Arbeit im Haushalt – Wer trägt heute wirklich die Last?
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Moderatorin:
Guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer, und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von „Forum am Freitag“. Heute geht es um ein Thema, das viele betrifft, aber oft unterschätzt wird: Wer macht eigentlich wie viel im Haushalt – und ist das heute wirklich gerecht verteilt?
Trotz gesellschaftlicher Fortschritte zeigen viele Studien, dass Hausarbeit nach wie vor größtenteils von Frauen erledigt wird – auch wenn beide Partner arbeiten. Stimmt das? Und wenn ja – warum ist das so?
Darüber sprechen wir heute mit Lara König, Journalistin und Mutter von drei Kindern, und mit Andreas Stein, Lehrer für Sozialkunde an einer Berufsschule. Herzlich willkommen Ihnen beiden!
Lara König:
Guten Abend, danke für die Einladung.
Andreas Stein:
Ich freue mich, hier zu sein.
Moderatorin:
Frau König, wie ist das bei Ihnen zu Hause geregelt?
Lara König:
Also ganz ehrlich – klassisch. Ich arbeite Teilzeit, mein Mann Vollzeit. Ich mache den Großteil der Hausarbeit, von Kochen über Wäsche bis zur Kinderbetreuung. Und auch wenn mein Mann mir abends hilft – es bleibt meistens an mir hängen. Und das, obwohl wir uns eigentlich als modernes Paar sehen.
Moderatorin:
Warum, glauben Sie, ist das so?
Lara König:
Ich denke, das ist tief in der Gesellschaft verankert. Meine Mutter war Hausfrau, meine Schwiegermutter auch. Und selbst wenn wir es besser machen wollen – in Stresssituationen greifen viele Paare wieder auf alte Muster zurück.
Andreas Stein:
Darf ich da kurz widersprechen? Ich finde, das klingt ein bisschen pauschal. In meiner Partnerschaft teilen wir alles 50:50 – wir haben einen Haushaltsplan. Ich mache das Bad, mein Partner die Küche. Einkaufen, Putzen, Müll – wird alles aufgeteilt. Und das funktioniert hervorragend, auch weil wir beide Vollzeit arbeiten.
Moderatorin:
Aber laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2022 übernehmen Frauen im Durchschnitt 1 Stunde und 23 Minuten mehr unbezahlte Arbeit pro Tag als Männer – trotz Berufstätigkeit. Ist das also wirklich ein Einzelfall, Herr Stein?
Andreas Stein:
Vielleicht nicht, aber ich sehe in meinem Umfeld, dass sich etwas bewegt. Männer nehmen heute Elternzeit, sie kochen, sie bringen die Kinder zur Kita. Die klassische Rollenverteilung ist doch längst aufgebrochen.
Lara König:
Aber noch nicht gleichwertig ersetzt! Es stimmt, dass Männer mehr machen als früher. Aber „mehr als früher“ heißt nicht gleich „genauso viel wie Frauen“. Es gibt den Begriff der „Mental Load“ – diese ständige gedankliche Verantwortung: Wer braucht neue Schuhe? Was fehlt im Kühlschrank? Das erledigt oft die Frau – auch wenn der Mann „mithilft“.
Moderatorin:
Historisch gesehen war die Hausarbeit immer weiblich konnotiert. Erst mit dem Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wurde das klassische Modell „Mann arbeitet, Frau macht Haushalt“ richtig etabliert – unterstützt durch Werbung, Politik und Steuerrecht.
Andreas Stein:
Aber wir leben nicht mehr in den 50ern. Ich finde, Hausarbeit ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Organisation. Wer wann wie viel macht, hängt doch vom Alltag ab – nicht vom Geschlecht. Und nicht jede Frau will oder kann alles im Griff haben. Ich kenne viele Männer, die super organisieren – und Frauen, die es hassen zu putzen.
Lara König:
Natürlich gibt’s Ausnahmen – aber das Problem ist strukturell. Wenn eine Frau 30 Stunden arbeitet und zusätzlich den Haushalt managt, während der Mann 40 Stunden arbeitet und danach auf der Couch liegt, ist das keine individuelle Entscheidung, sondern eine Frage von Machtverhältnissen und Prioritäten.
Moderatorin:
Wäre ein Gehaltsausgleich für unbezahlte Hausarbeit ein Ansatz?
Andreas Stein:
Ich bin da skeptisch. Wie will man das messen? Stunden mit dem Staubsauger? To-do-Listen führen? Das führt doch nur zu Streit. Viel wichtiger wäre: Hausarbeit ernst nehmen – in der Erziehung, in der Schule, in der Sprache. Schon bei kleinen Jungs beginnt’s: Warum ist Kochen in der Werbung immer weiblich?
Lara König:
Ich stimme zu. Wir brauchen Bildung und Bewusstsein. Aber kurzfristig wäre es hilfreich, steuerliche Vorteile nicht nur Ehegattensplitting zu nennen, sondern Pflege- oder Hausarbeit fair zu berücksichtigen. Denn Hausarbeit ist Arbeit. Sie wird nur nicht bezahlt – und nicht gesehen.
Moderatorin:
Also ein gesellschaftliches Problem mit vielen Facetten. Vielen Dank, Frau König. Vielen Dank, Herr Stein, für Ihre ehrlichen Einblicke und kontroversen Meinungen.
Und Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, einen schönen Abend – vielleicht ja bei einer Runde gemeinsames Geschirrspülen. Bis nächste Woche – bei „Forum am Freitag“.
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