Im Fernbus nach Leipzig
Wählen Sie: sind die Aussagen Richtig oder Falsch.
Lesen Sie zuerst die Aufgaben. Dazu haben Sie 60 Sekunden Zeit.
- Entschuldigung, ist der Platz noch frei? … Moment mal – Frau Lindner? Das gibt’s doch nicht!
- Herr Albers! Na, so ein Zufall. Ich war mir eben gar nicht sicher, ob Sie das sind – mit Bart erkennt man Sie ja kaum wieder.
- Den hab ich erst seit dem Winter. Wir haben uns ja ewig nicht gesehen. Das letzte Mal war, glaube ich, beim Sommerkonzert im Stadtpark – Ihr Bruno hat damals die ganze Zeit mitgebellt.
- Stimmt! Das ist bestimmt vier Jahre her. Bruno ist inzwischen ein alter Herr, der bleibt lieber auf dem Sofa. Steigen Sie auch in Leipzig aus?
- Leider nicht, ich muss weiter bis Berlin, morgen früh habe ich dort einen Termin. Aber Leipzig – da war ich schon ein paar Mal, immer zur Buchmesse. Diese alten Passagen in der Innenstadt, die kleinen Läden, die Cafés … Da könnte ich stundenlang bummeln. Beim nächsten Mal nehme ich mir wirklich einen Tag frei.
- Das sollten Sie! Ich fahre zweimal im Jahr hin, meistens im Frühling und kurz vor Weihnachten.
- Ach, dann besuchen Sie bestimmt Ihre Jungs. Die müssten doch inzwischen studieren, oder?
- Meine? Die sitzen zu Hause in Kassel und lernen fürs Abitur – hoffentlich. Ich fahre zu meinem jüngeren Bruder. Der hat Zwillinge, Paul und Jakob, die werden am Sonntag neun.
- Neun! Ein schönes Alter.
- Und wie! Paul geht seit dem Herbst samstags zur Kinder-Uni. Jede Woche bekomme ich danach eine Sprachnachricht, was sie dort gemacht haben. Letztes Mal hat er gefragt: „Was glaubst du, warum fällt eine Katze immer auf die Füße – und ein Toastbrot immer auf die Marmeladenseite?“
- Ha! Und? Warum?
- Bei der Katze hat es was mit dem Schwanz und dem Gleichgewicht zu tun. Beim Toast ist es einfach die Höhe vom Tisch – das Brot dreht sich nur einmal halb, dann liegt es schon unten. Der Professor hat es sogar mit fünfzig Scheiben ausprobiert!
- Kinder-Uni … Zu meiner Zeit gab es nur Rechnen und Diktate.
- Jakob ist ganz anders. Der spielt in seiner Schule bei einem Musical mit. Es heißt „Der Zauberer vom Schulhof“.
- Ein Zauberer! Und was zaubert er?
- Er tut sehr geheimnisvoll. Er hat mir nur verraten, dass er einen Besen und eine graue Arbeitsjacke braucht – er spielt nämlich den Hausmeister. Am Freitag ist die Premiere in der Aula, da sitze ich in der ersten Reihe.
- Und Paul? Steht der auch auf der Bühne?
- Er wollte erst unbedingt, er war sogar beim Vorsprechen. Aber jetzt malt er lieber die Plakate. Texte auswendig lernen ist nicht so sein Ding – da ist er wie sein Vater.
- Na ja, Plakate sind auch wichtig. Ohne die kommt ja keiner.
Durchsage: Liebe Fahrgäste, in etwa zehn Minuten halten wir am Busbahnhof Leipzig. Bitte vergessen Sie Ihr Gepäck nicht.
- Oh, dann mach ich mich schon mal fertig.
- Viel Spaß beim Geburtstag! Und bringen Sie den Jungs eine Leipziger Lerche mit – da freuen sich Kinder immer.
- Eine Lerche? Herr Albers, ich verschenke doch keine Singvögel!
- Keine Sorge! Früher hat man die Vögel tatsächlich gegessen, aber das ist längst verboten. Heute ist das ein kleines Törtchen aus Mürbeteig, innen Marzipan und eine Kirsche.
- Na, dann kaufe ich gleich eine ganze Schachtel. Auf Wiedersehen, Herr Albers – und grüßen Sie Berlin!
- Mach ich. Auf Wiedersehen, Frau Lindner!
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