Teilzeit- oder Vollzeitarbeit – Was ist zukunftsfähig?

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Moderatorin:
Einen wunderschönen guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer, und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von „Forum am Freitag“. Ich bin Katrin Hoffmann. Unser heutiges Thema lautet: „Teilzeit oder Vollzeit – wie wollen und können wir in Zukunft arbeiten?“
Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert: Mehr Homeoffice, mehr Flexibilität, aber auch neue Unsicherheiten. Wie wirkt sich das auf unsere Gesellschaft aus? Ist Teilzeitarbeit die Lösung für eine bessere Work-Life-Balance oder eine wirtschaftliche Sackgasse?
Darüber sprechen wir heute mit zwei Gästen, die ganz unterschiedliche Perspektiven mitbringen. Bei uns ist Jasmin Roth, Sozialpädagogin aus Bonn. Sie arbeitet seit sechs Jahren in Teilzeit und engagiert sich in einem Netzwerk für familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Guten Abend, Frau Roth!

Jasmin Roth:
Schönen guten Abend!

Moderatorin:
Und außerdem begrüße ich Daniel Kruse, Unternehmer aus Hildesfeld. Er leitet eine Maschinenbaufirma mit knapp 50 Mitarbeitenden und sieht Teilzeit eher kritisch. Herr Kruse, schön, dass Sie da sind!

Daniel Kruse:
Danke für die Einladung, Frau Hoffmann.

Moderatorin:
Frau Roth, warum haben Sie sich damals für Teilzeit entschieden?

Jasmin Roth:
Ich bin ehrlich: Anfangs war es reine Notwendigkeit. Nach der Geburt meines zweiten Kindes konnte ich mir die Betreuung nicht anders organisieren. Aber inzwischen genieße ich die Vorteile sehr. Ich kann arbeiten, ohne mich komplett aufzureiben, und habe trotzdem Zeit für meine Familie – und auch für mich. Ich glaube, viele unterschätzen, wie wertvoll freie Zeit ist, um nicht nur zu funktionieren, sondern zu leben.

Daniel Kruse:
Das klingt schön, Frau Roth, aber als Arbeitgeber sehe ich das differenzierter. Teilzeitmodelle machen Personalplanung oft zum Albtraum. Unsere Maschinen laufen im Schichtbetrieb – wir brauchen verlässliche Zeiten. Wenn fünf Leute gleichzeitig freitags früher gehen wollen oder montags gar nicht da sind, dann wird’s kritisch. Außerdem: Die Produktivität sinkt, wenn man ständig Übergaben und Vertretungen organisieren muss.

Moderatorin:
Aber ist das nicht ein veraltetes Bild von Arbeit? Laut einer aktuellen Statistik arbeitet inzwischen mehr als jede dritte beschäftigte Person in Teilzeit – Tendenz steigend. Besonders bei Frauen. Ist das nicht ein gesellschaftlicher Wandel?

Jasmin Roth:
Absolut. Und es ist gut so. Arbeit ist nicht mehr alles im Leben. Viele Menschen – nicht nur Frauen – wollen nicht mehr 40 Stunden oder mehr arbeiten. Der Achtstundentag wurde übrigens 1918 in Deutschland eingeführt, also vor über 100 Jahren. Davor hat man oft sechs Tage die Woche, jeweils bis zu 12 Stunden gearbeitet. Warum ist es also so schwer, sich auch heute Veränderung vorzustellen?

Daniel Kruse:
Weil die Realität komplexer ist. Die Menschen wollen Teilzeit, aber sie wollen auch ein sicheres Einkommen, Karriere, Rente. Das funktioniert langfristig nur mit Vollzeitmodellen. Und was viele vergessen: Teilzeit ist auch oft unfreiwillig. Viele Teilzeitbeschäftigte würden gern mehr arbeiten – sie finden aber keine passende Stelle.

Moderatorin:
Das ist ein wichtiger Punkt. Frau Roth, Sie engagieren sich im Netzwerk „Neue Zeitmodelle Bonn“. Was beobachten Sie dort?

Jasmin Roth:
Dass es funktioniert, wenn Unternehmen bereit sind, sich zu bewegen. Wir haben Beispiele von Betrieben, die 32-Stunden-Wochen eingeführt haben – mit gleichem Gehalt. Die Produktivität ist gleich geblieben oder sogar gestiegen, weil die Mitarbeitenden motivierter, konzentrierter und zufriedener arbeiten. Es ist ein Umdenken nötig – nicht weniger Leistung, sondern klügere Organisation.

Daniel Kruse:
Das mag in kreativen Berufen funktionieren – aber nicht überall. In der Produktion, im Gesundheitswesen, bei der Polizei? Wir brauchen auch Leute, die zu klassischen Zeiten verlässlich da sind. Das wird oft vergessen. Und: Wer weniger arbeitet, zahlt weniger in die Rentenversicherung ein – ein massives Problem für den Sozialstaat.

Moderatorin:
Aber ist es nicht Aufgabe der Politik, neue Lösungen zu schaffen? In Belgien zum Beispiel ist eine Vier-Tage-Woche seit 2022 unter bestimmten Bedingungen gesetzlich möglich.

