Sollten neu Zugewanderte sich anonym bewerben?

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Moderator:
Liebe Hörerinnen und Hörer, in unserer Sendereihe „Streitfrage am Abend“ geht es heute um eine Frage, die viele Zugewanderte beschäftigt: „Sollten neu Zugewanderte sich anonym bewerben?“ Bei mir im Studio sind Frau Petra Lohmann und Herr Milan Novak. Schön, dass Sie da sind! Würden Sie sich unseren Hörerinnen und Hörern bitte kurz vorstellen?

Frau Lohmann:
Sehr gern. Mein Name ist Petra Lohmann. Ich leite seit fast achtzehn Jahren in Köln die Agentur „Arbeit & Mehr“. Wir bringen Fachkräfte und Betriebe aus Handwerk und Pflege zusammen, und mit Bewerbungen habe ich deshalb jeden Tag zu tun.

Herr Novak:
Guten Abend, ich heiße Milan Novak. Ich bin Soziologe, habe ein Buch über Arbeit und Migration geschrieben und berate seit sechs Jahren Unternehmen, die neue Mitarbeiter suchen – auch zum Thema anonyme Bewerbung.

Moderator:
Herr Novak, in Deutschland schreibt man in den Lebenslauf normalerweise den Namen, das Geburtsdatum, den Geburtsort und die Staatsangehörigkeit, viele schreiben auch dazu, seit wann sie in Deutschland leben, und man schickt ein Foto mit. Können Sie uns kurz erklären, warum Sie die anonyme Bewerbung, also eine Bewerbung ohne Namen, Herkunft, Alter und Foto, gerade für Zugewanderte für nötig halten?

Herr Novak:
Es ist einfach besser, wenn in einer Bewerbung nicht steht, woher jemand kommt oder seit wann er hier lebt. Denn Studien zeigen: Viele Bewerbungen werden gar nicht erst richtig gelesen, nur weil der Name fremd klingt oder weil im Lebenslauf steht, dass jemand erst seit einem Jahr in Deutschland ist – auch wenn er viel Berufserfahrung und gute Zeugnisse hat. Ein Klient von mir, ein erfahrener Elektriker aus Kolumbien, hat in drei Monaten fünfzig Bewerbungen verschickt und keine einzige Antwort bekommen, nicht einmal eine Absage! Das ist doch nicht in Ordnung!

Moderator:
Frau Lohmann, ich sehe, Sie schütteln den Kopf. Sie sehen das wohl anders.

Frau Lohmann:
Ja, allerdings, da bin ich anderer Meinung. Was Herr Novak sagt, stimmt zum Teil: Manche Gruppen kann man auf dem Arbeitsmarkt leider schwerer vermitteln. Das erlebe ich in meiner Agentur fast jeden Tag, das kann ich nicht bestreiten. Aber für einen Betrieb ist es sehr wichtig zu wissen, wen er da zum Vorstellungsgespräch einlädt. Dazu gehören, neben vielen anderen Dingen, auch diese persönlichen Daten. Und nur weil man anonym bleibt, bekommt man doch nicht automatisch eine Einladung zum Gespräch.

Herr Novak:
Aber wozu braucht man diese Daten? Der Name, das Geburtsland oder die Staatsangehörigkeit sagen doch nichts darüber, was jemand kann. Und das Foto ist völlig überflüssig. Am Gesicht sieht man doch nicht, ob jemand eine Heizung reparieren oder alte Menschen gut pflegen kann. Wir sollten bei der Auswahl viel mehr darauf schauen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten jemand mitbringt. Genau das sollte doch eigentlich zählen, oder nicht?

Frau Lohmann:
Das machen wir doch auch! Wir sehen uns immer ganz genau an, was jemand gelernt hat, welche Berufserfahrung er oder sie mitbringt, welche Stärken und so weiter. Es ist doch nicht so, dass wir nach dem Foto oder nach dem Namen entscheiden, wen wir zum Gespräch einladen. Bei manchen Stellen spielt das Bild aber trotzdem eine Rolle. Wenn jemand zum Beispiel am Empfang eines großen Hotels arbeiten oder in einer Bank Kunden beraten soll, möchte der Arbeitgeber schon gern vorher sehen, wie diese Person auftritt.

