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Busse und Bahnen ohne Fahrschein nutzen zu können – diese Idee taucht immer wieder in Diskussionen über bessere Luftqualität in Städten auf. Die zentrale Frage lautet: Würden Menschen tatsächlich auf das Auto verzichten, wenn der öffentliche Verkehr nichts kostet? Und ließe sich ein solches Modell dauerhaft finanzieren?
Der Vorschlag sorgt für Aufmerksamkeit, denn viele Städte leiden unter hoher Luftbelastung. Die Bundesregierung prüft daher, ob Kommunen finanziell unterstützt werden könnten, wenn sie den Nahverkehr kostenlos anbieten. Neu ist dieses Konzept jedoch nicht. In verschiedenen Ländern wurden entsprechende Modelle bereits erprobt – auch innerhalb Deutschlands.
Ein frühes Beispiel stammt aus einer Kleinstadt im Osten des Landes mit rund 15.000 Einwohnern. Dort wurde Ende der 1990er-Jahre für mehrere Jahre auf Fahrscheine verzichtet. Bereits kurz nach Einführung stieg die Zahl der Fahrgäste stark an. Gleichzeitig fehlten jedoch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, während die Betriebskosten weiter zunahmen. Nach einigen Jahren musste das Projekt beendet werden, da es finanziell nicht mehr tragbar war.
In einer nordeuropäischen Hauptstadt wurde einige Jahre später ein anderer Weg eingeschlagen. Die Einführung des kostenlosen Nahverkehrs für Einwohner wurde per Bürgerentscheid beschlossen. Seitdem können registrierte Bewohner Busse und Bahnen ohne Ticket nutzen. Die Maßnahme gilt als erfolgreich: Viele Menschen, die zuvor aus dem Umland mit dem Auto pendelten, wechselten auf öffentliche Verkehrsmittel. Dadurch stiegen die Steuereinnahmen der Stadt deutlich, da neue Einwohner ihren Wohnsitz dorthin verlegten.
Auch in Nordamerika gab es Versuche mit fahrscheinlosen Verkehrssystemen. In zwei Großstädten an der Westküste wurden entsprechende Programme eingeführt, später jedoch wieder eingestellt. Ein Grund war, dass Busse langsamer vorankamen, da Fahrgäste an jeder Haltestelle ohne Kontrolle zustiegen. Zudem entstanden Finanzierungslücken, die nicht geschlossen werden konnten.
Unklar bleibt weiterhin, wie ein solches Modell in größeren deutschen Städten finanziert werden könnte. In einer norddeutschen Metropole erzielt der städtische Verkehrsverbund jährlich mehrere hundert Millionen Euro durch Ticketverkäufe. Würde dieser Betrag wegfallen, müssten zusätzliche Steuermittel eingesetzt werden.
Zudem ist fraglich, ob der öffentliche Verkehr der steigenden Nachfrage gewachsen wäre. Schon heute sind Busse und Bahnen in Großstädten oft überfüllt. Ohne Fahrkartenpflicht würden sie vermutlich noch stärker genutzt. Ein umfassender Ausbau der Infrastruktur wäre notwendig – mit neuen Fahrzeugen und längeren Planungszeiten.

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