Hotel in Italien
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- Claudia! Willkommen zurück! Du siehst ja richtig erholt aus. Na, wie war Italien?
- Hallo, Robert! Zu kurz, wie immer. Ist noch Kaffee in der Kanne?
- Klar, hier. Aber Vorsicht, der ist noch von heute früh. Der neue Automat ist seit Montag schon wieder kaputt.
- Typisch. Zwei Wochen weg, und hier hat sich nichts geändert.
- Also, erzähl: das Hotel. Die Fotos im Internet sahen ja wirklich traurig aus.
- Oh ja, die Fotos! Dunkle Flure, ein Sofa aus den Siebzigern, sogar ein Riss in der Wand. Ich hab Jens im Auto noch gesagt: „Wenn da Kakerlaken sind, schlafen wir im Wagen.“ Und dann machst du die Tür auf: alles hell, alles frisch, im Bad hätte man vom Boden essen können. Meine Schwester hatte letztes Jahr in Spanien vier Sterne und hat danach drei Wochen lang über die Matratze geschimpft.
- Und was war mit dem Schlüssel? Du hast mir so eine komische Nachricht geschickt.
- Ach, der Schlüssel! Ich war sicher, Jens hat ihn wieder unten an der Rezeption liegen lassen, wie damals in Prag. Die junge Frau dort hat jedes Fach durchsucht, sogar den Papierkorb. Abends klopft es, und da steht ein kleines Mädchen mit nassen Haaren und hält ihn hoch. Den hatte sie beim Tauchen ganz unten im Pool gefunden. Er ist Jens wohl aus der Badehose gerutscht.
- Ah, die Kleine von der Schweizer Familie, oder? Von der hast du mir doch ein Foto geschickt.
- Genau, Lea, sieben Jahre alt, mit Zahnlücke und Taucherbrille – ein Schatz! Ihre Eltern, die Gerbers, saßen abends immer am Tisch neben uns. Jens hat ihr zum Dank ein Eis spendiert, und am nächsten Tag stand sie wieder vor der Tür, diesmal mit Nora. Die ist zwölf und genauso frech wie ihre kleine Schwester.
- Ha, clever! Und das Essen? War bestimmt alles neu für dich.
- Total spannend! Der Koch hat jeden Abend kleine Überraschungsteller gebracht, und keiner wusste vorher, was kommt. Aber bei fast jedem Teller hab ich gedacht: Das schmeckt wie sonntags bei Oma Pina. Die kommt ja aus Apulien, und diese Orecchiette mit Brokkoli macht sie, seit ich denken kann.
- Du probierst ja sowieso gern was Neues. Das sehe ich doch in der Kantine, jede Woche nimmst du ein anderes Gericht.
- Zu Hause leider nicht! Da gibt’s seit Monaten nur noch Spaghetti mit Tomatensoße, weil Jens die am liebsten isst. In Italien hat er zwei Wochen lang jeden Abend Pizza Margherita bestellt! Aber guck mal: Frau Gerber hat mir fünf Rezepte aus ihrer Heimat ins Heft geschrieben. Älplermagronen, Capuns – von den meisten hab ich noch nie gehört. Am Samstag fange ich an, und du bist mein Testesser.
- Bin dabei! Und habt ihr viel angeschaut? Pisa, Florenz, das liegt ja alles um die Ecke.
- Genau so war der Plan! Jens hatte eine Liste mit zwölf Orten, sogar mit Busfahrplänen, ausgedruckt und in Folie gesteckt. Montag Pisa – der Turm ist wirklich schief, ich hab’s nicht geglaubt –, Dienstag Lucca, mit dem Fahrrad einmal oben auf der Stadtmauer herum. Die Gerbers waren sowieso jeden Morgen um acht weg, mit Rucksäcken und Wanderkarte. Und am Mittwoch hat Jens am Pool den Liegestuhl unter der Palme entdeckt. Von da an haben wir beide das Hotel nur noch zum Eisessen verlassen.
- Meine Eltern fahren seit dreißig Jahren an den Gardasee, immer in dieselbe Pension. Die Gerbers kommen bestimmt auch jeden Sommer in euer Hotel, oder?
- Das dachte ich zuerst auch, die haben den Kellner mit Vornamen begrüßt. Aber da waren sie vorher nur ein einziges Mal. Letzten Sommer Norwegen mit dem Zelt, davor Portugal, und für nächstes Jahr hat Lea Schottland ausgesucht – wegen der Schafe.
- Wegen der Schafe! Oh, da kommt der Chef, die Besprechung fängt an. Also, Samstag?
- Samstag um sieben. Bring Hunger mit!
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