Nora Feldmann – Schreiben, Erinnern, Verstehen

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Moderator:
Herzlich willkommen zu unserer Sendung „Zwischen den Zeilen“. Heute begrüßen wir Nora Feldmann – eine bekannte Autorin, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene schreibt. Sie hat über 30 Bücher veröffentlicht und über 150 Werke aus anderen Sprachen ins Deutsche übertragen. Guten Morgen, Frau Feldmann!

Feldmann:
Guten Morgen, schön hier zu sein.

Moderator:
Bald bekommen Sie eine ganz besondere Auszeichnung: Die Universität Utrecht verleiht Ihnen in diesem Jahr die Ehrendoktorwürde – und das genau an Ihrem Geburtstag, dem 12. Oktober. Was bedeutet diese Anerkennung für Sie?

Feldmann:
Ich war ehrlich gesagt überrascht. Natürlich freue ich mich sehr, denn sie steht vor allem im Zusammenhang mit meiner langjährigen Arbeit über Eva Levi, ein jüdisches Mädchen, das während des Krieges in den Niederlanden versteckt gelebt hat.

Moderator:
Sie haben sich intensiv mit diesem Schicksal beschäftigt – auch in Ihren Büchern?

Feldmann:
Ja, ich habe zuerst das originale Tagebuch von Eva Levi übersetzt. Danach habe ich eine neue Ausgabe zusammengestellt, die eine breitere Leserschaft ansprechen sollte. Die frühere deutsche Übersetzung war sehr altmodisch – sie klang fast so, als sei sie aus einem anderen Jahrhundert.

Moderator:
Sie sind mehrsprachig und übersetzen oft aus dem Niederländischen. Werden Sie auch bei der Zeremonie in Utrecht auf Niederländisch sprechen?

Feldmann:
Ich werde es versuchen! Ich verstehe alles, aber selbst zu sprechen fällt mir noch schwer. Bis Oktober will ich das intensiv üben.

Moderator:
Leben Sie derzeit in Deutschland?

Feldmann:
Ja, ich wohne in der Nähe von Mainz. Meine Familie lebt verstreut, aber ich sehe sie regelmäßig.

Moderator:
Sie haben Enkel, richtig?

Feldmann:
Sechs inzwischen! Jedes Jahr mache ich mit dreien davon Urlaub – meist an einem kleinen Ort an der Adria, in der Nähe von Triest.

Moderator:
Camping oder Hotel?

Feldmann:
Wir mieten einen Bungalow auf einem familienfreundlichen Campingplatz. Die Kinder lieben die Freiheit dort.

Moderator:
Kommen Sie dort auch zum Schreiben?

Feldmann:
Nein, da bin ich nur Oma.

Moderator:
Frau Feldmann, Sie wurden 1942 geboren, mitten im Krieg. Was sind Ihre ersten Erinnerungen?

Feldmann:
Ich bin bei Pflegeeltern aufgewachsen. Meine frühesten Erinnerungen sind mit Luftschutzkellern und Angst verbunden. Ich war oft allein und habe früh gelernt, mich in Geschichten zu flüchten.

Moderator:
Wie war Ihre Beziehung zu den Pflegeeltern?

Feldmann:
Sie waren sehr alt, einfache Leute. Ich war das fünfte Kind im Haushalt. Liebevoll war es nicht. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen.

Moderator:
Hatten Sie als Kind Bezug zu Literatur?

Feldmann:
Sehr stark. Ich habe schon gelesen, bevor ich in die Schule kam. Mein erstes Buch war ein alter Reiseführer über Leningrad, den ich bei einer Nachbarin gefunden habe. Ich war vier oder fünf.

Moderator:
Und gelesen haben Sie wo?

Feldmann:
Nie im Haus. Dort war Lesen nicht erwünscht. Ich habe in der Scheune gelesen, manchmal auf dem Dachboden oder draußen im Wald. Bücher waren mein Rückzugsort.

Moderator:
Haben Sie auch Tagebuch geschrieben?

Feldmann:
Einmal. Meine Pflegemutter hat es gefunden und gelesen. Danach nie wieder. Es hatte unangenehme Konsequenzen.

Moderator:
Hat diese Kindheit Ihre Literatur geprägt?

Feldmann:
Sicher. Viele meiner Figuren sind einsam, suchen Schutz, entwickeln aber auch Stärke. Ich schreibe nicht autobiografisch, aber viele Gefühle kenne ich selbst.

Moderator:
Vielen Dank für dieses offene Gespräch, Frau Feldmann.

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1

Nora Feldmann freut sich über die Ehrung durch die Universität Utrecht.

„Natürlich freue ich mich sehr…“

2

Sie arbeitet auch als Übersetzerin.

„…über 150 Werke aus anderen Sprachen ins Deutsche übertragen.“

3

Sie hat sich mit der Geschichte von Eva Levi beschäftigt.

„…meiner langjährigen Arbeit über Eva Levi, ein jüdisches Mädchen…“

4

Jedes Jahr fährt sie mit ihrer gesamten Familie in den Urlaub.

„Jedes Jahr mache ich mit dreien davon Urlaub…“

5

Ihre Kindheit war geprägt von Angst und Krieg.

„…meine frühesten Erinnerungen sind mit Luftschutzkellern und Angst verbunden.“

6

Die Beziehung zu ihren Pflegeeltern war sehr herzlich.

„Liebevoll war es nicht. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen.“

7

Ihre Romane enthalten teilweise persönliche Elemente.

„Ich schreibe nicht autobiografisch, aber viele Gefühle kenne ich selbst.“

8

Ihr erstes Buch war ein Roman über Paris.

„Mein erstes Buch war ein alter Reiseführer über Leningrad…“

9

Sie durfte zu Hause immer in Ruhe lesen.

„Nie im Haus. Dort war Lesen nicht erwünscht.“

10

Nach schlechten Erfahrungen schrieb sie nie wieder Tagebuch.

„Danach nie wieder. Es hatte unangenehme Konsequenzen.“

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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