Leben in der Stadt

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Moderator: Hallo, liebe Hörerinnen und Hörer, willkommen bei „Zur Sache“, unserer Gesprächsrunde am Samstagnachmittag. Heute geht es um das Thema „Leben in der Stadt“, und wie immer wollen wir nicht nur Experten hören, sondern Menschen wie Sie und mich. Deshalb sind heute zwei Gäste bei mir im Studio: Lea Hartmann, Krankenpflegerin, und Jonas Wilke, Softwareentwickler. Frau Hartmann, Herr Wilke, schön, dass Sie da sind! Über die Großstadt hört man ja oft dasselbe: „Da ist es laut, hektisch und voller Menschen, da hat man nie seine Ruhe.“ Und trotzdem ziehen jedes Jahr Zehntausende Menschen wegen einer neuen Stelle in die großen Städte. Sie beide wohnen in der Nähe von Hamburg oder sogar mittendrin. Stellen Sie sich doch kurz vor und erzählen Sie, wo genau Sie wohnen.

Lea: Ich bin Lea Hartmann, ich bin sechsunddreißig, verheiratet und habe einen kleinen Sohn. Wir wohnen eigentlich nicht direkt in Hamburg, sondern in Pinneberg, das liegt am Stadtrand. Wir sind vor drei Jahren aus Hamburg weggezogen, weil die Wohnungen dort so teuer geworden sind.

Jonas: Und ich bin Jonas Wilke, einunddreißig, und ich wohne mitten in Hamburg, in Altona, im vierten Stock direkt über einem Döner-Laden.

Moderator: Frau Hartmann, Herr Wilke, wie fühlen Sie sich denn da, wo Sie wohnen?

Lea: Also, ich kann mich nicht beschweren. Pinneberg ist zwar nur zwanzig Minuten mit der S-Bahn von der Hamburger Innenstadt entfernt, aber trotzdem habe ich hier abends meine Ruhe. Ich mag Orte wie Pinneberg, die so ein Zwischending sind: nicht richtig Dorf, aber auch keine richtige Großstadt.

Jonas: Also ich finde es ziemlich genial, mitten in der Stadt zu leben. Viele denken ja, in der Stadt ist alles dreckig, und man steht sowieso nur im Stau, wenn man irgendwohin will. Aber das stimmt bei Weitem nicht überall. Bei uns riecht es morgens höchstens nach frischem Brot aus der Bäckerei unten im Haus.

Moderator: Sie stehen ja beide mitten im Berufsleben. Aber im Leben ändert sich vieles: Man gründet eine Familie, die Kinder werden größer, irgendwann denkt man auch an das Alter. Und für Kinder ist ein Dorf mit Garten und Wiese doch eigentlich viel schöner als eine Wohnung an einer lauten Straße. Haben Sie sich schon überlegt, wo Sie in zehn oder zwanzig Jahren leben möchten?

Lea: Ehrlich gesagt, ich weiß noch gar nicht, wo es schöner ist. Mein Mann träumt ja schon lange von einem Haus mit großem Garten, aber da bin ich mir nicht so sicher. Wenn unser Sohn etwas größer ist, möchten wir erst einmal ein Jahr ins Ausland, nach Kanada. Dort würde ich gern in einer kleinen Stadt im Krankenhaus arbeiten und alles mit dem Fahrrad erledigen, ganz ohne Auto. In so einem Ort ist ja alles gleich um die Ecke, das mag ich nämlich. Und danach will ich auf jeden Fall wieder in eine richtige Großstadt, am liebsten nach München. Aber das ist alles noch so weit weg.

Jonas: Also ich möchte auf jeden Fall in der Stadt bleiben, auch wenn ich einmal alt bin, denn hier braucht man gar kein eigenes Auto. Mit der U-Bahn, dem Leihfahrrad und Carsharing kommt man überall hin, und am Ende ist das sogar viel billiger als ein eigener Wagen mit Versicherung und Parkplatz.

Moderator: Herr Wilke, was sind denn für Sie die größten Vorteile, wenn man in der Stadt lebt?

