Hausaufgaben

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Moderator:
Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen bei „Schulfragen“. Heute geht es um ein Thema, über das in fast jeder Familie gestritten wird: Hausaufgaben. Kurz vor der Sendung hat uns übrigens eine Hörerin geschrieben, ihr Sohn sitze jeden Abend weinend am Küchentisch, und sie wisse nicht mehr weiter. Darüber sprechen wir gleich. Bei mir im Studio sind die Psychologin Dr. Andrea Kessler, die eine Beratungsstelle für Familien leitet, und Thomas Brehm, Mathematik- und Deutschlehrer an einer Gesamtschule in Bochum. Herzlich willkommen!

Dr. Kessler:
Guten Tag! Und an die Hörerin: Sie sind nicht allein, solche Briefe bekomme ich jede Woche.

Herr Brehm:
Guten Tag. Ich unterrichte seit zweiundzwanzig Jahren – an Hausaufgaben kommt man da nicht vorbei.

Moderator:
Frau Dr. Kessler, wie erleben Sie das Thema in Ihrer Beratungsstelle?

Dr. Kessler:
Ich stelle den Kindern bei mir immer eine ganz einfache Frage: „Wer sitzt neben dir, wenn du Hausaufgaben machst?“ Und dann fangen sie an zu zählen: Mama natürlich, montags die Oma, mittwochs der Nachhilfelehrer, und wenn es ganz schwierig wird, noch der große Bruder per Videoanruf. Ein Mädchen hat neulich sogar ihre Tante in Kanada genannt – wegen der Englischaufgaben!

Herr Brehm:
Also, bei meinen Schülern sieht das ganz anders aus. Viele sind nachmittags völlig auf sich allein gestellt, weil beide Eltern bis abends arbeiten. Da sitzt niemand daneben.

Dr. Kessler:
Das gibt es natürlich auch. Aber dann erlebe ich das andere Extrem. Eine Mutter hat mir letzte Woche ganz stolz ein Plakat über Pinguine gezeigt, das „ihr Sohn“ gemacht hatte – mit perfekter Schrift, schönen Bildern, ohne einen einzigen Fehler. Ich habe den Jungen dann gefragt, was ein Pinguin eigentlich frisst. Er hat nur mit den Schultern gezuckt. Solche Plakate liegen bei mir fast jeden Monat auf dem Tisch.

Herr Brehm:
Ich muss lachen, so etwas kenne ich. Mir hat auch mal ein Schüler einen Aufsatz abgegeben, den ganz eindeutig der Vater geschrieben hatte – mit Wörtern, die ein Zwölfjähriger nie benutzen würde. Aber ehrlich gesagt, das war bei mir eine Ausnahme.

Moderator:
Viele Eltern ärgern sich ja auch darüber, wie der Schultag schon morgens anfängt: hetzen, Brote schmieren, Bus erwischen …

Dr. Kessler:
Oh ja, das kenne ich auch privat. Ich bringe meine Tochter jeden Morgen bis zur Ecke, wo der Schulbus hält, und trage dabei ihren Ranzen. Jedes Mal bin ich froh, wenn ich ihn endlich absetzen kann – und ich bin eine erwachsene Frau! Und am Nachmittag geht es dann weiter: Hausaufgaben, Lernen für die Arbeit, und dazu die ständige Kontrolle von allen Seiten, von der Schule, von den Eltern, von der Nachhilfe. Das macht viele Kinder einfach fertig.

Herr Brehm:
Was den Ranzen betrifft: Da haben wir an unserer Schule zum Glück etwas getan. Seit diesem Schuljahr hat jedes Kind ein eigenes Schließfach, die dicken Bücher bleiben in der Schule. Aber fertigmachen will ich mit Hausaufgaben niemanden, im Gegenteil. Ich erzähle Ihnen mal, was mir im letzten Herbst passiert ist. Ich sammle die Hefte normalerweise jeden Freitag ein. Dann war ich drei Wochen krank, und meine Vertretung hat nicht nachgeschaut. In der vierten Woche hatte die Hälfte der Klasse einfach gar nichts mehr gemacht. Seitdem lasse ich keinen einzigen Freitag mehr aus.

