Private Handys am Arbeitsplatz – nur in der Pause
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Moderator: Guten Tag, liebe Hörerinnen und Hörer, und willkommen bei „Treffpunkt Beruf“. Heute geht es um die Frage: „Private Handys am Arbeitsplatz – nur noch in der Pause?“ Meine Gäste sind Thomas Reuter, er leitet den Vertrieb bei einem Logistikunternehmen in Hannover, und Julia Brandt, sie ist im selben Unternehmen Sachbearbeiterin im Einkauf. Private Smartphones im Job – kaum ein Thema sorgt in Büros, Werkstätten und Kantinen für so viel Diskussion. In vielen Fabriken und Supermärkten muss das eigene Gerät schon morgens im Spind bleiben, in anderen Betrieben darf es ganz selbstverständlich neben der Tastatur liegen. Eine gesetzliche Regel gibt es dafür nicht, das entscheidet jedes Unternehmen für sich. Frau Brandt, wie ist es denn bei Ihnen?
Julia Brandt: Das hängt bei uns ganz von der Abteilung ab. Herr Reuter sieht das im Vertrieb ziemlich locker, aber bei uns im Einkauf ist der Chef sehr streng: Das Telefon bleibt in der Tasche, Punkt. Dabei könnte es mir den Alltag oft wirklich leichter machen. Wenn zum Beispiel ein Lieferant aus Polen anruft und es mit dem Englisch nicht so richtig klappt, könnte ich ganz schnell mit einer App übersetzen. Kommt eine Lieferung kaputt an, mache ich ein Foto und schicke es sofort an die Kollegin im Lager. Und wenn ich Preise von Złoty in Euro umrechnen muss, geht das mit dem Handy viel schneller als mit dem alten Taschenrechner auf meinem Schreibtisch.
Moderator: Sie haben gerade das Übersetzen angesprochen. Dafür steht doch ein Computer auf Ihrem Schreibtisch. Früher ging es ja auch ohne Smartphone.
Julia Brandt: Klar, aber das Problem ist: Für jedes neue Programm brauche ich bei uns eine Genehmigung von der IT-Abteilung, und das dauert manchmal Wochen. Bis dahin hat der Lieferant längst bei der Konkurrenz angerufen.
Moderator: Verstehe. Aber vielleicht liegt das eigentliche Problem woanders. Man will nur schnell nach der Bahnverbindung für den Feierabend schauen, da blinkt etwas in der Familiengruppe, und schon ist man mit den Gedanken bei der Geburtstagsfeier der Schwiegermutter statt bei der Rechnung, die man gerade prüfen sollte. Herr Reuter, wie wollen Sie als Vorgesetzter denn sicherstellen, dass so etwas nicht passiert?
Thomas Reuter: Ehrlich gesagt halte ich nichts davon, meinen Leuten ständig über die Schulter zu schauen. Klar, in den ersten Wochen nach der neuen Regel bei uns im Vertrieb war der eine oder andere mit den Gedanken öfter mal woanders, aber das hat sich schnell gelegt. Ich habe es mit Menschen zu tun, die Familien haben, Kredite abbezahlen und für Aufträge in Millionenhöhe geradestehen. Die brauchen niemanden, der ihnen erklärt, wann das Telefon in die Schublade gehört.
Julia Brandt: Das Handy muss ja nicht ständig piepen. Man kann es lautlos stellen und mit dem Display nach unten auf den Tisch legen. Dann sieht auch keiner, wer gerade geschrieben hat. Und überhaupt: Wer während der Dienstzeit dauernd chattet, sitzt abends um sieben noch im Büro, weil die Bestellungen nicht fertig sind. Wer bei der Sache bleibt, hat dagegen pünktlich Feierabend. Das merkt jeder ziemlich schnell von ganz allein.
Moderator: Das klingt sehr positiv. Aber leider gehen nicht alle so vernünftig mit ihren Geräten um. Immer wieder kommt es vor, dass jemand den Bildschirm mit Adressen und Kontonummern von Kunden fotografiert, um ihn einem Kollegen zu schicken, oder dass Kollegen ohne ihr Einverständnis beim Betriebsfest gefilmt werden und das Video eine Stunde später im Netz steht. Viele Fachleute meinen deshalb: Wirklich sicher sind die Informationen der Kunden erst dann, wenn private Geräte schon am Eingang in einem Schließfach bleiben.
Thomas Reuter: Ein Verbot bringt meiner Meinung nach in diesem Fall gar nichts, denn fotografieren kann man auch in der Kantine, auf dem Parkplatz oder mit der Smartwatch. Die Leute müssen vor allem wissen, was sie fotografieren und weiterschicken dürfen und was nicht. Darum muss sich die Firma kümmern, aber jeder Einzelne steht da genauso in der Pflicht. Es ist wichtig, dass man offen über mögliche Gefahren spricht und klare Regeln für das ganze Team aufschreibt.
Moderator: Und dafür ist eine Schulung im Betrieb sicher der beste Weg. Doch leider sieht die technische Ausstattung gerade in kleineren Betrieben oft ziemlich traurig aus. Bei einem Pflegedienst, den wir letzte Woche für unsere Sendung besucht haben, teilen sich zwölf Pflegekräfte zwei alte Geräte, die der Chef bezahlt. Das reicht hinten und vorne nicht, und das ist leider kein Einzelfall.
Julia Brandt: Genau! Dagegen hat heute so gut wie jeder Erwachsene ein eigenes Smartphone in der Tasche, meistens sogar mit Internet-Flatrate. Also steckt in den privaten Geräten eine große Chance, gerade für kleine Betriebe, die wenig Geld für Technik haben. Das Telefon gehört doch längst zu unserem Leben, da finde ich einfach, ein moderner Betrieb muss auch mit der Zeit gehen.
Moderator: Frau Brandt, Herr Reuter, vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Liebe Hörerinnen und Hörer, wie sehen Sie das? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns!
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