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Warum die Birkmann GmbH in Mainz Quereinsteiger ohne Diplom einstellt
In welchem Studienjahr er aufgehört hat, kann Klaus Birkmann nicht mehr genau sagen. Ich hatte richtig miserable Noten, erinnert sich der 52-Jährige. Müsste sich Birkmann heute mit diesem Lebenslauf um eine Stelle bewerben, hätte er große Mühe. Gerade deshalb ist es ihm, dem heutigen Leiter der Birkmann GmbH in Mainz, ein besonders wichtiges Anliegen, sich für Quereinsteiger zu engagieren. Bewerber ohne Hochschulabschluss, die anderswo kaum eine Chance bekommen, zum Beispiel Menschen aus anderen Berufen oder Arbeitssuchende, die unter persönlichen Problemen leiden, werden in seinem Betrieb ausgebildet.
Stefan Wagner (24) ist Webentwickler und im zweiten Jahr in der Firma. Er bemüht sich sehr um gute Ergebnisse in seinen Projekten. Manche Leute in meiner Branche haben ihren Chef noch nie gesehen, sagt Wagner. Herr Birkmann ist da anders. Er kommt oft ins Büro und fragt, ob wir mit den Aufgaben zurechtkommen. Er gratuliert allen Mitarbeitern persönlich zum Geburtstag oder Hochzeitstag und uns Quereinsteigern immer auch zu erfolgreichen Projektabschlüssen.
Bei schwachen Leistungen allerdings belässt es der Chef nicht einfach bei einem Tadel und er ist nicht zufrieden, wenn man ihm verspricht, in Zukunft mehr zu lernen. Ich versuche immer auch, hinter die Lernprobleme zu blicken, sagt der Unternehmer. Bei jemandem, der gerade Vater geworden ist, weiß ich beispielsweise, dass er eine extrem anstrengende Zeit durchmacht. Über das alles muss man einfach reden. Es gehört für mich genauso zur Ausbildung wie die Kontrolle von Anwesenheit und Projektberichten, betont Klaus Birkmann. Er hat sogar einen Coach eingestellt, den seine Mitarbeiter um Rat fragen können.
Jedes Jahr stellt Birkmann fünf neue Quereinsteiger ein. Auf die Diplome wirft er nur einen flüchtigen Blick. Ob ein Bewerber eingestellt wird, entscheidet er nach dem zwei- bis dreiwöchigen Probearbeiten, das für alle obligatorisch ist. Und natürlich wird da auch mal jemand abgelehnt, wenn zum Beispiel keine Motivation zu erkennen ist. Das war aber bisher nur ein einziger Fall. Bislang hat jeder eingestellte Quereinsteiger seine Abschlussprüfung als Webentwickler bestanden.
Aber auch Klaus Birkmanns 80-jähriger Vater Werner sorgt sich noch immer um das Wohlergehen der Belegschaft. Wenn jemand länger als eine Woche wegen Krankheit fernbleibt, forscht er nach. Birkmann: Er kann ganz schön schimpfen, wenn sich die Verwaltung nicht ausreichend um krankgeschriebene Mitarbeiter kümmert.
Überzeugten Individualisten mag ein so familiäres Betriebsklima zu weit gehen, aber der Erfolg gibt Birkmann recht, denn 95% der Quereinsteiger, die in seinem Betrieb ausgebildet werden, haben innerhalb eines Jahres einen festen Job gefunden.

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