Auslandssemester

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Moderator:
Hallo und guten Abend bei „Campus live“. Heute fragen wir: Lohnt sich ein Auslandssemester – oder ist es vor allem ein teurer Urlaub? Dazu habe ich zwei Gäste im Studio. Mira Kovač studiert Informatik in Dortmund und ist erst vor drei Wochen aus Valencia zurückgekommen. Und Jan Ostermann ist Personalchef bei einer großen Spedition in Duisburg und führt jedes Jahr rund zweihundert Bewerbungsgespräche. Herzlich willkommen!

Herr Ostermann:
Guten Abend.

Frau Kovač:
Hallo!

Moderator:
Frau Kovač, man sagt ja, das Zurückkommen ist oft schwieriger als das Weggehen. Jetzt sitzen Sie wieder im Dortmunder Regen – wie geht es Ihnen?

Frau Kovač:
Ehrlich gesagt, ich vermisse vor allem das Essen und die Sonne! Aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Spanisch lernen, und am Ende hatte ich fünf Monate lang jeden Tag etwas Neues zu erzählen. Ich finde, jeder Student sollte das einmal erleben, das macht einfach riesigen Spaß …

Herr Ostermann:
Da muss ich kurz einhaken. Spaß gönne ich jedem, wirklich. Aber ich sehe es jeden Tag bei uns in der Firma: Wir beschäftigen über vierzig Werkstudenten. Wer für ein halbes Jahr nach Spanien geht, dessen Platz ist danach meistens besetzt. Und dann steht er im Herbst ohne Stelle und ohne Geld da.

Frau Kovač:
Zum Thema Geld sage ich gleich noch etwas. Aber das Wichtigste ist doch: Man kommt als ein anderer Mensch zurück.

Herr Ostermann:
Das glaube ich Ihnen sofort. Nur, so etwas kann man auch hier haben. Bei uns arbeiten Menschen aus über dreißig Ländern – im Lager, im Büro, in der Buchhaltung. Wer bei uns ein Praktikum macht, sitzt mittags mit einer Kollegin aus Ghana und einem Kollegen aus der Ukraine in der Kantine. Dafür muss man kein Flugticket kaufen.

Moderator:
Herr Ostermann meint, man müsse dafür nicht wegfliegen. Frau Kovač, waren die fünf Monate für Ihr Studium denn verloren?

Frau Kovač:
Verloren? Auf keinen Fall – auch wenn ich zugebe, dass ich in Valencia fachlich weniger gelernt habe als hier, die Kurse waren einfacher. Aber ich musste plötzlich alles allein schaffen: eine Wohnung finden, ein Konto eröffnen, mit Fieber zum Arzt gehen und ihm auf Spanisch erklären, wo es wehtut. Früher hat das alles meine Mutter für mich erledigt. Heute rufe ich sie nicht mehr bei jeder Kleinigkeit an.

Moderator:
Selbstständigkeit – das wünschen sich ja viele Arbeitgeber. Und in der Logistik haben Sie ohnehin ständig mit dem Ausland zu tun, Herr Ostermann, oder?

Herr Ostermann:
Natürlich, wir telefonieren jeden Tag mit Polen, Rumänien und der Türkei. Aber das ist ja auch eine besondere Branche. In vielen Berufen braucht man das bis heute kaum.

Frau Kovač:
Das sehe ich anders. Mein Vater hat eine kleine Bäckerei in einem Dorf im Sauerland. Und selbst er bestellt sein Mehl inzwischen bei einer Mühle in Tschechien, und in seiner Backstube stehen zwei Kollegen aus Syrien. Wenn das schon in einer Dorfbäckerei so ist – wo soll es dann anders sein?

Moderator:
Gleich geht es mit unserer Diskussion weiter, aber zuerst hören wir etwas Musik – passend zum Thema aus Spanien.

