Migration in Europa – Chancen und Herausforderungen

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Moderatorin:
Willkommen zu „Stadt.Land.Welt.“ Heute bei uns im Studio: Dr. Jonas Keller, Demograf vom Europäischen Institut für Bevölkerungsfragen, und Dr. Sofia Albrecht, Integrationsforscherin an der Universität Leipzig. Thema heute: Migration in Europa – wo stehen wir aktuell, und welche Perspektiven gibt es? Herr Dr. Keller, gleich zu Beginn: Wie hat sich die Zahl der Migrantinnen und Migranten in Europa in den letzten Jahren entwickelt?

Dr. Keller:
Seit 2015 hat sich viel verändert. Damals kamen über 1,3 Millionen Geflüchtete nach Europa – vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Seitdem ist die Zahl neuer Asylanträge gesunken, aber 2022 lag sie immer noch bei über 960.000 Anträgen in der EU.

Moderatorin:
Das klingt nach sehr viel. Wie verteilen sich diese Menschen auf die EU-Länder?

Dr. Keller:
Sehr ungleich. Länder wie Deutschland, Frankreich und Schweden nehmen den größten Teil auf. Deutschland allein hat 2022 rund 243.000 Asylanträge registriert – das war mit Abstand die höchste Zahl in der EU.

Moderatorin:
Frau Dr. Albrecht, was passiert nach der Ankunft? Gelingt Integration heute besser als früher?

Dr. Albrecht:
Teils, teils. Die Sprachkurse sind heute besser organisiert, und viele Menschen finden schneller Zugang zum Arbeitsmarkt. Trotzdem hängt viel vom Aufenthaltsstatus ab. Wer jahrelang auf eine Entscheidung warten muss, kann sich schwer integrieren. In Schweden zum Beispiel gibt es ein beschleunigtes Verfahren, das oft schon nach vier Monaten zu einer Entscheidung führt – in Deutschland dauert es oft über ein Jahr.

Moderatorin:
Was sind die größten Herausforderungen?

Dr. Albrecht:
Ganz klar: Wohnen, Bildung und Arbeit. In manchen Regionen fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. In den Schulen fehlen oft Sprachförderkräfte. Und auf dem Arbeitsmarkt sehen wir oft, dass formale Qualifikationen aus dem Herkunftsland nicht anerkannt werden.

Moderatorin:
Gibt es Beispiele für Länder, die das besser machen?

Dr. Keller:
Ja, Portugal zum Beispiel setzt stark auf Integration durch Arbeit. Schon während des Asylverfahrens können Menschen dort in vielen Branchen arbeiten. Auch Dänemark hat ein Modell, das gezielt auf kommunale Integrationsverträge setzt – mit klaren Rechten, aber auch Pflichten.

Moderatorin:
Wie steht die Bevölkerung in Europa zur Migration?

Dr. Keller:
Sehr gespalten. In Umfragen der EU-Kommission sagen etwa 47 % der Befragten, Migration sei eine Chance, fast ebenso viele sehen sie als Belastung. In Ländern wie Polen oder Ungarn überwiegt Skepsis. In Spanien oder Irland dagegen ist die Haltung deutlich positiver.

Moderatorin:
Wie kann man Vertrauen in die Integrationspolitik stärken?

Dr. Albrecht:
Durch Transparenz und Beteiligung. Wenn Kommunen erklären, wie viele Menschen kommen und was sie leisten können, steigt die Akzeptanz. Und wenn Einheimische sehen, dass Migranten auch Arbeitsplätze besetzen, die sonst unbesetzt bleiben, wird Migration als Gewinn erlebt.

Moderatorin:
Können Sie ein Beispiel nennen?

Dr. Albrecht:
Ja – in ländlichen Regionen in Ostdeutschland konnten durch Zugewanderte einige Pflegeeinrichtungen weitergeführt werden, die sonst hätten schließen müssen. Ähnliche Entwicklungen sehen wir auch in Norditalien und Teilen Frankreichs.

Moderatorin:
Zum Schluss: Brauchen wir mehr oder weniger Migration?

Dr. Keller:
Wir brauchen vor allem gesteuerte Migration. Europas Bevölkerung altert – in Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei 45 Jahren. Ohne Zuwanderung können viele soziale Systeme langfristig nicht stabil bleiben.

Moderatorin:
Vielen Dank für das Gespräch!

0 / 10 richtige Optionen

1

Im Jahr 2015 kamen mehr als eine Million Geflüchtete nach Europa.

Dr. Keller sagt im Text:
„Damals kamen über 1,3 Millionen Geflüchtete nach Europa – vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.“
Das Wort „damals“ bezieht sich auf das Jahr 2015, wie in der Frage formuliert.
Da über 1,3 Millionen Geflüchtete genannt werden, ist die Aussage „mehr als eine Million“ korrekt.
Deshalb ist die Aussage richtig.

2

Die meisten Asylanträge 2022 wurden in Frankreich gestellt.

Deutschland allein hat 2022 rund 243.000 Asylanträge registriert – das war mit Abstand die höchste Zahl in der EU.

3

In Schweden dauert das Asylverfahren länger als in Deutschland.

In Schweden zum Beispiel gibt es ein beschleunigtes Verfahren […] in Deutschland dauert es oft über ein Jahr.

4

In Portugal dürfen Geflüchtete erst nach der Anerkennung arbeiten.

Schon während des Asylverfahrens können Menschen dort in vielen Branchen arbeiten.

5

In Dänemark gelten für Zugewanderte dieselben Rechte wie für Einheimische, ohne Pflichten.

…setzt gezielt auf kommunale Integrationsverträge – mit klaren Rechten, aber auch Pflichten.

6

Fast die Hälfte der Europäer sieht Migration als positive Entwicklung.

…etwa 47 % der Befragten, Migration sei eine Chance…

7

In Spanien ist die Haltung zur Migration ähnlich skeptisch wie in Ungarn.

In Spanien oder Irland dagegen ist die Haltung deutlich positiver.

8

Kommunen, die klar kommunizieren, fördern das Vertrauen in Migration.

Wenn Kommunen erklären, wie viele Menschen kommen und was sie leisten können, steigt die Akzeptanz.

9

In Ostdeutschland helfen Zugewanderte, Pflegeeinrichtungen zu erhalten.

…konnten durch Zugewanderte einige Pflegeeinrichtungen weitergeführt werden…

10

Laut Dr. Keller ist Migration langfristig nicht notwendig für Europa.

Ohne Zuwanderung können viele soziale Systeme langfristig nicht stabil bleiben.

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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