Jasmin Roth:
Und genau das brauchen wir: politische Rahmenbedingungen, damit Teilzeit kein Karrierekiller ist. Es kann nicht sein, dass Eltern – meist Mütter – zehn Jahre in Teilzeit arbeiten und dann in der Altersarmut landen. Teilzeit darf keine Falle sein, sondern eine echte Wahl.

Daniel Kruse:
Ich bin dafür, dass Menschen wählen dürfen – aber mit allen Konsequenzen. Wer sich für Teilzeit entscheidet, muss auch akzeptieren, dass es finanziell und karrieretechnisch langsamer vorangehen kann. Das ist fair. Aber ich warne davor, Vollzeit zu verteufeln. Viele Menschen arbeiten gern Vollzeit. Ich übrigens auch.

Jasmin Roth:
Aber nur, weil es immer so war, muss es nicht immer so bleiben. Vor 50 Jahren hat man im Büro geraucht. Heute unvorstellbar. Warum nicht auch bei Arbeitszeiten umdenken?

Moderatorin:
Ein spannender Vergleich! Herr Kruse, Frau Roth, ich danke Ihnen für Ihre lebendige Diskussion. Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünschen wir einen entspannten Abend – egal, ob nach acht Stunden Arbeit oder nach einem halben Tag. Bis nächste Woche, bei „Forum am Freitag“.

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1

Freie Zeit ist mehr wert, als viele denken.

✅ Freie Zeit ist mehr wert, als viele denken.

Richtige Lösung: Jasmin Roth

Begründung: Am Ende ihrer ersten Antwort sagt Jasmin Roth: „Ich glaube, viele unterschätzen, wie wertvoll freie Zeit ist, um nicht nur zu funktionieren, sondern zu leben.“ → Freie Zeit ist wertvoller, als viele Menschen glauben.

Fallenanalyse: Die Lösung steht in einem kurzen Satz ganz am Ende der Antwort. Davor erzählt Roth ausführlich von ihrem Kind und der Betreuung. Direkt danach sagt Daniel Kruse „Das klingt schön“. Das klingt wie Zustimmung, aber dann widerspricht er. Die Moderatorin fragt am Anfang nur, ob Teilzeit die Lösung für eine bessere „Work-Life-Balance“ ist. Das ist eine Frage, keine Aussage.

Schlüsselwörter: „viele unterschätzen“ = mehr, als viele denken / „wie wertvoll freie Zeit ist“ = freie Zeit ist viel wert

2

Teilzeit kann die Arbeit im Betrieb weniger effektiv machen.

✅ Teilzeit kann die Arbeit im Betrieb weniger effektiv machen.

Richtige Lösung: Daniel Kruse

Begründung: Daniel Kruse sagt: „Die Produktivität sinkt, wenn man ständig Übergaben und Vertretungen organisieren muss.“ → Durch Teilzeit wird die Arbeit in der Firma weniger effektiv.

Fallenanalyse: Das Wort „Produktivität“ hört man später auch bei Jasmin Roth: „Die Produktivität ist gleich geblieben oder sogar gestiegen.“ Sie sagt aber das Gegenteil. Die Moderatorin antwortet auf Kruse nur mit einer Frage: „Aber ist das nicht ein veraltetes Bild von Arbeit?“

Schlüsselwörter: „Die Produktivität sinkt“ = weniger effektiv / „Übergaben und Vertretungen“ = Probleme im Betrieb

3

Der Anteil der Teilzeitkräfte wächst.

✅ Der Anteil der Teilzeitkräfte wächst.

Richtige Lösung: Moderatorin

Begründung: Die Moderatorin nennt eine Statistik: „Laut einer aktuellen Statistik arbeitet inzwischen mehr als jede dritte beschäftigte Person in Teilzeit – Tendenz steigend.“ → Es gibt immer mehr Menschen, die in Teilzeit arbeiten.

Fallenanalyse: Die Moderatorin stellt nicht nur Fragen, hier nennt sie selbst eine Zahl. Die wichtigste Information ist nur zwei Wörter lang: „Tendenz steigend“. Direkt danach sagt Jasmin Roth „Absolut“ und: „Viele Menschen … wollen nicht mehr 40 Stunden oder mehr arbeiten.“ Sie spricht aber darüber, was Menschen wollen, nicht darüber, dass die Zahl wächst. Daniel Kruse sagt später: „Die Menschen wollen Teilzeit.“ Auch das ist ein Wunsch, keine Entwicklung.

Schlüsselwörter: „Tendenz steigend“ = wächst / „jede dritte beschäftigte Person in Teilzeit“ = der Anteil der Teilzeitkräfte

4

Viele arbeiten in Teilzeit, obwohl sie lieber mehr Stunden hätten.

✅ Viele arbeiten in Teilzeit, obwohl sie lieber mehr Stunden hätten.

Richtige Lösung: Daniel Kruse

Begründung: Daniel Kruse sagt: „Teilzeit ist auch oft unfreiwillig. Viele Teilzeitbeschäftigte würden gern mehr arbeiten – sie finden aber keine passende Stelle.“ → Sie arbeiten weniger, als sie möchten.