Dr. Kessler:
Aber wozu das alles? Was lernen die Kinder denn dabei – außer, dass man Angst vor Freitag hat?

Herr Brehm:
Mehr, als man denkt. Meine ehemaligen Schüler, die heute eine Ausbildung machen, besuchen mich manchmal. Und die erzählen mir: Im Betrieb sagt der Meister auch nicht dreimal, was bis morgen fertig sein muss. Wer schon als Kind gelernt hat, sich allein an den Schreibtisch zu setzen und eine Aufgabe pünktlich abzugeben, der hat es da viel leichter als die anderen.

Dr. Kessler:
Na ja, in der Arbeitswelt braucht man heute vor allem Kreativität und Teamarbeit – und die lernt man ganz sicher nicht mit dem zwanzigsten Arbeitsblatt. Und viele Kinder haben heute sowieso schon eine Woche wie ein Manager: Schule bis vier, dann Hausaufgaben, dann Musikschule. Wann sollen sie da noch einfach nur Kind sein?

Herr Brehm:
Ich gebe zu, an manchen Tagen ist es wirklich viel, vor allem vor den Klassenarbeiten. Aber wenn meine Sechstklässler mir am Montag erzählen, dass sie das ganze Wochenende online gespielt haben, und dass sie dienstags reiten und donnerstags zum Fußball gehen, dann kann ich beim besten Willen nicht sagen, dass ihnen die Zeit fehlt. Übrigens: Die beste Ausrede, die ich je gehört habe, war: „Unser Hamster hat das Heft gefressen.“

Moderator:
Den Hamster muss ich mir merken! Wenn ich ehrlich bin, erinnere ich mich an meine eigenen Hausaufgaben vor allem so: zwanzig Rechenaufgaben, alle gleich, nur mit anderen Zahlen. Ich habe mich jedes Mal gefragt, wozu. Und wenn ich heute auf das Arbeitsblatt meines Sohnes schaue, sieht es fast genauso aus wie damals.

Dr. Kessler:
Ob die Aufgaben langweilig sind oder nicht, ist für mich gar nicht das Hauptproblem. Das Problem ist der Druck. Und wissen Sie, was dabei verloren geht? Viele Kinder haben überhaupt keine Zeit mehr für Hobbys.

Herr Brehm:
Ich gebe mir jedenfalls Mühe, dass meine Aufgaben Spaß machen. Letzte Woche durften die Kinder zum Beispiel eine Einkaufsliste für ein Klassenfest schreiben und die Preise ausrechnen.

Moderator:
Das klingt nach einer guten Idee. Leider ist unsere Zeit schon fast um. Ich selbst habe übrigens mit zwölf in der Theater-AG mehr fürs Leben gelernt als mit so manchem Arbeitsblatt – für mich zählt das eine nicht weniger als das andere. Liebe Gäste, vielen Dank für die lebhafte Diskussion! Und an unsere Hörerin von heute Morgen: Vielleicht sprechen Sie einmal mit der Lehrerin Ihres Sohnes. Liebe Hörerinnen und Hörer, bis zur nächsten Woche bei „Schulfragen“.

0 / 8 richtige Optionen

1

Kinder bekommen viel Hilfe bei den Hausaufgaben.

✅ Kinder bekommen viel Hilfe bei den Hausaufgaben.

Richtige Lösung: Dr. Andrea Kessler

Begründung: Dr. Kessler fragt die Kinder: „Wer sitzt neben dir, wenn du Hausaufgaben machst?“ Die Kinder zählen auf: „Mama natürlich, montags die Oma, mittwochs der Nachhilfelehrer, und wenn es ganz schwierig wird, noch der große Bruder per Videoanruf.“ → Viele Menschen helfen den Kindern bei den Hausaufgaben.

Fallenanalyse: Das Wort „Hilfe“ kommt im Text nicht vor. Man muss aus der langen Liste verstehen, dass die Kinder viel Hilfe bekommen. Direkt danach sagt Thomas Brehm das Gegenteil: Seine Schüler sind „völlig auf sich allein gestellt“, und „da sitzt niemand daneben“. Er spricht über dieselbe Situation, aber mit der entgegengesetzten Meinung.

