Leben als Au-pair im Ausland
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Moderatorin: Guten Tag und herzlich willkommen zu unserer neuen Ausgabe von „Weltweit unterwegs“. Heute sprechen wir über das Thema Au-pair-Aufenthalt im Ausland. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich dafür, eine Zeit lang bei einer Gastfamilie in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten – sei es zur Sprachverbesserung, zur persönlichen Entwicklung oder zum kulturellen Austausch. Zu Gast bei uns ist heute Lena Brückner aus Köln. Sie hat vor Kurzem einen zehnmonatigen Aufenthalt als Au-pair in Kanada hinter sich. Hallo Lena!
Lena: Hallo! Schön, hier zu sein.
Moderatorin: Lena, warum hast du dich damals entschieden, ein Au-pair-Jahr zu machen? Hattest du auch überlegt, an einem Schüleraustausch teilzunehmen?
Lena: Ich habe natürlich darüber nachgedacht, aber ein Schüleraustausch war für mich einfach nicht das Richtige. Ich wollte vor allem das alltägliche Familienleben in einem anderen Land erleben – das ist in einem schulischen Umfeld schwerer möglich. Dort lebt man zwar auch in einer Gastfamilie, aber der Fokus liegt eben auf der Schule. Mir war wichtig, wirklich in das Leben vor Ort einzutauchen: mit der Familie zu essen, Ausflüge zu machen, bei der Kinderbetreuung zu helfen und einfach zu erleben, wie der Alltag in einem anderen Land funktioniert.
Moderatorin: Also war der persönliche und kulturelle Austausch für dich entscheidend?
Lena: Genau. Und auch die Sprache! Ich wollte mein Englisch verbessern, und das klappt am besten, wenn man permanent von der Sprache umgeben ist. In meiner Schule in Deutschland hatten wir mal einen französischen Austauschschüler – und obwohl wir ihm helfen wollten, sind wir ständig wieder ins Englische gewechselt, weil es einfacher war. Selbst unsere Lehrer haben ihn oft auf Englisch angesprochen, statt konsequent Deutsch zu sprechen. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass mir im Ausland dasselbe passiert.
Moderatorin: Verständlich. Warum hast du dich für Kanada entschieden? Die USA stehen ja bei vielen ganz oben auf der Liste.
Lena: Kanada war für mich eine bewusste Entscheidung. Ich wollte in ein englischsprachiges Land, aber auch ein Land mit starker kultureller Vielfalt. Kanada ist dafür ideal – außerdem hat mich die Landschaft fasziniert. Ich habe auch über Belgien und die französische Schweiz nachgedacht, weil ich in der Schule Französisch hatte. Aber schließlich habe ich mich für Kanada entschieden – auch, weil dort viele Agenturen gute Programme anbieten.
Moderatorin: Du sprichst Agenturen an – wie läuft die Bewerbung ab? Gibt es verschiedene Wege?
Lena: Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten. Am günstigsten ist es natürlich, sich selbstständig über Internetportale eine Gastfamilie zu suchen. Aber das ist auch riskanter. Wenn man keine Agentur nutzt, sollte man unbedingt einen schriftlichen Vertrag abschließen, in dem genau geregelt ist, wie viele Stunden man arbeitet, wie viel Taschengeld man bekommt und welche Rechte man hat.
Moderatorin: Und was hast du gemacht?
Lena: Ich bin über eine Vermittlungsagentur gegangen. Das war zwar nicht kostenlos, aber ich fand die Kosten absolut vertretbar. Die Agentur hat sich um alles gekümmert: Visum, passende Familie, Versicherung – sogar um die Vorbereitung. Ich kenne viele andere Au-pairs, die es genauso gemacht haben.
Moderatorin: Interessant. Weißt du, wie dieses Programm ursprünglich entstanden ist?
Lena: Ja, das wurde uns im Vorbereitungskurs erklärt. Der Ursprung liegt angeblich im 18. Jahrhundert. Damals haben wohlhabende Schweizer Familien ihre Töchter in andere Länder geschickt – nicht umgekehrt –, damit sie dort die Sprache lernten und kulturelle Erfahrungen sammelten. Es war also von Anfang an ein Austausch auf Augenhöhe, kein bezahlter Job.
Moderatorin: Sehr spannend. Und wie waren deine konkreten Erfahrungen?
Lena: Ich hatte das große Glück, bei einer sehr offenen Familie unterzukommen. Meine Gastmutter wohnte mit ihren beiden Kindern – Emma (8) und Noah (10) – in einem Vorort von Toronto. Ihr Ex-Mann, der Vater der Kinder, lebt in Toronto selbst. Am Wochenende waren die Kinder oft bei ihm – und ich durfte mitkommen. So konnte ich regelmäßig die Stadt erleben.
Moderatorin: Wie war das Verhältnis zur Familie?
Lena: Sehr herzlich. Ich habe mich von Anfang an als Teil der Familie gefühlt. Die Kinder waren neugierig, haben mich alles gefragt – auch über Deutschland – und haben mir schnell geholfen, mich sprachlich und kulturell einzuleben. Selbst die Großeltern haben mich sofort wie ein Familienmitglied behandelt.
Moderatorin: Gab es trotzdem Herausforderungen?
Lena: Am Anfang war ich enttäuscht, weil ich eigentlich in die Stadt wollte. Die Agentur konnte aber keine Familie in der Innenstadt finden – dafür eine in einem Vorort. Im Nachhinein bin ich froh, dass es so kam. Der Alltag war ruhiger, und trotzdem konnte ich in meiner Freizeit mit anderen Au-pairs oder allein nach Toronto fahren. Dort habe ich Museen besucht, Cafés ausprobiert und sogar an einem Sprachstammtisch teilgenommen.
Moderatorin: Du hast einen Sprachkurs besucht, oder?
Lena: Ja, das ist verpflichtend. Ich war zweimal pro Woche in einem Intensivkurs – aber ich muss sagen, ich habe mindestens genauso viel von der Familie gelernt. Die Kinder haben mir oft neue Wörter beigebracht, oder wir haben gemeinsam Filme geschaut. Besonders spannend war es, Redewendungen und sogar einige typische „Slang-Ausdrücke“ zu lernen, die man in Schulbüchern nicht findet.
Moderatorin: Welche Tipps würdest du jemandem geben, der oder die überlegt, ein Au-pair-Jahr zu machen?
Lena: Erstens: Wirklich gut überlegen, ob man mit Kindern umgehen kann. Zweitens: Auf eine gute Vorbereitung achten – Sprachkenntnisse, Geduld, Offenheit. Und drittens: Nicht zu enttäuscht sein, wenn es nicht sofort perfekt läuft. Man wächst da rein.
Moderatorin: Danke, Lena, für diesen tollen Einblick!
Lena: Sehr gerne!
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