Fallenanalyse: Am Anfang sagt Jasmin Roth über sich: „Anfangs war es reine Notwendigkeit.“ Auch das klingt unfreiwillig. Sie wollte aber nicht mehr Stunden, sondern brauchte weniger, wegen der Kinderbetreuung. Und heute genießt sie die Teilzeit. Die Moderatorin sagt nach Kruse nur: „Das ist ein wichtiger Punkt.“ Das ist eine Reaktion, keine eigene Aussage.

Schlüsselwörter: „würden gern mehr arbeiten“ = hätten lieber mehr Stunden / „unfreiwillig“ = obwohl

5

Mit weniger Stunden kann man genauso viel schaffen.

✅ Mit weniger Stunden kann man genauso viel schaffen.

Richtige Lösung: Jasmin Roth

Begründung: Jasmin Roth erzählt von Betrieben mit 32-Stunden-Wochen: „Die Produktivität ist gleich geblieben oder sogar gestiegen, weil die Mitarbeitenden motivierter, konzentrierter und zufriedener arbeiten.“ → Trotz weniger Stunden schaffen die Mitarbeitenden genauso viel.

Fallenanalyse: Am Anfang sagt Daniel Kruse genau das Gegenteil: „Die Produktivität sinkt.“ Direkt nach Roth sagt er: „Das mag in kreativen Berufen funktionieren.“ Das klingt wie Zustimmung, aber dann folgt: „aber nicht überall“. Kruse macht nur eine kleine Ausnahme und bleibt bei seiner Meinung.

Schlüsselwörter: „32-Stunden-Wochen“ = weniger Stunden / „Die Produktivität ist gleich geblieben“ = genauso viel schaffen

6

Nicht in jedem Beruf lassen sich kürzere Arbeitszeiten einführen.

✅ Nicht in jedem Beruf lassen sich kürzere Arbeitszeiten einführen.

Richtige Lösung: Daniel Kruse

Begründung: Daniel Kruse sagt: „Das mag in kreativen Berufen funktionieren – aber nicht überall. In der Produktion, im Gesundheitswesen, bei der Polizei?“ → In manchen Berufen sind kürzere Arbeitszeiten schwer möglich.

Fallenanalyse: Kurz vorher sagt Jasmin Roth, dass es funktioniert, „wenn Unternehmen bereit sind, sich zu bewegen“. Sie meint aber, dass es überall möglich ist. Danach spricht die Moderatorin über Belgien, wo eine Vier-Tage-Woche „gesetzlich möglich“ ist. Sie sagt nichts darüber, dass es in manchen Berufen nicht geht.

Schlüsselwörter: „nicht überall“ = nicht in jedem Beruf / „In der Produktion, im Gesundheitswesen, bei der Polizei“ = Berufe

7

Wer lange in Teilzeit arbeitet, darf später als Rentner nicht arm sein.

✅ Wer lange in Teilzeit arbeitet, darf später als Rentner nicht arm sein.

Richtige Lösung: Jasmin Roth

Begründung: Jasmin Roth sagt: „Es kann nicht sein, dass Eltern – meist Mütter – zehn Jahre in Teilzeit arbeiten und dann in der Altersarmut landen.“ → Lange Teilzeit darf nicht zu Armut im Alter führen.

Fallenanalyse: Das Thema Rente hört man vorher zweimal bei Daniel Kruse: Die Menschen wollen „Karriere, Rente“, und wer weniger arbeitet, „zahlt weniger in die Rentenversicherung ein“. Kruse spricht aber über ein Problem für den Sozialstaat, nicht über arme Rentner. Die Moderatorin fragt nur, ob die Politik neue Lösungen schaffen muss.

Schlüsselwörter: „zehn Jahre in Teilzeit“ = lange in Teilzeit / „in der Altersarmut landen“ = als Rentner arm sein / „Es kann nicht sein“ = darf nicht

8

Es ist in Ordnung, dass man in Teilzeit beruflich langsamer weiterkommt.

✅ Es ist in Ordnung, dass man in Teilzeit beruflich langsamer weiterkommt.

Richtige Lösung: Daniel Kruse

Begründung: Daniel Kruse sagt: „Wer sich für Teilzeit entscheidet, muss auch akzeptieren, dass es finanziell und karrieretechnisch langsamer vorangehen kann. Das ist fair.“ → Für ihn ist eine langsamere Karriere in Teilzeit in Ordnung.

Fallenanalyse: Kurz vorher spricht Jasmin Roth über dasselbe Thema: Teilzeit soll „kein Karrierekiller“ sein. Sie findet eine langsamere Karriere also nicht in Ordnung, sie sagt das Gegenteil. Kruse beginnt seine Antwort mit „Ich bin dafür, dass Menschen wählen dürfen“. Das klingt, als ob er Roth zustimmt, aber dann kommt „aber mit allen Konsequenzen“.

Schlüsselwörter: „Das ist fair“ = es ist in Ordnung / „karrieretechnisch langsamer vorangehen“ = beruflich langsamer weiterkommen

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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