An der Tankstelle
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- Na, Uwe! Auch hier? Ich dachte, du tankst nur noch nachts, wenn’s billiger ist.
- Hallo Kemal. Hatte ich auch vor – aber die Warnlampe leuchtet seit Montag, da kann ich nicht mehr warten. Hast du die Anzeige draußen gesehen? Letzten Monat lag Super noch bei eins siebzig, und heute – zwei Euro neun. Unglaublich.
- Beim Diesel ist’s auch nicht viel besser – eins neunundachtzig, knapp unter zwei. Mein Vater hat immer erzählt, dass er in den Achtzigern für eine Mark pro Liter getankt hat – und sich trotzdem beschwert hat.
- Ja, die gute alte Zeit. Aber dich kann das doch eigentlich kalt lassen. Du fährst doch jetzt so ein Elektroauto, oder?
- Schön wär’s! Ich war im Frühjahr schon im Autohaus, die Probefahrt war super, und ich hätte fast unterschrieben. Aber dann hab ich den Preis gesehen … Mein Schwager fährt jetzt elektrisch, der lacht sich über uns kaputt. Letzte Woche hat er mich mal mitgenommen – das Ding ist leise wie eine Nähmaschine.
- Na, dann sind wir ja schon zwei.
- Und? Fährst du denn nicht weniger, seit alles so teuer ist?
- Doch, notgedrungen. Den Supermarkt mach ich jetzt zu Fuß. Aber zur Arbeit? Vierzig Kilometer über die Dörfer, da fährt kein Bus. Ohne Auto komm ich da nicht hin.
- Und eine Fahrgemeinschaft? In vielen Firmen gibt’s so was doch inzwischen.
- Bei uns auch. Seit April hängt am schwarzen Brett eine Mitfahrbörse. Die Kollegen aus Hellingen fahren schon zu viert, teilen sich das Benzin, und der Chef gibt sogar einen Zuschuss für jeden, der mitmacht. Klingt ja alles super, und ich hab mich auch gleich eingetragen. Nur: Ich fang um sechs an, die anderen erst um acht. Das passt bei mir einfach nicht zusammen.
- Schade. Weißt du, was du machen könntest? Ein E-Bike! Mit so einem Ding schaffst du die vierzig Kilometer locker, und bei den Preisen hast du das Geld nach einem Jahr wieder raus. Und fit bleibst du auch.
- Und du? Fährst du dann auch bald mit dem Rad ins Büro?
- Ich? Ich brauch doch keins. Seit wir umgezogen sind, sind’s nur zehn Minuten zu Fuß. Den Kombi nehm ich eigentlich nur noch für den Großeinkauf und wenn wir meine Mutter in Kassel besuchen.
- Vierzig Kilometer mit dem Rad, im Winter, um halb sechs morgens … ich weiß nicht. Und überhaupt – vielleicht wird’s ja bald wieder billiger.
- Da würde ich mir keine großen Hoffnungen machen. Heute früh im Radio hieß es, dass es bis zum Sommer eher noch teurer wird. Ein Experte meinte zwar, dass die Preise im Herbst wieder fallen könnten – aber festlegen wollte er sich nicht.
- Na toll. Dann kann ich ja gleich mein Sparschwein schlachten.
- Pass auf: Mein Nachbar hat ein E-Bike, das steht seit seiner Knieoperation nur im Keller. Soll ich ihn fragen, ob du’s am Samstag mal ausprobieren kannst? Ganz unverbindlich.
- Hm … na gut, schaden kann’s ja nicht. Aber wehe, es regnet!
Kassiererin: Säule vier, bitte!
- Das bin ich. Achtundsiebzig Euro … Mein Gott. Also, mach’s gut, Kemal!
- Du auch! Ich sag dir Bescheid, was mein Nachbar meint.
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