Jonas: Keine Frage, hier ist man einfach unabhängig. Wenn man in einem Dorf wohnt, fährt der letzte Bus vielleicht um acht Uhr abends. Bei uns fährt die U-Bahn am Wochenende die ganze Nacht. Außerdem hätte ich in einem Dorf das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Hier in Altona weiß keiner, wann ich nach Hause komme und wer mich besucht, und das finde ich gut so. Und trotzdem bin ich nicht allein, denn ich laufe zweimal in der Woche mit einer Laufgruppe im Park und singe in einem Chor.

Lea: Na ja, das Leben in der Stadt hat zwar viele Vorteile, aber für Familien ist es oft gar nicht so toll, wie alle denken. Ich meine damit vor allem die Freizeit. Angebote gibt es in Hamburg zwar jede Menge, Theater, Restaurants, Konzerte, Schwimmbäder, aber das meiste kann man sich mit einem normalen Gehalt kaum leisten. Ein Abend im Theater mit Babysitter und Parkhaus kostet schnell hundert Euro, und ein Konzertticket wünsche ich mir höchstens zum Geburtstag.

Moderator: Für Familien ist das Leben in der Großstadt also nicht immer perfekt …

Jonas: Das stimmt leider, aber ich will nicht nur meckern, sondern selbst etwas ändern. Deshalb bin ich seit letztem Jahr in einer Stadtteilinitiative in Altona aktiv. Da setzen sich Nachbarn jeden Alters für die Wünsche der Menschen im Viertel ein. Wir haben zum Beispiel schon einen Gemeinschaftsgarten in einem Hinterhof angelegt, und als Nächstes planen wir ein Open-Air-Kino im Park und ein Straßenfest. Beides soll für alle kostenlos sein.

Moderator: Ein Argument, das man immer wieder hört, wenn es um die Frage „Stadt oder Land?“ geht, ist, dass es in der Stadt viel mehr Kultur gibt als auf dem Land.

Jonas: Das stimmt auf jeden Fall. In Hamburg gibt es jeden Abend irgendwo ein Konzert, eine Lesung oder eine Ausstellung, und viele Museen haben einmal im Monat sogar freien Eintritt. Letzte Woche war ich zum Beispiel mit Kollegen bei einer Fotoausstellung im Hafen. Auf dem Dorf gibt es vielleicht einmal im Jahr ein Feuerwehrfest.

Lea: Ich kann mir auch nicht vorstellen, für immer in einem kleinen Dorf zu wohnen, wo man nur Felder und Kühe sieht. Mir wäre das auf Dauer einfach zu langweilig: einmal im Jahr ein Feuerwehrfest, und sonst trifft man immer dieselben Leute. Außerdem möchte ich nicht für jedes Brot, jeden Arzttermin und jeden Weg zur Kita zehn Kilometer mit dem Auto fahren müssen.

Moderator: Mit dieser Meinung sind Sie nicht allein. Wenn man Leute fragt, was das Stadtleben so besonders macht, warum man in der Stadt besser lebt als auf dem Land, dann sagen sie, dass man dort freier ist, dass es jeden Abend Kultur gibt und dass man ständig neue Leute kennenlernt. Frau Hartmann, Herr Wilke, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch. Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, bis nächsten Samstag bei „Zur Sache“!

0 / 8 richtige Optionen

1

Auch nah an einer Großstadt kann man ruhig wohnen.

✅ Auch nah an einer Großstadt kann man ruhig wohnen.

Richtige Lösung: Lea Hartmann

Begründung: Lea antwortet mit einer Einschränkung: „Pinneberg ist zwar nur zwanzig Minuten mit der S-Bahn von der Hamburger Innenstadt entfernt, aber trotzdem habe ich hier abends meine Ruhe.“ → Die Lösung steht nach „aber“: nur zwanzig Minuten entfernt = nah an einer Großstadt / meine Ruhe haben = ruhig wohnen.

Fallenanalyse: Das Wort „Ruhe“ hört man zuerst beim Moderator: „… da hat man nie seine Ruhe.“ Das ist aber ein bekanntes Vorurteil über die Großstadt und meint das Gegenteil. Direkt nach Lea sagt Jonas begeistert, dass er es „ziemlich genial“ findet, mitten in der Stadt zu leben. Über Ruhe spricht er aber nicht.

