Leben in einer Fernbeziehung

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Moderator: Guten Tag, liebe Hörerinnen und Hörer, und willkommen beim „Mittagsgespräch“. Unser Thema heute: Liebe auf Distanz. Sie wohnt in München, er in Berlin, oder einer von beiden arbeitet sogar im Ausland – immer mehr Paare leben so, oft nicht freiwillig, sondern weil der Beruf es verlangt. Wie funktioniert so eine Beziehung im Alltag? Darüber spreche ich heute mit zwei Gästen, die es wissen müssen: Sebastian Lorenz ist Krankenpfleger in Köln, und Nadine Albrecht ist Ingenieurin und arbeitet seit einem Jahr in Zürich. Herzlich willkommen! Herr Lorenz, Ihre Freundin lebt seit zwei Jahren in Kanada. Wie ist es dazu gekommen?

Sebastian Lorenz: Lena ist Biologin und hat an der Universität in Montreal eine Forschungsstelle bekommen, erst einmal für drei Jahre. So eine Chance bekommt man in ihrem Fach vielleicht einmal im Leben. Am Anfang war das für mich ziemlich hart, und zwar nicht nur wegen der Gefühle. Lena hat bei uns immer alles organisiert: die Steuererklärung, die Arzttermine, sogar die Geburtstagsgeschenke für meine Eltern. Ich wusste nicht einmal, wo unsere Versicherungsunterlagen liegen. Heute mache ich das alles ohne fremde Hilfe, und meine Mutter sagt, ich sei endlich erwachsen geworden. (lacht) Aber anders geht es auch nicht, wenn die Partnerin auf einem anderen Kontinent lebt. Da kann man nicht bei jeder Kleinigkeit nach Montreal anrufen.

Moderator: Frau Albrecht, bei Ihnen ist es ja genau umgekehrt: Sie sind diejenige, die gegangen ist.

Nadine Albrecht: Ja, und mein Mann musste zum Glück nichts lernen, der konnte schon immer alles allein. Als das Angebot aus Zürich kam, haben wir einen ganzen Abend in der Küche gesessen und hin und her überlegt. Viele Freundinnen haben damals gesagt: „Du kannst doch nicht einfach weggehen, du bist verheiratet!“ Aber ich habe zwölf Jahre lang von so einer Stelle geträumt. Wenn ich ganz offen bin: Hätte Jens mich damals vor die Wahl gestellt, dann hätte ich mich für Zürich entschieden.

Sebastian Lorenz: Das hätte Lena so nie gesagt. Sie wollte die Stelle in Montreal eigentlich absagen, wegen mir. Ich musste sie fast überreden, den Vertrag zu unterschreiben.

Moderator: Was mich an dem Thema ja wundert: Früher war so eine Entfernung ein riesiges Problem. Als ich studiert habe, ist meine damalige Freundin für ein Jahr nach Madrid gegangen, und ein Ticket dorthin hat damals fast so viel gekostet wie meine Monatsmiete. Mein Neffe sitzt heute am Freitagmorgen im Flieger nach Barcelona, liegt mittags am Strand und hat für Hin- und Rückweg weniger bezahlt als für einen Abend mit Freunden in der Kneipe.

Sebastian Lorenz: Das gilt vielleicht für Barcelona. Nach Montreal zahle ich jedes Mal fast neunhundert Euro. Deshalb sehen wir uns auch nur dreimal im Jahr: an Weihnachten, im Sommer und einmal im Frühling.

Moderator: Viele Paare würden sagen: Spätestens nach zwei Jahren muss einer nachgeben und zurückkommen.

Sebastian Lorenz: Das habe ich mir auch lange gewünscht, das gebe ich zu. Letzten Monat hat Lena mir erzählt, dass sie ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert. Da war ich erst einmal richtig sauer und habe ein paar Tage kaum mit ihr gesprochen. Aber dann habe ich verstanden: Das ist ihr Leben, und sie hat jedes Recht, so zu wählen. Wenn ich sie liebe, muss ich damit leben können, auch wenn es mir nicht gefällt.