…

Moderator:
Und wir sind zurück. Frau Kovač, Sie haben vorhin erzählt, dass Sie alles allein organisieren mussten. Das muss heute übrigens gar nicht mehr so sein: Viele Hochschulen haben inzwischen sogenannte Buddy-Programme. Da kümmert sich ein Student vor Ort um die Neuen, zeigt ihnen die Stadt und geht mit ihnen zu den Ämtern. Herr Ostermann, Ihre Tochter war doch auch im Ausland – hatte sie so jemanden?

Herr Ostermann:
Nein, leider nicht – und das war vielleicht das Problem. Sie war in Schweden, in einer kleinen Stadt, und hatte schon nach zwei Wochen schreckliches Heimweh. Jeden Abend hat sie weinend angerufen. Nach sechs Wochen ist sie zurückgekommen.

Frau Kovač:
Oh, das tut mir leid. Ich hatte vor der Abreise genau dieselbe Angst, ehrlich. Ich dachte, ich sitze da fünf Monate allein in meinem Zimmer. Und dann saß ich schon am zweiten Abend mit einer Italienerin, zwei Polen und einem Japaner in der Küche, und wir haben Paella gekocht – na ja, wir haben es versucht. Meine Freundinnen, die hiergeblieben sind, sagen bis heute: „Da wäre ich doch total einsam.“ Dabei geht das so schnell!

Herr Ostermann:
Mag sein. Aber wenn ich ehrlich bin: Wenn ich einen Lebenslauf lese, schaue ich zuerst auf die Praktika. Ob da ein Semester in Spanien steht, ist für mich eher zweitrangig.

Moderator:
Sie meinen also, Herr Ostermann, ein Auslandssemester zählt im Lebenslauf gar nicht so viel. Ich habe da allerdings meine eigene Erfahrung. Ich habe früher selbst Bewerber für unseren Sender interviewt, und nach zehn Minuten wusste ich meistens, wer schon einmal ganz allein in einem fremden Land klarkommen musste. Die sitzen einfach anders da.

Frau Kovač:
Genau das meine ich!

Herr Ostermann:
Gut, das gebe ich zu, ganz unwichtig ist es nicht. Und was ich mir wirklich wünschen würde: dass die Hochschulen nicht nur das Studium im Ausland belohnen. Ich habe nach dem Abitur ein halbes Jahr in einer Spedition in Rotterdam gearbeitet, und das hat mir mehr gebracht als jede Vorlesung. So etwas müsste im Studium genauso viel gelten wie ein Semester an einer ausländischen Uni.

Frau Kovač:
Oder ein Freiwilligenjahr! Meine Cousine war ein Jahr in einem Kinderheim in Peru – das sollte doch auch zählen. Aber ich bleibe dabei: Wer die Chance hat, sollte unbedingt ein Semester ins Ausland gehen.

Moderator:
Liebe Gäste, vielen Dank für diese spannende Diskussion! Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer: Wenn Sie selbst schon im Ausland studiert haben, schreiben Sie uns. Bis zur nächsten Sendung von „Campus live“.

0 / 8 richtige Optionen

1

Ein Auslandssemester kann den Nebenjob kosten.

✅ Ein Auslandssemester kann den Nebenjob kosten.

Richtige Lösung: Jan Ostermann

Begründung: Jan Ostermann sagt: „Wir beschäftigen über vierzig Werkstudenten. Wer für ein halbes Jahr nach Spanien geht, dessen Platz ist danach meistens besetzt.“ → Wer im Ausland studiert, verliert oft seinen Job neben dem Studium.

Fallenanalyse: Ostermann beginnt mit einer Einräumung: „Spaß gönne ich jedem, wirklich.“ Das klingt freundlich, aber dann kommt sein Gegenargument. Das Wort „Nebenjob“ kommt nicht vor, es steckt in „Werkstudenten“ und „dessen Platz ist besetzt“. Direkt danach sagt Mira Kovač: „Zum Thema Geld sage ich gleich noch etwas.“ Sie nimmt das Thema auf, sagt aber nichts über den Job.

Schlüsselwörter: „Werkstudenten“ = Nebenjob / „dessen Platz ist danach meistens besetzt“ = den Job verlieren

2

Auch in Deutschland kann man internationale Erfahrungen sammeln.

