht, ob Sie „Familie“ ausgelassen haben. Sie bewerten, ob das, was Sie gesagt haben, zusammenhängt: mit „weil“, „seit“, „aber“, „dann“ oder mit einem Beispiel.

8

Regel 7: Der stille Prüfer bewertet – und freundliche Worte sind kein Feedback

In der mündlichen DTZ-Prüfung sind zwei Prüfer im Raum. Einer spricht mit Ihnen. Der zweite sagt fast nichts, hört zu und schreibt. Das Prüfungshandbuch nennt diese Rollen „Interlokutor“ (der Gesprächspartner) und „Assessor“ (der Bewerter). Beide bewerten – aber nur einer spricht.

Die versteckte Regel Nummer eins hier: Der stille Prüfer ist nicht unfreundlich und nicht gelangweilt. Er hat die Aufgabe, sich nur auf die Bewertung zu konzentrieren. Das Handbuch sagt: Die Prüfer „halten sich grundsätzlich zurück“. Sprechen Sie ruhig auch zu ihm – aber erwarten Sie keine Reaktion.

Die versteckte Regel Nummer zwei: Am Ende jedes Teils sagt der Prüfer etwas Freundliches. Im Skript (Übungssatz 1, Seite 31) steht zum Beispiel: „Vielen Dank, das war informativ.“ Das ist kein Feedback. Der Übungssatz sagt klar: „Hinweise auf das Prüfungsergebnis dürfen nicht gegeben werden.“ Ein freundliches Wort ist also kein Zeichen für B1. Ein neutrales Wort ist kein Zeichen für A2. Die Bewertung passiert erst nach der Prüfung, wenn Sie den Raum verlassen haben.

Was das für Sie bedeutet

Suchen Sie in der Prüfung keine Signale im Gesicht der Prüfer. Es gibt keine. Die einzigen Informationen, die zählen, stehen in den Kriterien: Details, Verbindung, spontane Antworten. Darauf können Sie sich konzentrieren – der Rest ist Skript.

👉 Teil 1 „Über mich“ jetzt trainieren 👉 Alle Übungen zum Prüfungsteil DTZ B1 Sprechen
9

FAQ – Was die Prüfer in Teil 1 testen

Kann ich in Teil 1 der DTZ-Prüfung etwas falsch sagen?
Nein. In Teil 1 gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Die Prüfer kontrollieren keine Fakten. Sie bewerten mit Kriterien: Wie viele Details sagen Sie? Sind die Sätze verbunden? Antworten Sie spontan auf Fragen? Das steht in den Bewertungskriterien im DTZ-Übungssatz 1 von g.a.s.t.
Woher kommen die Fragen der Prüfer in Teil 1B?
Die Fragen kommen aus einem Katalog mit Standard-Fragen. Der Prüfer wählt eine Frage, die zu Ihrer Vorstellung passt. Er fragt zum Beispiel zum Beruf, zu den Kindern oder zu den Sprachen. Sie können die Fragen also beeinflussen: Was Sie in 1A sagen, fragt der Prüfer in 1B.
Ist es schlecht, wenn der Prüfer in Teil 1 viele Fragen stellt?
Nein. Der Prüfer stellt normalerweise eine Frage. Wenn Ihre Antworten kurz sind, stellt er zwei bis drei Fragen. So steht es im offiziellen Prüfungshandbuch. Mehr Fragen sind keine Strafe. Sie bedeuten: Der Prüfer gibt Ihnen mehr Zeit zum Sprechen.
Was bedeutet es, wenn der Prüfer sagt: „Das habe ich nicht genau verstanden“?
Das ist ein Standard-Impuls aus dem offiziellen Ablauf, kein Urteil über Ihre Sprache. g.a.s.t. nennt diesen Satz als Beispiel für eine Überleitung zu Teil 1B. Sie bekommen eine zweite Chance und können die Information noch einmal mit anderen Wörtern sagen.
Muss ich in Teil 1 alle 6 Stichworte nennen?
In den offiziellen Bewertungskriterien steht nicht: „alle 6 Stichworte“. Für B1 steht dort: sich vorstellen und dabei detailliertere Informationen geben. Für A1 steht: Informationen ohne Verbindung sagen. Die Prüfer bewerten also Details und Verbindung, nicht die Anzahl der Stichworte.
Sagen mir die Prüfer nach Teil 1, ob ich gut war?
Nein. Die Prüfer dürfen keine Hinweise auf das Ergebnis geben. Das steht im DTZ-Übungssatz 1 von g.a.s.t. Ein freundliches „Danke, das war informativ“ ist Teil des Skripts und kein Feedback. Auch der zweite Prüfer, der nur zuhört und schreibt, gibt keine Signale.