Nadine Albrecht: Gesprochen haben wir übrigens noch nie so viel wie jetzt. Abends steht bei uns oft der Laptop auf dem Küchentisch, und wir kochen zusammen – Jens in Hamburg, ich in Zürich –, und dann essen wir sozusagen am selben Tisch. Meine Eltern haben in den Siebzigerjahren auch ein Jahr lang in verschiedenen Städten gewohnt. Die haben sich Briefe geschrieben und einmal in der Woche fünf Minuten aus einer Telefonzelle telefoniert, weil das so teuer war. Von einem Abend wie unserem konnten meine Eltern nur träumen.

Sebastian Lorenz: Bei uns hilft auch der beste Laptop nicht viel, wir haben sechs Stunden Zeitunterschied. Wenn Lena Feierabend hat, ist es bei mir Mitternacht, und um sechs muss ich zur Frühschicht.

Moderator: Ich stelle mir das trotzdem romantisch vor: Man sieht sich nur alle zwei Wochen, und jedes Wiedersehen ist wie ein kleines Fest.

Nadine Albrecht: Das habe ich am Anfang auch gedacht. Der Freitagabend am Bahnhof ist tatsächlich wunderschön. Aber spätestens am Samstagmittag geht es los: Er hat meine Pflanzen nicht gegossen, ich habe vergessen, seine Mutter anzurufen … Zwei Wochen lang sammelt man alles, und dann kommt alles auf einmal raus. An so einem Wochenende kracht es bei uns manchmal öfter als früher in einem ganzen Monat.

Sebastian Lorenz: Bei uns ist es genau umgekehrt. Wenn wir uns nach vier Monaten endlich sehen, hat keiner Lust, sich zu streiten. Dafür ist die Zeit viel zu kostbar. Wir leben eben von Treffen zu Treffen und denken nicht weiter.

Nadine Albrecht: Genau das wäre für mich nichts. Jens und ich wissen genau, wohin die Reise geht: In zwei Jahren läuft mein Vertrag aus, dann suchen wir uns eine Wohnung irgendwo in der Mitte, vielleicht in Frankfurt, und wir legen jeden Monat Geld für ein eigenes Haus zur Seite. Wenn wir nicht wüssten, wofür wir das alles machen, hätten wir wahrscheinlich längst aufgegeben.

Moderator: Ein Haus also – das klingt ja schon fast nach Familienplanung. Herr Lorenz, und wann sehen Sie Lena das nächste Mal?

Sebastian Lorenz: In sieben Wochen, an Weihnachten. Ich habe sogar einen Countdown auf meinem Handy. Ich zähle jeden Tag, aber ehrlich gesagt macht mir das Spaß. Die Vorfreude ist für mich fast das Schönste.

Nadine Albrecht: Sehen Sie, das könnte ich nicht. Bei mir sind es ja immer nur zwölf Tage. Aber die Sonntagabende, wenn ich allein im Zug zurück nach Zürich sitze und weiß, dass es jetzt wieder fast zwei Wochen dauert, bis ich Jens sehe – das ist für mich das Härteste an der ganzen Sache.

Moderator: Frau Albrecht, Herr Lorenz, vielen Dank für das offene Gespräch und Ihnen beiden alles Gute für das nächste Wiedersehen. Und Sie, liebe Hörerinnen und Hörer: Kennen Sie das aus eigener Erfahrung? Dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns!

0 / 8 richtige Optionen

1

Man muss in einer Fernbeziehung selbstständig sein.

✅ Man muss in einer Fernbeziehung selbstständig sein.

Richtige Lösung: Sebastian Lorenz

Begründung: Herr Lorenz erzählt, dass seine Freundin früher alles organisiert hat. Heute sagt er: „Heute mache ich das alles ohne fremde Hilfe … Aber anders geht es auch nicht, wenn die Partnerin auf einem anderen Kontinent lebt.“ → ohne fremde Hilfe = selbstständig / anders geht es nicht = man muss / die Partnerin lebt auf einem anderen Kontinent = Fernbeziehung.