Schlüsselwörter: „nur zwanzig Minuten … entfernt“ = nah an einer Großstadt / „abends meine Ruhe haben“ = ruhig wohnen

2

Für Kinder ist das Leben auf dem Land schöner als in der Großstadt.

✅ Für Kinder ist das Leben auf dem Land schöner als in der Großstadt.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator sagt seine eigene Meinung, bevor er die Frage stellt: „Und für Kinder ist ein Dorf mit Garten und Wiese doch eigentlich viel schöner als eine Wohnung an einer lauten Straße.“ → Dorf mit Garten und Wiese = Leben auf dem Land.

Fallenanalyse: Lea hat einen kleinen Sohn und sagt direkt danach „wo es schöner ist“. Außerdem erzählt sie, dass ihr Mann von einem Haus mit großem Garten träumt. Das klingt sehr ähnlich, ist aber nur der Wunsch ihres Mannes, und Lea ist sich selbst „nicht so sicher“. Dass das Land für Kinder schöner ist, sagt sie nicht. Jonas spricht nicht über Kinder.

Schlüsselwörter: „ein Dorf mit Garten und Wiese“ = das Leben auf dem Land / „viel schöner als eine Wohnung an einer lauten Straße“ = schöner als in der Großstadt

3

In der Großstadt kommt man gut ohne eigenes Auto aus.

✅ In der Großstadt kommt man gut ohne eigenes Auto aus.

Richtige Lösung: Jonas Wilke

Begründung: Jonas erklärt, warum er in der Stadt bleiben will: „… denn hier braucht man gar kein eigenes Auto. Mit der U-Bahn, dem Leihfahrrad und Carsharing kommt man überall hin.“ → kein eigenes Auto brauchen = ohne eigenes Auto auskommen.

Fallenanalyse: Direkt davor sagt Lea „ganz ohne Auto“. Sie meint aber eine kleine Stadt in Kanada, in der sie für ein Jahr arbeiten möchte, also keine Großstadt. Die Aussage passt nur zu Jonas.

Schlüsselwörter: „braucht man gar kein eigenes Auto“ = kommt man ohne eigenes Auto aus / „hier“ (Hamburg) = in der Großstadt

4

Auf dem Land weiß jeder über jeden Bescheid.

✅ Auf dem Land weiß jeder über jeden Bescheid.

Richtige Lösung: Jonas Wilke

Begründung: Der Moderator fragt Jonas nach den Vorteilen der Stadt. Jonas spricht aber über einen Nachteil des Dorfes: „Außerdem hätte ich in einem Dorf das Gefühl, ständig beobachtet zu werden.“ → ständig beobachtet werden = jeder weiß über jeden Bescheid.

Fallenanalyse: Im nächsten Satz kommt eine fast gleiche Formulierung mit umgekehrtem Sinn: „Hier in Altona weiß keiner, wann ich nach Hause komme und wer mich besucht.“ Das Wort „weiß“ steht also im Satz über die Stadt. Wer nur auf das Wort achtet, verwechselt Stadt und Land. Die Lösung ist der Satz davor, im Konjunktiv: „hätte ich … das Gefühl“.

Schlüsselwörter: „in einem Dorf“ = auf dem Land / „ständig beobachtet werden“ = jeder weiß über jeden Bescheid

5

In einer Großstadt ist die Freizeit oft teuer.

✅ In einer Großstadt ist die Freizeit oft teuer.

Richtige Lösung: Lea Hartmann

Begründung: Lea benutzt zweimal „zwar … aber“: „Angebote gibt es in Hamburg zwar jede Menge, Theater, Restaurants, Konzerte, Schwimmbäder, aber das meiste kann man sich mit einem normalen Gehalt kaum leisten.“ → sich kaum leisten können = teuer. Ihr Beispiel bestätigt das: Ein Theaterabend kostet schnell hundert Euro.

