Pflege (telc)
Deutsch

Kandidat: Ich habe Thema 2 gewählt, weil das Thema Nähe und Distanz in der Grundpflege für mich eine der sensibelsten Seiten unseres Berufs ist. Ich möchte heute über drei Aspekte sprechen: die körperliche Nähe in der Pflege, den Umgang mit Schamgefühlen und die Bedeutung von Vertrauen.
Zuerst zur körperlichen Nähe. Waschen, Umkleiden, Lagern – das sind Tätigkeiten, bei denen wir sehr nah am Körper der Patienten arbeiten. Das ist für viele Menschen ungewohnt und unangenehm, besonders wenn die Pflegekraft fremd ist. Als Pflegekraft muss man diese Grenze respektieren und gleichzeitig professionell bleiben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Schamgefühl. Viele Patienten empfinden es als erniedrigend, bei der Körperpflege Hilfe zu brauchen. Besonders ältere Menschen oder Menschen aus bestimmten Kulturen haben ein starkes Schamgefühl. Deshalb ist es wichtig, jeden Handgriff vorher anzukündigen, ruhig zu sprechen und die Privatsphäre so gut wie möglich zu schützen – zum Beispiel durch Vorhänge oder geschlossene Türen.
Zum Schluss möchte ich die Rolle von Vertrauen ansprechen. Nähe in der Pflege funktioniert nur, wenn der Patient der Pflegekraft vertraut. Dieses Vertrauen baut man durch Kontinuität auf – also wenn möglichst immer dieselben Pflegekräfte zuständig sind.
Zusammenfassend kann ich sagen: Nähe und Distanz in der Grundpflege ist eine tägliche Herausforderung. Der Schlüssel ist Respekt – vor dem Körper, vor den Gefühlen und vor der Würde jedes Patienten.
Prüfer: Was kann man tun, wenn sich ein Patient nicht waschen und umkleiden lassen will?
Kandidat: Zuerst würde ich versuchen, den Grund zu verstehen. Manchmal liegt es an Schmerzen, manchmal an Schamgefühl, manchmal an einer schlechten Erfahrung in der Vergangenheit. Je nach Ursache suche ich eine andere Lösung. Bei Schamgefühl zum Beispiel frage ich, ob der Patient lieber von einer Kollegin oder einem Kollegen gewaschen werden möchte. Oder ich teile die Pflege auf – heute das Gesicht, morgen der Rest. Man darf niemanden zwingen, aber man muss auch erklären, warum die Körperpflege medizinisch notwendig ist.
Prüfer: Wie denken Sie darüber, dass manche Menschen sich nur von Angehörigen pflegen lassen möchten?
Kandidat: Ich verstehe das sehr gut. Es ist natürlich, dass man lieber von jemandem berührt wird, dem man vertraut. Allerdings sehe ich dabei auch Risiken – Angehörige sind oft emotional zu nah dran und können schnell überfordert sein. Außerdem haben sie keine pflegerische Ausbildung, was zu Fehlern führen kann. Ich würde in solchen Fällen das Gespräch suchen und einen Kompromiss anbieten – zum Beispiel können Angehörige dabei sein und helfen, während die Pflegekraft die eigentliche Pflege übernimmt.
Prüfer: Stellen Sie sich vor, Sie liegen im Krankenhaus und brauchen Hilfe bei der Körperpflege. Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?
Kandidat: Ehrlich gesagt wäre das für mich sehr schwierig – auch obwohl ich selbst Pflegekraft bin. Man weiß zwar rational, dass es notwendig ist, aber emotional ist es etwas anderes, wenn man selbst auf Hilfe angewiesen ist. Ich glaube, ich würde mir vor allem wünschen, dass die Pflegekraft ruhig und respektvoll vorgeht, jeden Schritt ankündigt und mir das Gefühl gibt, dass meine Würde gewahrt bleibt. Dieses Bewusstsein hilft mir auch in meiner eigenen Arbeit – ich versuche immer, so zu pflegen, wie ich selbst gepflegt werden möchte.
Prüfer: Wie reagieren Sie, wenn männliche Patienten sich nicht von einer Pflegerin waschen lassen möchten und umgekehrt?
Kandidat: Das kommt in der Praxis regelmäßig vor und ich nehme solche Wünsche ernst. Wenn möglich, organisiere ich, dass ein männlicher Kollege die Pflege übernimmt. Das ist eine Frage des Respekts – religiöse oder kulturelle Gründe spielen dabei oft eine Rolle. Wenn das organisatorisch nicht möglich ist, erkläre ich die Situation ruhig und frage den Patienten, welche Kompromisse er akzeptieren kann. Was ich aber ablehne ist, wenn solche Wünsche dazu führen, dass die Pflege vollständig verweigert wird – dann muss man gemeinsam mit dem Team und wenn nötig auch mit dem Arzt eine Lösung finden.

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