Fallenanalyse: Direkt danach sagt Frau Albrecht über ihren Mann: „… der konnte schon immer alles allein.“ Das klingt nach Selbstständigkeit, aber sie beschreibt nur ihren Mann. Sie sagt nicht, dass man in einer Fernbeziehung so sein muss.

Schlüsselwörter: „ohne fremde Hilfe“ = selbstständig / „anders geht es auch nicht“ = man muss / „auf einem anderen Kontinent“ = Fernbeziehung

2

Die Arbeit ist mir wichtiger als die Beziehung.

✅ Die Arbeit ist mir wichtiger als die Beziehung.

Richtige Lösung: Nadine Albrecht

Begründung: Frau Albrecht hat zwölf Jahre lang von der Stelle in Zürich geträumt. Sie sagt: „Hätte Jens mich damals vor die Wahl gestellt, dann hätte ich mich für Zürich entschieden.“ → Zürich = die neue Stelle / sich gegen Jens für Zürich entscheiden = die Arbeit ist wichtiger als die Beziehung.

Fallenanalyse: Vorher zitiert sie ihre Freundinnen: „Du kannst doch nicht einfach weggehen, du bist verheiratet!“ Das ist die Meinung der anderen, nicht ihre. Herr Lorenz sagt danach das Gegenteil über seine Freundin: Sie wollte die Stelle wegen ihm absagen.

Schlüsselwörter: „Zürich“ = die Stelle, die Arbeit / „vor die Wahl stellen“ = Job oder Partner / „hätte mich für Zürich entschieden“ = die Arbeit ist mir wichtiger

3

Es gibt heute billige Flüge.

✅ Es gibt heute billige Flüge.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator vergleicht früher und heute. Damals kostete ein Ticket nach Madrid „fast so viel wie meine Monatsmiete“. Heute sitzt sein Neffe „im Flieger nach Barcelona“ und hat „weniger bezahlt als für einen Abend mit Freunden in der Kneipe“. → Flieger = Flugzeug / weniger als ein Abend in der Kneipe = billig.

Fallenanalyse: Herr Lorenz widerspricht sofort: „Das gilt vielleicht für Barcelona. Nach Montreal zahle ich jedes Mal fast neunhundert Euro.“ Er spricht auch über Preise für die Reise, sagt aber das Gegenteil.

Schlüsselwörter: „im Flieger“ = Flug / „weniger als für einen Abend in der Kneipe“ = billig / „heute“ = es gibt heute

4

Man muss die Entscheidungen des Partners akzeptieren.

✅ Man muss die Entscheidungen des Partners akzeptieren.

Richtige Lösung: Sebastian Lorenz

Begründung: Herr Lorenz gibt zuerst zu, dass er sauer war, als seine Freundin ihren Vertrag verlängert hat. Aber dann sagt er: „Das ist ihr Leben, und sie hat jedes Recht, so zu wählen. Wenn ich sie liebe, muss ich damit leben können, auch wenn es mir nicht gefällt.“ → so wählen = eine Entscheidung treffen / damit leben können = akzeptieren.

Fallenanalyse: Der Moderator sagt vorher das Gegenteil: „Spätestens nach zwei Jahren muss einer nachgeben und zurückkommen.“ Auch Herr Lorenz beginnt mit dem Gegenteil: Er war „richtig sauer“ und hat kaum mit ihr gesprochen. Das Wort „entschieden“ hört man nur bei Frau Albrecht, dort geht es aber um ihre eigene Stelle.

Schlüsselwörter: „jedes Recht, so zu wählen“ = die Entscheidung des Partners / „damit leben können“ = akzeptieren

5

Die Technik hat den Kontakt leichter gemacht.

✅ Die Technik hat den Kontakt leichter gemacht.

