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Liebe Leserinnen und Leser,
ich möchte von einer Geschichte erzählen, die mir vor einigen Monaten passiert ist. Sie begann mit einem Buch aus der Stadtbibliothek und endete glücklicherweise besser, als ich zuerst gedacht hatte.
Im vergangenen Frühjahr lieh ich mir in der Bibliothek von Eichenfeld einen Roman aus. Ich hatte vier Wochen Zeit, das Buch zurückzugeben. Ich habe ein unregelmäßiges Lesetempo, kam aber bei diesem Roman zuerst ganz gut voran, denn die Geschichte gefiel mir.
Kurz danach musste ich jedoch für drei Wochen beruflich in eine andere Stadt reisen. Ich räumte auf und packte. Ich freute mich auf die Lektüre im Zug und an den Abenden, stellte aber unterwegs fest, dass ich das Buch doch nicht mit eingepackt hatte. Aber auch als ich wieder nach Hause kam, fand ich es nicht. Ich dachte, es würde mir schon wieder in die Hände fallen, aber es blieb verschwunden.
Einige Tage später erhielt ich eine Erinnerung von der Bibliothek. Darin stand, dass die Rückgabefrist bereits abgelaufen war. Ich wurde nervös und suchte erneut nach dem Buch. Wieder hatte ich keinen Erfolg. Schließlich glaubte ich, das Buch vielleicht doch auf die Reise mitgenommen und unterwegs verloren zu haben.
In den folgenden Monaten dachte ich immer wieder daran. Die Bibliothek schickte mir mehrere Briefe. Darin wurde erklärt, dass die Mahngebühren weiter steigen würden, solange das Buch nicht zurückgegeben wurde. Als ich den letzten Brief erhielt, war ich sehr erschrocken. Die Gebühren waren inzwischen auf 96 Euro angewachsen.
Ich nahm mir fest vor, noch einmal gründlich zu suchen. An einem verregneten Samstag im Oktober begann ich damit. Nachdem ich im Wohnzimmer sämtliche Bücherregale durchgegangen war und alle Ablageflächen überprüft hatte, suchte ich auch in den Kommoden und Kleiderschränken – und fand das Buch in der Innentasche eines Wintermantels, den ich zuerst auf die Dienstreise hatte mitnehmen wollen, dann aber doch zu Hause gelassen und bisher, über den Sommer, nicht wieder gebraucht hatte. Plötzlich erinnerte ich mich, wie zufrieden ich damals über den Einfall gewesen war; denn ich hätte das Buch so im Zug gleich bei der Hand gehabt.
Ich war erleichtert, aber gleichzeitig machte ich mir Sorgen wegen der hohen Gebühren. Bereits am nächsten Montag brachte ich das Buch zur Bibliothek zurück. Dort erklärte ich einer Mitarbeiterin namens Frau Berger die ganze Situation. Sie hörte mir aufmerksam zu und fragte einige Dinge nach.
Zu meiner Überraschung sagte sie, dass die Bibliothek in diesem Monat eine besondere Aktion durchführte. Wer ein lange vermisstes Buch zurückbrachte, musste die Mahngebühren nicht bezahlen. Deshalb wurden die gesamten 96 Euro erlassen.
Ich war sehr froh und bedankte mich herzlich. Seitdem kontrolliere ich ausgeliehene Bücher viel sorgfältiger. Diese Erfahrung werde ich bestimmt nicht vergessen.
Liebe Grüße,
Martin Scholz

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