✅ Auch in Deutschland kann man internationale Erfahrungen sammeln.

Richtige Lösung: Jan Ostermann

Begründung: Jan Ostermann sagt: „Nur, so etwas kann man auch hier haben. Bei uns arbeiten Menschen aus über dreißig Ländern … Dafür muss man kein Flugticket kaufen.“ → Internationale Erfahrungen kann man auch in einer deutschen Firma machen.

Fallenanalyse: Ostermann beginnt mit einer Zustimmung: „Das glaube ich Ihnen sofort.“ Viele denken deshalb, er gibt Mira Kovač recht. Seine eigene Meinung kommt erst nach „Nur“. Die Lösung steckt außerdem in einem Beispiel: die Kollegin aus Ghana und der Kollege aus der Ukraine in der Kantine.

Schlüsselwörter: „so etwas kann man auch hier haben“ = auch in Deutschland / „Menschen aus über dreißig Ländern“ = internationale Erfahrungen

3

Im Ausland wird man selbstständiger.

✅ Im Ausland wird man selbstständiger.

Richtige Lösung: Mira Kovač

Begründung: Mira Kovač erzählt: „Ich musste plötzlich alles allein schaffen: eine Wohnung finden, ein Konto eröffnen, mit Fieber zum Arzt gehen … Früher hat das alles meine Mutter für mich erledigt.“ → Im Ausland ist sie selbstständiger geworden.

Fallenanalyse: Kovač beginnt mit einer Einräumung: Sie hat in Valencia „fachlich weniger gelernt“. Das klingt negativ, aber dann kommt „Aber“. Das Wort „selbstständig“ benutzt sie nicht. Direkt danach sagt der Moderator: „Selbstständigkeit – das wünschen sich ja viele Arbeitgeber.“ Das Wort hört man also nur bei ihm. Er greift aber nur Kovačs Gedanken auf und stellt dann eine Frage an Herrn Ostermann.

Schlüsselwörter: „alles allein schaffen“ = selbstständiger werden / „Früher hat das alles meine Mutter erledigt“ = früher weniger selbstständig

4

Kontakt mit dem Ausland gibt es heute in fast jedem Beruf.

✅ Kontakt mit dem Ausland gibt es heute in fast jedem Beruf.

Richtige Lösung: Mira Kovač

Begründung: Mira Kovač erzählt von der Bäckerei ihres Vaters im Dorf: Er bestellt sein Mehl „bei einer Mühle in Tschechien“, und in der Backstube arbeiten „zwei Kollegen aus Syrien“. Dann fragt sie: „Wenn das schon in einer Dorfbäckerei so ist – wo soll es dann anders sein?“ → Kontakt mit dem Ausland gibt es fast überall im Beruf.

Fallenanalyse: Direkt davor sagt Jan Ostermann das Gegenteil: In der Logistik telefoniert man jeden Tag mit dem Ausland, aber „in vielen Berufen braucht man das bis heute kaum“. Kovač sagt ihre Meinung nicht direkt, sondern als Frage am Ende einer Geschichte. Die Frage bedeutet: Es ist überall so.

Schlüsselwörter: „wo soll es dann anders sein?“ = in fast jedem Beruf / „Mühle in Tschechien“, „Kollegen aus Syrien“ = Kontakt mit dem Ausland

5

An manchen Hochschulen helfen Studierende vor Ort den Neuen.

✅ An manchen Hochschulen helfen Studierende vor Ort den Neuen.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator sagt: „Viele Hochschulen haben inzwischen sogenannte Buddy-Programme. Da kümmert sich ein Student vor Ort um die Neuen, zeigt ihnen die Stadt und geht mit ihnen zu den Ämtern.“ → Studierende im Gastland helfen den neuen Austauschstudenten.

