Die Hochzeit
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- Moin, Lena! Na, wie war die große Hochzeit? Ich hab am Samstag die ganze Zeit an euch gedacht – mit Fieber auf dem Sofa.
- Hallo, Jonas! Du Armer. Geht’s dir wieder besser?
- Ja, die Grippe ist weg. Aber jetzt will ich alles wissen! Bei der Hochzeit meiner Cousine letztes Jahr hat ja jeder nur gefilmt – vom Brautpaar hat man vor lauter Handybildschirmen gar nichts gesehen.
- Genau das wollte Kathi vermeiden. Gefeiert wurde bei ihren Eltern auf dem Land, in einem alten Gasthof bei Celle. Gleich am Eingang stand ein Körbchen mit Namensschildern – da kamen alle Smartphones rein, die gab’s erst beim Gehen zurück. Dafür gab es eine Fotobox mit Sofortbildkamera. Da standen alle Schlange, und am Ende hatte jeder eine Handvoll Fotos in der Tasche.
- Clever! Und das Motto mit den Zwanzigerjahren? Ich hätte mich ja geweigert, mich zu verkleiden.
- Ich dachte auch, da macht keiner mit. Im Shuttlebus vom Bahnhof saßen alle ganz normal in Jeans. Aber im Gasthof haben sie sich umgezogen, und plötzlich: Federboas, lange Perlenketten, Hosenträger, Schiebermützen … Fast alle! Sogar Kathis Oma kam mit Stirnband und Feder.
- Herrlich. Und was war sonst so los?
- Nach dem Essen haben sie eine Karaoke-Anlage aufgebaut. Zuerst hat Kathis Opa einen alten Schlager gesungen – der ganze Saal hat mitgeklatscht. Dann standen Nils und Kathi zusammen auf der Bühne, danach wollte jeder Tisch mal dran sein. Die Liederliste war ewig lang, und irgendwann haben alle gerufen: „Lena, jetzt du!“ Ich hatte das Mikro schon in der Hand – aber dann hat mich der Mut verlassen.
- Was? Du hast doch früher im Schulchor gesungen! Ich hätte dich so gern auf der Bühne gesehen.
- Eben – früher. Den Applaus hat dann meine Schwester bekommen. Die singt zwar schief, aber Angst hat sie keine.
- Und Max? Der war doch bestimmt begeistert von dem Motto.
- Max? Der hätte sich höchstens übers Essen gefreut. Ich saß mit meiner Schwester und ein paar Leuten aus Kathis Volleyballteam am Tisch. An den anderen Tischen saßen fast nur Pärchen – die halbe Nacht ging’s nur um Hochzeitspläne. Ein bisschen zu viel Romantik für mich.
- Typisch Max. Und was war für dich das Highlight?
- Das Auto! Nils und Kathi sind in einem Oldtimer von 1927 vorgefahren, schwarz mit roten Ledersitzen. Max war total neidisch, als ich ihm das Foto aus der Fotobox gezeigt habe. Das interessiert ihn ja wahnsinnig. Jetzt sucht er schon nach einem Oldtimer-Treffen für den Sommer. Ich dagegen hab mich in mein Kleid mit Fransen verliebt – das hab ich extra im Second-Hand-Laden gekauft, und Max meint, ich soll es jetzt jedes Wochenende tragen.
- Na dann! Und wie lange ging das Ganze? Auf dem Land ist doch um zehn meistens Schluss, wegen der Nachbarn.
- Eigentlich ja. Auf der Einladung stand sogar „bis 22 Uhr“. Aber als mein Taxi um elf kam, war die Tanzfläche noch voll. Wie lange die anderen geblieben sind? Keine Ahnung – meine Schwester meinte, bis zwei oder vielleicht sogar drei.
- Wahnsinn. Nils hat mir übrigens erzählt, dass die beiden nächstes Jahr vielleicht nach München ziehen – er hat da ein Jobangebot. Ich muss im Mai sowieso beruflich nach Hamburg. Dann besuche ich die beiden endlich mal in ihrer neuen Wohnung und lass mir alle Fotos zeigen.
- Mach das! Oh, schon halb eins – mein Meeting fängt gleich an. Bis später!
- Bis dann, Lena! Und nächstes Mal singst du!
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