Bringt die Stadt die Menschen zusammen?

Erledigt: 1 / 1
Wiederholen Weiter
Sie hören nun eine Diskussion. Dazu lösen Sie acht Aufgaben.
Ordnen Sie die Aussagen zu: Wer sagt was?
Lesen Sie jetzt die Aufgaben. Dazu haben Sie 60 Sekunden Zeit.
0:00 / 0:00
0:00 / 0:00

Moderatorin:
Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen bei „Treffpunkt Stadt“. Unsere Frage heute lautet: „Bringt die Stadt die Menschen zusammen?“ Zu Gast im Studio sind die bekannte Architektin Katja Lindner und der ebenso bekannte frühere Immobilienmakler Markus Holtkamp. Beide haben ihre Karriere in großen Firmen beendet und engagieren sich heute in der Stadtteilarbeit. Frau Lindner, in Ihrer Heimatstadt beginnt bald der große Umbau der Innenstadt, die Planungen laufen schon. Sie selbst haben in den letzten Jahren viele Projekte in Innenstädten gebaut und dafür auch Preise bekommen. Wie sehen Sie die Innenstädte heute?

Katja Lindner:
Immer noch positiv, aber kritischer als früher. Die Innenstädte werden immer mehr zu riesigen Einkaufszentren. Dabei geht die alte Idee verloren, dass auf dem Marktplatz Menschen aus der ganzen Stadt und aus aller Welt zusammenkommen, um friedlich miteinander zu handeln und zu feiern. Das finde ich ein bisschen schade.

Moderatorin:
Und Sie, Herr Holtkamp, ich glaube, Sie sehen die Innenstädte eher kritisch?

Markus Holtkamp:
Absolut. Die Innenstadt war schon immer vor allem ein Ort zum Geldverdienen – nur dazu da, dass sich große Ketten und Marken möglichst gut zeigen können. In der Großstadt geht es vor allem um Erfolg und Umsatz. Mit echtem Zusammenleben hat das nichts zu tun.

Katja Lindner:
Wieso sind Sie denn so negativ? Sie haben doch selbst jahrelang mitten in der Großstadt Karriere gemacht – als Star unter den Immobilienmaklern in Frankfurt. Sie haben bei solchen Großprojekten mitgemacht, genau wie ich als Architektin.

Markus Holtkamp:
Inzwischen sehe ich das anders.

Moderatorin:
Viele Menschen sehen das Leben in der Großstadt ja negativ. Frau Lindner, was würden Sie denn dazu sagen? Was ist eigentlich das Gute am Leben in der Stadt?

Katja Lindner:
Gute Architektur kann Menschen dazu bringen, in ein Viertel zu ziehen und sich dort zu engagieren. Sehen Sie, in meiner Heimatstadt Nordhafen wollte früher niemand am alten Hafen wohnen. Das hat sich erst geändert, als meine Kollegin Merle und ich dort ein neues Wohnviertel gebaut und dafür internationale Preise gewonnen haben. Ganz schnell haben Cafés, kleine Läden und sogar eine neue Schule eröffnet, junge Familien sind dorthin gezogen, und heute ist der Hafen der beliebteste Teil der Stadt.

Moderatorin:
Eine tolle Entwicklung!

Katja Lindner:
Ja, darüber freue ich mich sehr. Als Architektinnen konnten wir mitbestimmen, wie Menschen wohnen. Wir konnten zeigen, dass man aus einem leeren Viertel etwas machen kann, wenn man nur will. Heute plane ich ehrenamtlich Spielplätze in drei Stadtteilen. Und es macht mich glücklich, wenn Kinder im Sommer wie im Winter draußen herumtoben, statt den ganzen Tag in der Wohnung vor dem Handy oder dem Fernseher zu hängen. Das ist doch wirklich nicht gesund!

Markus Holtkamp:
Bei mir ging es in eine ähnliche Richtung. Ein Erlebnis hat mich dazu gebracht, mir eine Alternative zur Großstadt zu suchen. An meinem letzten Arbeitstag in Frankfurt – ich war damals 38 – saß mir im Büro mein Kollege Tobias gegenüber, ein wirklich netter Mensch. Plötzlich wurde er ganz blass, ist vom Stuhl gerutscht und lag auf dem Boden. Herzinfarkt – mit 41!

Moderatorin:
Oh nein! Das ist ja schrecklich. Wie konnte das passieren?

Markus Holtkamp:
Genau weiß das niemand. Vielleicht der Stress, die vielen Überstunden, kaum Schlaf … Für mich war das jedenfalls das Signal: Jetzt höre ich auf. Meine Frau und unsere Kinder sind heute noch froh darüber. Inzwischen habe ich ein kleines Café in einem alten Viertel in Kassel und viele Stammgäste. Und dann hatte ich noch eine Idee.

Katja Lindner:
Was für eine Idee?