Herr Novak:
Entschuldigen Sie, aber das ist wirklich Unsinn! Auf einem Foto kann jemand sehr freundlich aussehen und im echten Leben ganz anders sein – und umgekehrt.

Frau Lohmann:
Na ja, das merkt man dann ja meistens ziemlich schnell im Vorstellungsgespräch. Und natürlich kann es passieren, dass sehr gute Leute wegen ihres Fotos oder ihres Namens gar nicht erst eingeladen werden, und das ist dann auch für den Betrieb schlecht. Aber ich bin sicher, dass das eher die seltene Ausnahme ist. Ich bin jedenfalls fest davon überzeugt, dass man auch in Zukunft ein Foto mitschickt und seinen Namen in die Bewerbung schreibt. Das war schon immer so und wird auch überall so gemacht.

Moderator:
Nein, ganz so ist es nicht. Bei uns spricht man über dieses Thema erst seit ein paar Jahren, aber in manchen Ländern ist es schon lange völlig normal, einer Bewerbung kein Foto beizulegen, zum Beispiel in Kanada, in Großbritannien oder in Irland. Offenbar klappt es dort also auch ohne Bild.

Herr Novak:
Genau so ist es! Und auch die anonyme Bewerbung klappt. Auch bei uns gibt es Betriebe, die nur noch anonyme Bewerbungen annehmen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Moderator:
Herr Novak, aber viele Unternehmen, die das versucht haben, waren damit nicht zufrieden. Sie wollen jetzt wieder ganz normale Bewerbungen haben, also mit Foto und allen Angaben.

Herr Novak:
Vielleicht, weil viele Personalchefs, ihre Mitarbeiter und auch manche Jobvermittler einfach zu bequem sind? Sie wollen eben einfach nichts ändern!

Frau Lohmann:
Das ist ganz sicher nicht der Grund! Es geht vielmehr um Zeit. Wenn auf eine Stelle achtzig Bewerbungen kommen, kann man viel leichter sechs Leute für ein Gespräch auswählen, wenn man alle Informationen und auch ein Bild von den Personen hat. Personalchefs haben oft einen übervollen Kalender, da schaffen sie es einfach nicht, jede Bewerbung genau zu lesen.

Herr Novak:
Aber genau das ist so ungerecht. Wenn es schnell gehen muss, entscheiden viele nach dem Bauchgefühl: Wer sympathisch wirkt oder einen vertrauten Namen hat, wird eingeladen, die anderen nicht. Und so bleiben dann fünfzig Bewerbungen ohne Antwort.

Frau Lohmann:
Das stimmt, das kann ein Problem sein. Man muss die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Personalabteilungen und auch Jobvermittler wie mich auf dieses Problem aufmerksam machen und ihnen Schulungen anbieten, damit sie lernen, nicht nur nach ihrem ersten Eindruck zu entscheiden. Aber ich bin trotzdem überzeugt, dass die anonyme Bewerbung keine Lösung ist.

Herr Novak:
Schade! Ich bleibe bei meiner Meinung: Die anonyme Bewerbung hilft den Bewerbern und auch den Arbeitgebern.

Moderator:
Liebe Gäste, leider müssen wir diese wichtige Diskussion jetzt beenden, denn unsere Sendezeit ist gleich vorbei. Herzlichen Dank, und ich wünsche Ihnen beiden weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit! Liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank fürs Zuhören. Bis zur nächsten Sendung: Auf Wiederhören!

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1

Wer erst seit Kurzem im Land lebt, wird bei Bewerbungen oft benachteiligt.

✅ Wer erst seit Kurzem im Land lebt, wird bei Bewerbungen oft benachteiligt.

Richtige Lösung: Milan Novak

Begründung: Milan Novak sagt: „Viele Bewerbungen werden gar nicht erst richtig gelesen, nur weil der Name fremd klingt oder weil im Lebenslauf steht, dass jemand erst seit einem Jahr in Deutschland ist.“ → Menschen, die neu im Land sind, haben bei Bewerbungen schlechtere Chancen.

