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Lese-Café: Wo ältere Menschen wieder Lust am Lesen findenEhrenamtliche Helfer betreuen Senioren in einem ungewöhnlichen Projekt — Bibliotheken und Buchhandlungen werden noch gesucht.
Sabine KöhlerFrau Weber, 78 Jahre alt, liest seit ihrer Augenoperation wieder regelmäßig Krimis. Herr Lindner, der nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten beim Sprechen hat, diskutiert montags über historische Romane. Frau Özdemir, die vor zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, verbessert ihr Deutsch mit Kurzgeschichten.Drei ältere Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten — alle drei haben in ihrem früheren Leben gerne und viel gelesen. Trotzdem hatten sie das Lesen über Jahre fast aufgegeben — sei es wegen gesundheitlicher Probleme, Einsamkeit oder Sprachschwierigkeiten. Heute treffen sie sich gemeinsam mit zwölf weiteren Senioren im Lese-Café im Stadtteil Köln-Mülheim. Hier werden ältere Menschen dabei unterstützt, das Lesen wieder zu einem festen Teil ihres Alltags zu machen. In einem dreimonatigen Programm üben sie gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern, was ihnen früher selbstverständlich war. Die Bücher werden von örtlichen Bibliotheken (darunter auch die Stadtbibliothek und zwei Schulbibliotheken) kostenlos zur Verfügung gestellt.Gleichzeitig wird ihnen geholfen, neue Lesefreunde zu finden. Einfach ist das nicht, sagt Projektleiterin Andrea Schulz. Es gibt so viele Senioren, die kaum noch das Haus verlassen. Wer findet schon allein den Weg zu uns? Zwar wären die Bezirke gesetzlich verpflichtet, pro 1000 Einwohnern über 65 Jahren ein kulturelles Angebot bereitzustellen. Die meisten Bezirke nützen jedoch die Möglichkeit, sich freizukaufen — die so genannte Kulturpauschale beträgt rund 500 Euro monatlich.Trotz der schwierigen Bedingungen kann Schulz mit einer durchaus positiven Bilanz aufwarten: Immerhin haben wir seit der Projektgründung vor zwei Jahren die Hälfte unserer Teilnehmer in Lesegruppen vermittelt. Auch ein Dienst an der Allgemeinheit, denn jede Vermittlung bedeutet: ein einsamer Mensch weniger, ein aktiver Bürger mehr.Gegründet wurde das Lese-Café von einer Bibliothekarin: Martina Hoffmann, die in einer Kölner Stadtbibliothek Kinder- und Jugendbücher betreut, wollte nicht länger hinnehmen, dass ältere Menschen erst jahrzehntelang Bücher ausleihen, um dann im Alter vergessen zu werden.Nähere Informationen, auch für interessierte Bibliotheken: Lese-Café in Köln-Mülheim, Telefon: 0221/456 78 90.

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