Interview mit Frau Reiter (Lokführerin)
Sie hören nun ein Gespräch. Dazu sollen Sie 10 Aufgaben lösen. Sie hören das Gespräch zweimal. Entscheiden Sie beim Hören, ob die Aussagen richtig oder falsch sind.
J: Guten Tag, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Züge gehören für viele Menschen zum Alltag. Aber wer sitzt eigentlich im Führerstand? Frau Reiter ist heute bei mir im Studio. Sie ist Lokführerin. Schön, Sie hier zu sehen.
R: Guten Tag, vielen Dank für die Einladung.
J: Frau Reiter, es gibt in Ihrem Beruf noch relativ wenige Frauen. Manche glauben sogar, es gäbe in Deutschland fast keine Lokführerinnen. Wie sieht die Realität aus?
R: So schlimm ist es gar nicht. Natürlich wäre ich gern die einzige Lokführerin, damit mir der ganze Ruhm zuteilwird. Aber obwohl es deutlich mehr Männer gibt, arbeiten derzeit mehrere Hundert Frauen in diesem Beruf bundesweit. Verglichen mit den vielen Tausend Lokführern sind wir jedoch immer noch eine kleine Gruppe.
J: Wollten Sie diesen Beruf schon sehr früh ergreifen?
R: Als mein Bruder zehn Jahre alt war, bekam er zu Weihnachten eine Spielzeuglokomotive und eine Modelleisenbahn geschenkt, da er sich mit zehn Jahren schon fest vorgenommen hatte, Lokführer zu werden. Ich habe damals kaum daran gedacht, Lokführerin zu werden. Die Idee kam viel später, mehr oder weniger zufällig.
J: Was hast du nach der Schule gemacht?
R: Nach dem Schulabschluss habe ich mir zuerst eine Ausbildung gesucht und schnell eine im technischen Bereich gefunden. Ich habe eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht, was mir rückblickend sehr geholfen hat.
J: Also ein technischer Einstieg?
R: Ja, genau. Es war eine gute Grundlage.
J: Hast du direkt nach der Ausbildung in diesem Beruf gearbeitet?
R: Nicht direkt. Ich habe mein technisches Wissen genutzt und damals überlegt, als Automechaniker zu arbeiten. Ich habe hauptsächlich in verschiedenen Betrieben ausgeholfen und geschaut, was mir liegt.
J: Wie haben deine Eltern auf deine Berufswahl reagiert?
R: Zuerst waren sie etwas überrascht. Sie hatten etwas anderes im Sinn. Aber nach ein paar Gesprächen wurde ihnen klar, wie wichtig mir dieser Beruf ist, und dann haben sie zugestimmt. Vor allem, weil mein Bruder schon lange als Lokführer arbeitete und meine Eltern nicht gerade begeistert waren, als er es ihnen erzählte. Sie sind Lehrer und hatten gehofft, dass er nach dem Schulabschluss meines Bruders auch Lehrer werden würde.
J: Viele denken, Lokführer fahren nur den Zug, stimmt das wirklich?
R: Ja, das ist der Hauptteil der Arbeit. Aber vor jeder Fahrt überprüfe ich alles selbst, und während der Fahrt behebe ich kleinere Probleme, falls nötig, selbst und melde sie dem Fahrdienstleiter. Für größere Probleme gibt es natürlich Spezialisten, aber die Technik ist unerlässlich.
J: Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Schließlich fahren viele Züge nachts.
R: Nachtschichten gehören zum Job. Wenn man von Familie und Kindern getrennt ist, genießt man sie, weil man mehr verdient. Man gewöhnt sich daran, und ehrlich gesagt, hat man die Möglichkeit, mehr zu verdienen. Aber das ist natürlich alles sehr individuell; ich persönlich bevorzuge keine Nachtschichten.
J: Ist die Arbeit sehr stressig?
R: Nicht immer. Es ist wie in jedem anderen Job: Manche Tage sind anstrengend, andere weniger! Für mich erfordert dieser Job viel Konzentration auf der Straße, was sehr erschöpfend sein kann. Das kommt häufiger vor, als man denkt.
J: Und wie sieht es zu Hause aus? Hat Ihr Mann einen geregelten Arbeitsplan, da er ja auch bei der Bahn arbeitet?
R: Natürlich wünschen wir uns, dass mindestens ein Familienmitglied einen geregelten Arbeitsplan hat. Er arbeitet im Schichtdienst, daher ist unsere Tagesplanung manchmal etwas schwierig.
J: Haben Sie Zukunftspläne?
R: Ja, absolut. Ich kann mir gut vorstellen, später Lokführer auszubilden und mein Wissen weiterzugeben. Das wäre ein guter nächster Schritt für mich.
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