Fallenanalyse: Der Moderator gibt diese Information nach der Musikpause, als er zum Thema zurückkommt. Deshalb überhört man sie leicht. Vorher hat Mira Kovač gesagt, dass sie „alles allein schaffen“ musste, sie hatte also keine Hilfe. Danach erzählt Jan Ostermann, dass seine Tochter auch keine Hilfe hatte. Beide sprechen über das Thema, aber nur der Moderator sagt, dass es diese Hilfe gibt.

Schlüsselwörter: „Buddy-Programme“, „ein Student vor Ort kümmert sich um die Neuen“ = Studierende helfen den Neuen / „viele Hochschulen“ = an manchen Hochschulen

6

Viele glauben zu Unrecht, dass man im Ausland allein bleibt.

✅ Viele glauben zu Unrecht, dass man im Ausland allein bleibt.

Richtige Lösung: Mira Kovač

Begründung: Mira Kovač erzählt: Sie hatte Angst, „fünf Monate allein“ im Zimmer zu sitzen. Aber schon am zweiten Abend kochte sie mit anderen Studenten in der Küche. Ihre Freundinnen sagen trotzdem: „Da wäre ich doch total einsam.“ Und sie sagt: „Dabei geht das so schnell!“ → Viele haben Angst vor Einsamkeit, aber das ist falsch.

Fallenanalyse: Direkt davor erzählt Jan Ostermann eine traurige Geschichte: Seine Tochter hatte in Schweden „schreckliches Heimweh“ und ist nach sechs Wochen zurückgekommen. Diese Geschichte ist sehr auffällig und spricht gegen die Aussage. Die Lösung bei Kovač steckt in „Dabei“: Die Freundinnen glauben es, aber es stimmt nicht.

Schlüsselwörter: „Da wäre ich doch total einsam“ = viele glauben, man bleibt allein / „Dabei geht das so schnell!“ = zu Unrecht

7

Im Bewerbungsgespräch merkt man, wer schon im Ausland gelebt hat.

✅ Im Bewerbungsgespräch merkt man, wer schon im Ausland gelebt hat.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator erzählt: „Ich habe früher selbst Bewerber für unseren Sender interviewt, und nach zehn Minuten wusste ich meistens, wer schon einmal ganz allein in einem fremden Land klarkommen musste.“ → Im Gespräch erkennt man, wer Auslandserfahrung hat.

Fallenanalyse: Der Moderator fasst zuerst Herrn Ostermanns Meinung zusammen: „Sie meinen also …“. Dann erzählt er seine eigene Erfahrung. Vorher sagt Ostermann, dass für ihn das Auslandssemester im Lebenslauf „eher zweitrangig“ ist. Danach sagt Mira Kovač: „Genau das meine ich!“ Das ist nur eine Zustimmung. Die Aussage kommt vom Moderator.

Schlüsselwörter: „Bewerber interviewt“ = Bewerbungsgespräch / „nach zehn Minuten wusste ich“ = man merkt / „allein in einem fremden Land klarkommen“ = im Ausland gelebt

8

Ein Praktikum im Ausland sollte genauso zählen wie ein Studiensemester.

✅ Ein Praktikum im Ausland sollte genauso zählen wie ein Studiensemester.

Richtige Lösung: Jan Ostermann

Begründung: Jan Ostermann erzählt, dass er nach dem Abitur ein halbes Jahr in einer Spedition in Rotterdam gearbeitet hat. Dann sagt er: „So etwas müsste im Studium genauso viel gelten wie ein Semester an einer ausländischen Uni.“ → Arbeit im Ausland soll für das Studium genauso zählen.

Fallenanalyse: Ostermann beginnt mit einer Einräumung: „Gut, das gebe ich zu, ganz unwichtig ist es nicht.“ Danach kommt sein eigener Vorschlag. Das Wort „zählen“ hört man nur bei Mira Kovač: Ein Freiwilligenjahr „sollte doch auch zählen“. Sie spricht aber über ein Freiwilligenjahr, nicht über ein Praktikum.

Schlüsselwörter: „ein halbes Jahr in einer Spedition gearbeitet“ = Praktikum im Ausland / „genauso viel gelten“ = genauso zählen

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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