Fallenanalyse: Kurz vorher sagt der Moderator, dass viele im Lebenslauf schreiben, „seit wann sie in Deutschland leben“. Er beschreibt aber nur, wie ein Lebenslauf aussieht, er spricht nicht über Nachteile. Danach gibt Petra Lohmann zu: „Manche Gruppen kann man auf dem Arbeitsmarkt leider schwerer vermitteln.“ Sie sagt aber nicht, welche Gruppen. Nur Novak nennt die Menschen, die erst kurz im Land sind.

Schlüsselwörter: „erst seit einem Jahr in Deutschland“ = erst seit Kurzem im Land / „gar nicht erst richtig gelesen“ = benachteiligt

2

Persönliche Daten in der Bewerbung sind nötig.

✅ Persönliche Daten in der Bewerbung sind nötig.

Richtige Lösung: Petra Lohmann

Begründung: Petra Lohmann sagt: „Aber für einen Betrieb ist es sehr wichtig zu wissen, wen er da zum Vorstellungsgespräch einlädt. Dazu gehören, neben vielen anderen Dingen, auch diese persönlichen Daten.“ → Für sie gehören persönliche Daten in eine Bewerbung.

Fallenanalyse: Das Wort „nötig“ hört man nur beim Moderator: Er fragt Novak, warum er die anonyme Bewerbung „für nötig hält“. Dort geht es aber um das Gegenteil, um eine Bewerbung ohne Daten. Direkt nach Lohmann fragt Novak: „Aber wozu braucht man diese Daten?“ Er ist also gegen diese Daten.

Schlüsselwörter: „sehr wichtig zu wissen, wen er einlädt“ = nötig / „diese persönlichen Daten“ = persönliche Daten

3

Um die richtigen Leute auszuwählen, braucht man kein Bewerbungsfoto.

✅ Um die richtigen Leute auszuwählen, braucht man kein Bewerbungsfoto.

Richtige Lösung: Milan Novak

Begründung: Milan Novak sagt: „Und das Foto ist völlig überflüssig. Am Gesicht sieht man doch nicht, ob jemand eine Heizung reparieren oder alte Menschen gut pflegen kann.“ → Ob jemand für die Stelle passt, erkennt man nicht auf einem Foto.

Fallenanalyse: Direkt danach sagt Petra Lohmann: „Es ist doch nicht so, dass wir nach dem Foto oder nach dem Namen entscheiden.“ Das klingt, als wäre das Foto auch für sie unwichtig. Aber dann kommt: „Bei manchen Stellen spielt das Bild aber trotzdem eine Rolle.“ Später sagt der Moderator: „Offenbar klappt es dort also auch ohne Bild.“ Er spricht aber nur über andere Länder, nicht über die Auswahl der richtigen Leute.

Schlüsselwörter: „völlig überflüssig“ = braucht man nicht / „ob jemand eine Heizung reparieren oder alte Menschen pflegen kann“ = die richtigen Leute

4

In einigen Ländern verschickt man Bewerbungen schon lange ohne Bild.

✅ In einigen Ländern verschickt man Bewerbungen schon lange ohne Bild.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator sagt: „In manchen Ländern ist es schon lange völlig normal, einer Bewerbung kein Foto beizulegen, zum Beispiel in Kanada, in Großbritannien oder in Irland.“ → In diesen Ländern schickt man schon lange kein Foto mit.

Fallenanalyse: Der Moderator stellt hier keine Frage, sondern widerspricht einem Gast: „Nein, ganz so ist es nicht.“ Direkt davor sagt Petra Lohmann, dass man ein Foto mitschickt, das „wird auch überall so gemacht“. Das ist das Gegenteil. Nach dem Moderator sagt Milan Novak „Genau so ist es!“. Das ist aber nur eine Zustimmung, keine eigene Aussage.

Schlüsselwörter: „in manchen Ländern“ = in einigen Ländern / „schon lange völlig normal, kein Foto beizulegen“ = schon lange ohne Bild

5

Nicht alle Betriebe haben mit anonymen Bewerbungen gute Erfahrungen gemacht.

✅ Nicht alle Betriebe haben mit anonymen Bewerbungen gute Erfahrungen gemacht.

