Zufällige Begegnung im Zug
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- Stefanie, hallo! Ist neben dir noch frei?
- Christoph! Klar, setz dich.
- Danke. Eigentlich hatte ich eine Fahrkarte für den Zug um zehn, aber der ist in Köln ausgefallen. Also bin ich in den nächsten gesprungen – und wer sitzt am Fenster und isst Gummibärchen? Gib mal her, die sind ja schlecht für die Zähne.
- Finger weg, die sind für die Fahrt! Und keine Sorge, meinen Termin bei dir hab ich nicht vergessen: nächsten Freitag um acht, Kontrolle und Zahnreinigung. Jetzt fahre ich aber erst mal bis Innsbruck, Wanderwochenende mit meinem Chor. Aber erzähl: Du warst doch im Frühling in Japan, oder? Ich hab deine Fotos gesehen – du vor einer Pizzeria! Pizza in Tokio, das passt doch gar nicht.
- Das war Michaels Idee, der isst ja keinen rohen Fisch. Wir waren in der Pizzeria verabredet, aber er hat sich mit der U-Bahn total verfahren. Fünfundvierzig Minuten stand ich im Nieselregen vor der Tür. Drinnen hatten wir kaum bestellt, da stand der Teller schon vor mir.
- In Rom haben wir mal eine ganze Stunde auf zwei Pizzen gewartet, und die waren dann auch noch kalt. Und in Tokio? Das war doch bestimmt ein Vermögen. Fünfundzwanzig Euro?
- Ja, so hab ich mir das auch vorgestellt, Tokio ist ja teuer! Fünfundzwanzig Euro hatten wir am Abend vorher schon für den Eintritt beim Festival bezahlt, jeder. Und dann bringt der Kellner den Zettel: zwei Margherita, umgerechnet keine acht Euro pro Pizza. Dafür hat Michael am nächsten Morgen dreißig Euro fürs Hotelfrühstück hingelegt – für ein Croissant und einen Kaffee!
- Und mit Euro konntet ihr da einfach bezahlen? In Touristengegenden nehmen die doch alles.
- Hätte ich auch gedacht! Ich hab dem Kellner sofort einen Zwanzig-Euro-Schein hingehalten, meinen letzten, aber er hat nur gelächelt und den Kopf geschüttelt. Also bin ich schnell zur Wechselstube nebenan. Danach hat sich der Kellner zweimal verbeugt.
Durchsage: Meine Damen und Herren, wegen einer Signalstörung hat unser Zug zurzeit etwa zehn Minuten Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis.
- Na toll, zehn Minuten. Und Michael? Der war doch bestimmt begeistert vom Festival, der kennt ja jede Band.
- Ja, jede Band, jedes Lied, er hatte sogar ein T-Shirt mit allen Namen drauf! Aber nach einer Stunde stand er schon am Ausgang und hat auf ein Taxi gewartet. Ich bin bis drei Uhr nachts geblieben und hab am nächsten Morgen kaum noch Stimme gehabt.
- Bis drei Uhr nachts! Respekt.
Zugbegleiterin: Kaffee, Tee, frische Brezeln?
- Eine Brezel und einen Kaffee, bitte. Mit Milch, ohne Zucker – sonst schimpft meine Patientin hier.
- Für mich nichts, danke, ich hab ja meine Gummibärchen. Und jetzt? Du kommst doch gerade aus Brüssel, hab ich auf Instagram gesehen. Wieder Urlaub mit dem großen Koffer? Du Glückspilz!
- Ach, Brüssel! Waffeln, Pommes, Schokolade – ich hab drei Kilo Pralinen im Koffer. Und abends haben wir am Grand-Place belgisches Bier probiert, sieben Sorten! Tagsüber saß ich vier Tage lang im Kongresssaal, mit dreihundert Kollegen.
- Sieben Sorten Bier! Na ja, dann steigst du sicher gleich in München aus und legst dich ins Bett. Du wohnst doch dort.
- Ja, normalerweise schon, vom Hauptbahnhof sind es nur zwei Stationen mit der U-Bahn. Aber die Pralinen sind ja für meine Schwester. Die feiert heute Abend in Innsbruck ihren Vierzigsten.
- Ach, wie schön, vierzig! Möchtest du ein Gummibärchen? Nur eins, Herr Doktor.
- Na gut, ausnahmsweise. Ein rotes, bitte.
Durchsage: Nächster Halt: München Hauptbahnhof. Bitte vergessen Sie beim Aussteigen Ihr Gepäck nicht.
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