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Die neue Marie-Bashkirtseff-Schule
Ein Schulversuch für besonders kreative Schüler
BERLIN. Es ist eine ganz normale Schulstunde – Mathematik – in einer ganz normalen Klasse. Während der Lehrer einen Vortrag über die Geometrie hält, unterhalten sich die Schüler über das Schulfest, kritzeln Skizzen auf den Heftrand, reichen kleine Bilder unter der Schulbank weiter.Ganz normale KinderAuch außergewöhnlich begabte Kinder sind ganz normale Kinder, betont Renate Hoffmann, Psychologin in der Marie-Bashkirtseff-Schule, die im vergangenen September ihren Betrieb aufgenommen hat. Nur weil sie in der Kunst gut sind, heißt das nicht, dass sie nicht genauso wie alle anderen Schüler Liebeskummer, Streit mit den Geschwistern und andere Pubertätsprobleme haben. Der Unterschied zwischen normalen und kreativ Hochbegabten liegt darin, dass diese sich in ihrer bisherigen Schulkarriere nicht besonders anstrengen mussten und es nicht gewohnt sind, mit ihrer Zeit gut hauszuhalten.Förderung durch ForderungUm außergewöhnlich begabte Kinder nun entsprechend zu fördern, sieht das Konzept der Marie-Bashkirtseff-Schule mehr Kunstfächer, projektorientiertes Arbeiten in kleinen Klassen und vor allem mehr Eigenverantwortung für den Lernenden vor. Dazu kommt die Förderung der individuellen Fähigkeiten: Wer in einem Bereich gut ist und sich besonders für ein Thema interessiert, bekommt Sonderaufgaben und tiefer gehende Materialien. Anfangs war der plötzliche Mehraufwand ein Schock für die Schüler, die eine 38-Stunden-Woche zu bewältigen haben. Aber es ist besser, sie erleben den Schock jetzt als zu Beginn der künstlerischen Laufbahn, meint Frau Bauer, Lehrerin und Schülerbetreuerin an der Bashkirtseff-Schule, denn oft scheitern besonders kreative Menschen später, weil sie mit ihrem Talent nichts anzufangen wissen. Denn zumeist erreichen sie mit wenig Aufwand und Mitarbeit relativ gute Ergebnisse.Wer ist hochbegabt?Zielgruppe der Marie-Bashkirtseff-Schule sind Kinder, die in mindestens einem Bereich der Kunst hochbegabt sind und außergewöhnlich gute Ergebnisse haben, das sind 15 bis 25 Prozent der Schüler. Nach einer Aufnahmeprüfung wurden von 80 Bewerbern 32 Schüler ausgewählt, die von insgesamt 32 Lehrern betreut werden. In diesen Klassen können die außergewöhnlich begabten Schüler dann endlich so sein, wie sie sind, ohne bei jeder Wortmeldung von ihren Klassenkameraden beschimpft zu werden, meint die Schulpsychologin. Ziel des Schulversuchs sei es jedoch laut Frau Bauer nicht, besonders kreative Schüler von normalen Kindern zu trennen, sondern Erfahrung im Umgang mit außergewöhnlich begabten Kindern in die Normalschule zu übernehmen.

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