Nach der Bergtour
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- Mara! Na, wie war’s in den Bergen? Du siehst ja ziemlich fertig aus.
- Hey, Niklas! Fertig ist gar kein Ausdruck. Schade, dass du nicht dabei warst. Du hattest doch wieder Spätschicht, oder?
- Spätschicht, Nachtschicht, Wochenendschicht – du kennst ja meinen Laden, da ist immer irgendwas. Mein Chef hat auch ganz schön geguckt, als ich ihm gesagt hab, dass er mich die ganze letzte Woche nicht sieht. Aber meine Eltern hatten ein Ferienhaus an der Ostsee gemietet, und da konnte ich schlecht Nein sagen. Sieben Tage Strand, Fischbrötchen und eine Mutter, die jeden Morgen fragt, ob ich genug schlafe.
- Klingt auch nicht schlecht. Bei uns war’s eher das Gegenteil von Erholung.
- Ach komm, du bist doch ständig in den Bergen unterwegs. Auf deinen Fotos hast du immer einen Rucksack auf.
- Ja, die Berge … da könnte ich mich echt dran gewöhnen. Lena und ihre Leute fahren fast jedes Wochenende in die Alpen, die kennen da jeden Stein. Ich hatte vor dieser Tour gerade mal eine einzige gemacht – mit meinem Onkel, da war ich vierzehn. Sonst geh ich eher im Stadtwald joggen oder am See spazieren. Und die Fotos mit Rucksack? Die sind alle vom selben Tag.
- An der Ostsee war die ganze Woche Sonne pur. Ich dachte schon, ganz Deutschland hat Hochsommer. Aber so, wie du aussiehst, seid ihr ordentlich nass geworden, oder?
- Ach, eigentlich hatten wir erst mal Glück. Die Vorhersage hatte nur einen kurzen Schauer angesagt, und der kam auch gleich am Morgen. Danach kam die Sonne raus, wir haben die Regenjacken ein einziges Mal ausgezogen und schon gedacht, das war’s jetzt – und kaum waren wir oben auf dem Grat, ging es wieder los. Und zwar so richtig.
- Typisch. Bei meiner ersten Klassenfahrt in die Berge hat es zehn Tage am Stück geregnet. Wir haben nur Karten gespielt. Habt ihr wenigstens mal eine Pause gemacht?
- Oh ja, in der Hütte – das war das Beste am ganzen Tag. Heiße Suppe, ein Kachelofen, und auf den Bänken lagen schon ein paar Leute und schnarchten. Tobias hat sich dazugelegt und war sofort weg. Ich hab mich auch hingelegt, Augen zu … und dann fiel mir ein, dass meine Schuhe noch klatschnass waren. Also hab ich die ganze Pause lang Zeitungspapier reingestopft, damit sie bis zum Abstieg einigermaßen trocken sind.
- Und beim Abstieg? Du humpelst ja immer noch ein bisschen.
- Ja, der Abstieg war richtig gefährlich. Auf einem nassen Stein bin ich weggerutscht – ich hab mich schon unten liegen sehen, aber Tobias hat mich im letzten Moment am Rucksack gepackt. Lena hatte weniger Glück: Die hat sich kurz vor dem Parkplatz den Fuß vertreten. Halb so schlimm, aber sie musste das letzte Stück humpeln. Und ich? Ich hab einfach Muskelkater von der langen Strecke – Treppen sind gerade mein größter Feind.
- Und warum warst du so kaputt? Bestimmt wegen der Schuhe, oder? Du hast doch gar keine Wanderschuhe.
- Stimmt, eigene hab ich keine – und die falschen Schuhe waren auch echt das Thema des Tages! Tobias kam in Turnschuhen und hatte nach einer Stunde klitschnasse Füße, der hat die ganze Zeit geflucht. Ich hatte mir die von meiner Schwester ausgeliehen, die saßen wie angegossen. Dass ich so fertig war … na ja, unsere Nachbarn haben in der Nacht davor bis drei Uhr gefeiert, um sechs hat mein Wecker geklingelt, und aus den geplanten zwölf Kilometern wurden am Ende achtzehn – acht Stunden waren wir unterwegs.
- Achtzehn Kilometer im Regen … Respekt. Hat am Ende eigentlich die ganze Truppe mitgemacht, so wie geplant?
- Ja, wir waren eine richtig große Gruppe – Tobias hat sogar spontan seinen Bruder mitgebracht. Zu siebt wollten wir ursprünglich los. Kati hat dann morgens um sieben noch geschrieben, dass ihre Kleine Fieber hat, also ist sie zu Hause geblieben. Und am Abend waren alle so kaputt, dass um neun schon das Licht aus war.
- Na dann – beim nächsten Mal bin ich dabei, versprochen. Oh, ich muss hier raus. Mach’s gut, und gute Besserung für deine Beine!
- Danke! Und grüß deine Eltern!
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