Schlüsselwörter: „Mama, Oma, Nachhilfelehrer, großer Bruder“ = viel Hilfe / „Wer sitzt neben dir?“ = wer hilft

2

Oft machen Erwachsene die Hausaufgaben für die Kinder.

✅ Oft machen Erwachsene die Hausaufgaben für die Kinder.

Richtige Lösung: Dr. Andrea Kessler

Begründung: Dr. Kessler erzählt von einem Plakat, das „ihr Sohn“ gemacht hatte – „mit perfekter Schrift … ohne einen einzigen Fehler“. Der Junge wusste aber nicht einmal, was ein Pinguin frisst. Und: „Solche Plakate liegen bei mir fast jeden Monat auf dem Tisch.“ → Die Mutter hat das Plakat gemacht, und so etwas passiert oft.

Fallenanalyse: Direkt danach erzählt Thomas Brehm eine ähnliche Geschichte: Ein Aufsatz war „ganz eindeutig“ vom Vater geschrieben. Dann sagt er aber: „Das war bei mir eine Ausnahme.“ Eine Ausnahme ist das Gegenteil von „oft“. Bei Dr. Kessler steckt das „oft“ in „fast jeden Monat“.

Schlüsselwörter: „das ‚ihr Sohn‘ gemacht hatte“ = Erwachsene machen die Hausaufgaben / „fast jeden Monat“ = oft

3

Die Schultaschen sind zu schwer.

✅ Die Schultaschen sind zu schwer.

Richtige Lösung: Dr. Andrea Kessler

Begründung: Dr. Kessler erzählt: „Ich bringe meine Tochter jeden Morgen bis zur Ecke … und trage dabei ihren Ranzen. Jedes Mal bin ich froh, wenn ich ihn endlich absetzen kann – und ich bin eine erwachsene Frau!“ → Wenn schon eine Erwachsene den Ranzen schwer findet, ist er für ein Kind zu schwer.

Fallenanalyse: Dr. Kessler sagt das nur nebenbei, als sie über den Morgen spricht. Die Wörter „schwer“ und „Schultasche“ kommen gar nicht vor. Danach sagt Thomas Brehm „Was den Ranzen betrifft“ und erzählt von den Schließfächern an seiner Schule, wo „die dicken Bücher“ bleiben. Er spricht also auch über das Thema, aber er sagt nicht, dass die Taschen zu schwer sind, sondern dass seine Schule das Problem gelöst hat.

Schlüsselwörter: „Ranzen“ = Schultasche / „froh, wenn ich ihn endlich absetzen kann … ich bin eine erwachsene Frau“ = zu schwer

4

Kontrolle ist wichtig.

✅ Kontrolle ist wichtig.

Richtige Lösung: Thomas Brehm

Begründung: Thomas Brehm erzählt: Als drei Wochen niemand die Hefte angesehen hat, „hatte die Hälfte der Klasse einfach gar nichts mehr gemacht. Seitdem lasse ich keinen einzigen Freitag mehr aus.“ → Ohne Kontrolle machen viele Schüler keine Hausaufgaben.

Fallenanalyse: Das Wort „Kontrolle“ hört man nur bei Dr. Kessler, und zwar direkt davor: „die ständige Kontrolle von allen Seiten … Das macht viele Kinder einfach fertig.“ Sie sagt also das Gegenteil. Brehm sagt nicht „Kontrolle ist wichtig“, sondern erzählt eine Geschichte. Was er meint, versteht man erst am Ende: „keinen einzigen Freitag mehr“.

Schlüsselwörter: „die Hefte jeden Freitag einsammeln“ = Kontrolle / „Seitdem lasse ich keinen einzigen Freitag mehr aus“ = Kontrolle ist wichtig

5

Hausaufgaben bereiten auf das Berufsleben vor.

✅ Hausaufgaben bereiten auf das Berufsleben vor.

Richtige Lösung: Thomas Brehm

Begründung: Thomas Brehm erzählt von seinen ehemaligen Schülern in der Ausbildung: „Im Betrieb sagt der Meister auch nicht dreimal, was bis morgen fertig sein muss. Wer schon als Kind gelernt hat, sich allein an den Schreibtisch zu setzen und eine Aufgabe pünktlich abzugeben, der hat es da viel leichter.“ → Mit Hausaufgaben lernt man etwas, das man später im Beruf braucht.

