In der Bäckerei
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- Mira? Hey! Lange nicht gesehen. Was machst du denn um die Zeit hier – musst du nicht in der Werkstatt sein?
- Hi Jannik! Heute nicht, ich hab mir einen Tag freigenommen. Gestern war Prüfung.
- Ach stimmt, deine Mutter hat’s meiner erzählt! Und, alles bestanden? Dann bist du ja jetzt offiziell Mechatronikerin – Glückwunsch!
- Danke, aber nicht so schnell. Die Theorie hab ich hinter mir, sogar mit 1,7. Aber das Praktische kommt erst im Juni. Bis dahin heißt es: weiter üben.
- 1,7! Na, da brauchst du dir im Juni doch keine Sorgen zu machen. In der Werkstatt warst du doch immer die Schnellste.
- In der Werkstatt schon. Das Problem ist eher Herr Kaminski, mein Ausbilder. Der steht ständig hinter einem und kommentiert jeden Handgriff, als wären wir noch in der Grundschule. So was mag ich überhaupt nicht. Ehrlich, mit dem komme ich einfach nicht klar.
- Kaminski? Den kenn ich! Bei dem hab ich mal ein Ferienpraktikum gemacht. Der hat mich eine ganze Woche nur Werkzeug sortieren lassen – und am Freitag hat er gefragt, warum ich so langsam bin.
- Typisch. Na ja, das Problem Kaminski erledigt sich im Sommer. Aber dann kommt gleich das nächste Problem: Ich will endlich ausziehen. Ich bin zweiundzwanzig und schlafe immer noch in meinem Kinderzimmer mit Pferdepostern an der Wand. Wenn mir doch einer sagen könnte, ob ich in die Stadt gehen soll oder lieber hier im Dorf bleibe … Ich dreh mich da seit Wochen im Kreis.
- Stadt, ganz klar! Mit deiner 1,7 findest du da doch sofort was. Mein Cousin Felix sucht gerade eine Mitbewohnerin für seine WG in Freiburg. Altbau, hohe Decken, und die Straßenbahn fährt bis nachts um eins. Ich könnte mir dich da richtig gut vorstellen – du kochst gern, die anderen kochen gern … perfekt.
- Klingt nett, aber eine WG? Ich hab zu Hause schon zwei kleine Brüder, die bis Mitternacht Videospiele spielen. Ich will endlich mal meine Ruhe haben, eine Tür, die ich hinter mir zumachen kann, und Platz für meine Hündin Lotte. Also eher so etwas wie die kleine Einliegerwohnung bei Frau Gerber am Ortsrand. Die wird im Herbst frei.
- Bei der Gerber? Na ja … Schön ist es da schon. Aber so ruhig, wie du denkst, ist es da auch nicht – gegenüber ist der Bolzplatz, da wird bis zehn gekickt. Und hast du mal geschaut, wie du von da wegkommst? Der letzte Bus fährt um halb acht, und im Winter wird die Straße zum Ortsrand immer als Letzte geräumt. Mit dem Fahrrad zur Werkstatt brauchst du bei Schnee ewig.
- Hm. Daran hab ich ehrlich gesagt noch gar nicht gedacht.
- Oder – ganz andere Idee: Du bleibst einfach noch ein Jahr bei deinen Eltern, zahlst kaum Miete und legst dir was zur Seite. Dann kannst du dir später was Richtiges leisten. So hat’s meine Schwester auch gemacht, und jetzt hat sie eine Wohnung mit Balkon und Blick auf den Rhein.
- Darüber hab ich selbst auch schon nachgedacht – und meine Mutter sagt es mir jeden zweiten Tag. Klingt eigentlich vernünftig. Aber die Pferdeposter noch ein ganzes Jahr? Ich schlaf noch mal ’ne Nacht drüber.
Verkäuferin: Die Nächste, bitte!
- Oh, ich bin dran. Zwei Laugenbrezeln, bitte! … Jannik, schick mir doch mal die Nummer von deinem Cousin – nur für alle Fälle.
- Mach ich. Und viel Glück im Juni!
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