Fallenanalyse: Der erste Teil klingt positiv („viele Vorteile“, „jede Menge“ Angebote). Die Lösung steht erst nach „aber“. Jonas sagt später, dass viele Museen einmal im Monat freien Eintritt haben und das Open-Air-Kino kostenlos sein soll. Das ist das Gegenteil. In der Einleitung spricht Lea über teure Wohnungen. Dort geht es aber ums Wohnen, nicht um die Freizeit.

Schlüsselwörter: „mit einem normalen Gehalt kaum leisten“ = teuer / „Theater, Restaurants, Konzerte, Schwimmbäder“ = Freizeit

6

Bewohner kümmern sich selbst um bessere Angebote in ihrem Stadtteil.

✅ Bewohner kümmern sich selbst um bessere Angebote in ihrem Stadtteil.

Richtige Lösung: Jonas Wilke

Begründung: Jonas sagt: „… ich will nicht nur meckern, sondern selbst etwas ändern. Deshalb bin ich seit letztem Jahr in einer Stadtteilinitiative in Altona aktiv.“ Die Nachbarn haben dort selbst einen Gemeinschaftsgarten angelegt und planen ein Open-Air-Kino und ein Straßenfest. → selbst etwas ändern = sich selbst kümmern / Nachbarn = Bewohner / Viertel = Stadtteil.

Fallenanalyse: Über die Freizeit klagt vorher Lea. Sie beschreibt aber nur das Problem. Jonas beginnt mit „Das stimmt leider“, das klingt zuerst nur nach Zustimmung. Die Lösung kommt erst nach „aber“.

Schlüsselwörter: „selbst etwas ändern“ = sich selbst kümmern / „Nachbarn“ = Bewohner / „im Viertel“ = in ihrem Stadtteil / „Gemeinschaftsgarten, Open-Air-Kino, Straßenfest“ = bessere Angebote

7

Es ist wichtig, alles für den Alltag in der Nähe zu haben.

✅ Es ist wichtig, alles für den Alltag in der Nähe zu haben.

Richtige Lösung: Lea Hartmann

Begründung: Am Ende ihrer Antwort sagt Lea: „Außerdem möchte ich nicht für jedes Brot, jeden Arzttermin und jeden Weg zur Kita zehn Kilometer mit dem Auto fahren müssen.“ → Sie sagt, was sie nicht möchte. Die Aussage formuliert das positiv: Einkäufe, Arzt und Kita sollen in der Nähe sein. Schon vorher sagt sie über die kleine Stadt in Kanada: „… ist ja alles gleich um die Ecke, das mag ich nämlich.“

Fallenanalyse: Jonas erzählt am Anfang von der Bäckerei unten im Haus. Er sagt aber nicht, dass ihm das wichtig ist. Vor ihrer Lösung spricht Lea erst über Langeweile und das Feuerwehrfest und setzt damit nur Jonas’ Thema Kultur fort. Die Lösung kommt erst mit „Außerdem“ ganz am Ende.

Schlüsselwörter: „Brot, Arzttermin, Weg zur Kita“ = alles für den Alltag / „nicht zehn Kilometer fahren müssen“ = in der Nähe haben

8

In der Stadt ist die Lebensqualität höher als auf dem Land.

✅ In der Stadt ist die Lebensqualität höher als auf dem Land.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Am Schluss fasst der Moderator eine Umfrage zusammen: „Wenn man Leute fragt, … warum man in der Stadt besser lebt als auf dem Land, dann sagen sie …“ → in der Stadt besser leben = die Lebensqualität ist höher.

Fallenanalyse: Jonas lobt die ganze Zeit die Stadt, deshalb erwartet man ihn als Lösung. Er spricht aber immer nur über einzelne Punkte: Verkehr, Freunde, Kultur. Das allgemeine Urteil „besser leben“ sagt nur der Moderator. Die Punkte aus der Umfrage (frei, Kultur, neue Leute) klingen wie Jonas, gesagt hat diesen Satz aber der Moderator.

Schlüsselwörter: „besser leben“ = höhere Lebensqualität / „Wenn man Leute fragt“ = Umfrage, gesagt vom Moderator

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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