Fallenanalyse: Direkt danach spricht Dr. Kessler auch über die Arbeitswelt: Dort „braucht man heute vor allem Kreativität und Teamarbeit“, und die lerne man „ganz sicher nicht mit dem zwanzigsten Arbeitsblatt“. Sie spricht über dasselbe Thema, aber mit der entgegengesetzten Meinung. Brehm vergleicht die Hausaufgaben mit dem Betrieb, das Wort „Berufsleben“ benutzt er nicht.

Schlüsselwörter: „im Betrieb“, „Ausbildung“ = Berufsleben / „der hat es da viel leichter“ = bereiten vor

6

Schüler haben genug Freizeit.

✅ Schüler haben genug Freizeit.

Richtige Lösung: Thomas Brehm

Begründung: Thomas Brehm sagt: „Wenn meine Sechstklässler mir am Montag erzählen, dass sie das ganze Wochenende online gespielt haben, und dass sie dienstags reiten und donnerstags zum Fußball gehen, dann kann ich beim besten Willen nicht sagen, dass ihnen die Zeit fehlt.“ → Die Schüler haben genug freie Zeit.

Fallenanalyse: Direkt davor sagt Dr. Kessler das Gegenteil: Viele Kinder haben „eine Woche wie ein Manager“. Brehm beginnt seine Antwort außerdem mit einer Einräumung: „Ich gebe zu, an manchen Tagen ist es wirklich viel.“ Das klingt, als ob er Kessler zustimmt. Seine Meinung kommt erst nach „aber“.

Schlüsselwörter: „kann nicht sagen, dass ihnen die Zeit fehlt“ = genug Freizeit / „das ganze Wochenende online gespielt“, „reiten“, „Fußball“ = Freizeit

7

Hausaufgaben sind oft langweilig.

✅ Hausaufgaben sind oft langweilig.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator erinnert sich: „Zwanzig Rechenaufgaben, alle gleich, nur mit anderen Zahlen. Ich habe mich jedes Mal gefragt, wozu.“ Und beim Arbeitsblatt seines Sohnes „sieht es fast genauso aus wie damals“. → Solche Aufgaben sind oft langweilig.

Fallenanalyse: Der Moderator stellt hier keine Frage, sondern erzählt von sich selbst. Das Wort „langweilig“ benutzt er nicht. Direkt danach sagt Dr. Kessler: „Ob die Aufgaben langweilig sind oder nicht, ist für mich gar nicht das Hauptproblem.“ Das Wort hört man also nur bei ihr, aber sie sagt nicht, dass die Aufgaben langweilig sind. Thomas Brehm sagt danach, dass seine Aufgaben „Spaß machen“.

Schlüsselwörter: „zwanzig Rechenaufgaben, alle gleich“, „ich habe mich jedes Mal gefragt, wozu“ = langweilig / „jedes Mal“, „fast genauso wie damals“ = oft

8

Hobbys sind genauso wichtig wie Hausaufgaben.

✅ Hobbys sind genauso wichtig wie Hausaufgaben.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Am Ende sagt der Moderator: „Ich selbst habe übrigens mit zwölf in der Theater-AG mehr fürs Leben gelernt als mit so manchem Arbeitsblatt – für mich zählt das eine nicht weniger als das andere.“ → Für ihn sind Hobbys genauso wichtig wie Hausaufgaben.

Fallenanalyse: Das Wort „Hobbys“ hört man nur bei Dr. Kessler: „Viele Kinder haben überhaupt keine Zeit mehr für Hobbys.“ Sie spricht aber über die Zeit, nicht darüber, wie wichtig Hobbys sind. Thomas Brehm nennt vorher Hobbys (Reiten, Fußball), aber nur als Beweis, dass die Kinder genug Freizeit haben. Der Moderator sagt seine Meinung ganz am Ende, als die Diskussion schon fast vorbei ist. Deshalb überhört man sie leicht.

Schlüsselwörter: „Theater-AG“ = Hobby / „Arbeitsblatt“ = Hausaufgaben / „das eine zählt nicht weniger als das andere“ = genauso wichtig

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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