Richtige Lösung: Moderator

Begründung: Der Moderator sagt: „Herr Novak, aber viele Unternehmen, die das versucht haben, waren damit nicht zufrieden. Sie wollen jetzt wieder ganz normale Bewerbungen haben.“ → Viele Firmen waren mit anonymen Bewerbungen nicht zufrieden.

Fallenanalyse: Die Wörter „gute Erfahrungen“ hört man direkt davor bei Milan Novak: Betriebe haben mit anonymen Bewerbungen „sehr gute Erfahrungen gemacht“. Novak sagt aber das Gegenteil. Der Moderator widerspricht jetzt dem zweiten Gast. Vorher hat er Petra Lohmann widersprochen, jetzt Novak.

Schlüsselwörter: „viele Unternehmen … waren damit nicht zufrieden“ = nicht alle Betriebe haben gute Erfahrungen gemacht

6

Manche in den Personalabteilungen sind gegen anonyme Bewerbungen, weil sie es sich leicht machen wollen.

✅ Manche in den Personalabteilungen sind gegen anonyme Bewerbungen, weil sie es sich leicht machen wollen.

Richtige Lösung: Milan Novak

Begründung: Milan Novak sagt: „Vielleicht, weil viele Personalchefs, ihre Mitarbeiter und auch manche Jobvermittler einfach zu bequem sind? Sie wollen eben einfach nichts ändern!“ → Er glaubt, dass manche aus Bequemlichkeit gegen anonyme Bewerbungen sind.

Fallenanalyse: Novak sagt seine Meinung als Frage: „Vielleicht, weil …?“ Trotzdem ist das seine Erklärung. Direkt danach sagt Petra Lohmann: „Das ist ganz sicher nicht der Grund!“ Sie widerspricht also. Der Moderator sagt vorher nur, dass viele Unternehmen nicht zufrieden waren. Einen Grund nennt er nicht.

Schlüsselwörter: „zu bequem“ = es sich leicht machen wollen / „Personalchefs, ihre Mitarbeiter“ = manche in den Personalabteilungen

7

Bei der Auswahl von Bewerbern fehlt in Firmen oft die Zeit.

✅ Bei der Auswahl von Bewerbern fehlt in Firmen oft die Zeit.

Richtige Lösung: Petra Lohmann

Begründung: Petra Lohmann sagt: „Es geht vielmehr um Zeit. … Personalchefs haben oft einen übervollen Kalender, da schaffen sie es einfach nicht, jede Bewerbung genau zu lesen.“ → Für die Auswahl haben sie oft zu wenig Zeit.

Fallenanalyse: In Lohmanns Antwort stehen auffällige Zahlen: „achtzig Bewerbungen“, „sechs Leute“. Sie lenken von der eigentlichen Information ab. Direkt danach sagt Milan Novak: „Wenn es schnell gehen muss, entscheiden viele nach dem Bauchgefühl.“ Er nimmt Lohmanns Gedanken nur auf und kritisiert ihn. Er selbst sagt nicht, dass die Zeit fehlt.

Schlüsselwörter: „einen übervollen Kalender“ = fehlt die Zeit / „schaffen es nicht, jede Bewerbung genau zu lesen“ = bei der Auswahl

8

Wer in Personalabteilungen arbeitet, sollte weitergebildet werden.

✅ Wer in Personalabteilungen arbeitet, sollte weitergebildet werden.

Richtige Lösung: Petra Lohmann

Begründung: Petra Lohmann sagt: „Man muss die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Personalabteilungen … auf dieses Problem aufmerksam machen und ihnen Schulungen anbieten.“ → Sie sollen eine Weiterbildung bekommen.

Fallenanalyse: Milan Novak kritisiert die Personalchefs die ganze Zeit. Deshalb erwarten viele, dass der Vorschlag mit den Schulungen von ihm kommt. Den Vorschlag macht aber Lohmann, die eigentlich gegen anonyme Bewerbungen ist. Sie beginnt mit „Das stimmt“ und gibt Novak in einem Punkt recht. Am Ende bleibt sie aber bei ihrer Meinung: Die anonyme Bewerbung ist „keine Lösung“.

Schlüsselwörter: „Schulungen anbieten“ = weitergebildet werden / „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Personalabteilungen“ = wer in Personalabteilungen arbeitet

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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