Richtige Lösung: Nadine Albrecht

Begründung: Frau Albrecht kocht abends mit ihrem Mann per Laptop, und sie „essen sozusagen am selben Tisch“. Ihre Eltern konnten sich früher nur Briefe schreiben und fünf Minuten aus einer Telefonzelle telefonieren. Dann sagt sie: „Von einem Abend wie unserem konnten meine Eltern nur träumen.“ → Laptop = Technik / davon konnten die Eltern nur träumen = heute ist es viel leichter.

Fallenanalyse: Herr Lorenz spricht direkt danach auch über den Laptop, aber für ihn „hilft auch der beste Laptop nicht viel“, weil sie sechs Stunden Zeitunterschied haben. Er sagt also das Gegenteil.

Schlüsselwörter: „Laptop“ = Technik / „Briefe, Telefonzelle“ = früher / „konnten nur träumen“ = heute ist es leichter

6

Wenn man sich trifft, gibt es oft Streit.

✅ Wenn man sich trifft, gibt es oft Streit.

Richtige Lösung: Nadine Albrecht

Begründung: Frau Albrecht erzählt, dass der Freitagabend schön ist, aber am Samstag „geht es los“: Pflanzen, Anruf bei der Mutter … Dann sagt sie: „An so einem Wochenende kracht es bei uns manchmal öfter als früher in einem ganzen Monat.“ → es kracht = es gibt Streit / an so einem Wochenende = wenn man sich trifft.

Fallenanalyse: Der Moderator stellt sich das Wiedersehen „romantisch“ vor, „wie ein kleines Fest“. Herr Lorenz benutzt danach sogar das Wort „streiten“, aber er sagt: „… hat keiner Lust, sich zu streiten.“ Bei ihm gibt es also keinen Streit.

Schlüsselwörter: „es kracht“ = es gibt Streit / „öfter als früher in einem ganzen Monat“ = oft / „an so einem Wochenende“ = wenn man sich trifft

7

Beide brauchen gemeinsame Ziele und Pläne.

✅ Beide brauchen gemeinsame Ziele und Pläne.

Richtige Lösung: Nadine Albrecht

Begründung: Frau Albrecht sagt: „Jens und ich wissen genau, wohin die Reise geht“ – in zwei Jahren eine Wohnung in Frankfurt, und sie legen Geld für ein Haus zur Seite. Dann: „Wenn wir nicht wüssten, wofür wir das alles machen, hätten wir wahrscheinlich längst aufgegeben.“ → wissen, wohin die Reise geht = Ziele und Pläne / ohne das hätten sie aufgegeben = sie brauchen sie.

Fallenanalyse: Direkt davor sagt Herr Lorenz: „Wir leben eben von Treffen zu Treffen und denken nicht weiter.“ Das ist das Gegenteil: Er hat keine Pläne. Danach sagt der Moderator „Familienplanung“, aber er kommentiert nur, was Frau Albrecht erzählt hat.

Schlüsselwörter: „Jens und ich“ = beide / „wissen, wohin die Reise geht“ = gemeinsame Ziele und Pläne / „hätten längst aufgegeben“ = ohne Ziel geht es nicht

8

Das lange Warten auf das nächste Treffen ist schwer.

✅ Das lange Warten auf das nächste Treffen ist schwer.

Richtige Lösung: Nadine Albrecht

Begründung: Frau Albrecht beschreibt die Sonntagabende im Zug: „… und weiß, dass es jetzt wieder fast zwei Wochen dauert, bis ich Jens sehe – das ist für mich das Härteste an der ganzen Sache.“ → es dauert zwei Wochen, bis ich ihn sehe = das lange Warten auf das nächste Treffen / das Härteste = schwer.

Fallenanalyse: Herr Lorenz wartet noch länger, sieben Wochen, und zählt sogar mit einem Countdown die Tage. Aber er sagt: „… ehrlich gesagt macht mir das Spaß. Die Vorfreude ist für mich fast das Schönste.“ Für ihn ist das Warten also nicht schwer.

Schlüsselwörter: „es dauert wieder fast zwei Wochen, bis ich Jens sehe“ = das lange Warten auf das nächste Treffen / „das Härteste“ = schwer

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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