Markus Holtkamp:
Angefangen hat es mit Kochabenden für die Nachbarn und Spielenachmittagen für Kinder … Später habe ich Stadtspaziergänge für Jugendliche organisiert, quer durch alle Viertel. Vor allem wollte ich, dass die jungen Leute mal rauskommen und merken, wie viel Spaß es macht, die eigene Stadt zu Fuß zu entdecken. Außerdem war das auch eine gute Chance, junge Leute aus ganz verschiedenen Ländern zusammenzubringen.

Moderatorin:
In vielen Städten gibt es ja inzwischen sehr erfolgreiche Projekte für die Integration.

Markus Holtkamp:
Das stimmt. Wir haben jetzt sogar ein besonderes Projekt für Nachbarn aus aller Welt geplant. Dafür habe ich bei der Stadt auch Fördergeld beantragt, und es sieht ganz gut aus.

Katja Lindner:
Das klingt ja spannend! Wir möchten nämlich mit Schulen aus anderen Ländern ein gemeinsames Projekt zum Thema „Wohnen in der Zukunft“ machen, aber wir wissen noch nicht, wie wir das bezahlen sollen. Herr Holtkamp, haben Sie da vielleicht ein paar Tipps für mich?

Markus Holtkamp:
Mache ich gern.

Moderatorin:
Dann kommen wir zurück zu unserer Frage vom Anfang: Bringt die Stadt die Menschen zusammen? Ihr letztes Wort dazu, bitte.

Katja Lindner:
Ich sage ja, nach allem, was ich erlebt habe. Wenn Menschen eng beieinander wohnen, dieselben Plätze nutzen und beim Straßenfest sogar im Wettbewerb um den schönsten Vorgarten gegeneinander antreten, dann verbindet das sehr. Das gilt für die große Innenstadt genauso wie für das kleine Viertel.

Markus Holtkamp:
Ich glaube, in der Großstadt herrscht vor allem Konkurrenz – um Wohnungen, um Jobs, sogar um Parkplätze. Das bringt die Menschen nicht so sehr zusammen. Aber im eigenen Viertel treffen sich oft ganz unterschiedliche Menschen, die sonst nie miteinander zu tun hätten. Da können sogar Freundschaften entstehen, ganz anders als in der anonymen Großstadt. Nur noch eine Sache: Wenn ich mit Freunden zum großen Stadtfest in die Innenstadt fahre, dann verbindet uns das auch ganz stark.

Moderatorin:
Frau Lindner, Herr Holtkamp, vielen Dank, dass Sie heute hier waren und so offen mit uns diskutiert haben. Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, danke fürs Zuhören. In vierzehn Tagen hören wir uns wieder bei „Treffpunkt Stadt“.

0 / 8 richtige Optionen

1

Geld und Werbung bestimmen schon seit Langem die Innenstädte.

✅ Geld und Werbung bestimmen schon seit Langem die Innenstädte.

Richtige Lösung: Markus Holtkamp

Begründung: Markus Holtkamp sagt: „Die Innenstadt war schon immer vor allem ein Ort zum Geldverdienen – nur dazu da, dass sich große Ketten und Marken möglichst gut zeigen können.“ → Seit jeher geht es in der Innenstadt um Geld und darum, dass Firmen Werbung für sich machen.

Fallenanalyse: Direkt davor sagt Katja Lindner, dass die Innenstädte „immer mehr zu riesigen Einkaufszentren“ werden. Auch das klingt nach Geld. Aber Lindner beschreibt eine Veränderung: Früher war es anders, heute wird es so. Holtkamp sagt dagegen „schon immer“, also „schon seit Langem“. Entscheidend ist der Unterschied zwischen „immer mehr“ und „schon immer“. Das Wort „Werbung“ kommt im Text nicht vor. Es steckt in „dass sich große Ketten und Marken möglichst gut zeigen können“.

Schlüsselwörter: „schon immer“ = schon seit Langem / „Ort zum Geldverdienen“ = Geld / „Ketten und Marken zeigen sich“ = Werbung

2

Viele Menschen finden das Leben in der Großstadt nicht gut

✅ Viele Menschen finden das Leben in der Großstadt nicht gut.

Richtige Lösung: Moderatorin

Begründung: Die Moderatorin sagt: „Viele Menschen sehen das Leben in der Großstadt ja negativ.“ → Viele finden das Leben in der Großstadt nicht gut.

Fallenanalyse: Die Moderatorin stellt nicht nur Fragen, hier sagt sie selbst etwas. Direkt davor sagt Markus Holtkamp: „Inzwischen sehe ich das anders.“ Er sieht die Großstadt kritisch, deshalb denken viele, die Aussage kommt von ihm. Er spricht aber nur über sich, nicht über viele Menschen. Katja Lindner fragt vorher „Wieso sind Sie denn so negativ?“ und spricht über seine Karriere „mitten in der Großstadt“. Die Wörter passen, aber das ist eine Frage an Holtkamp, keine Aussage über viele Menschen.

Schlüsselwörter: „negativ sehen“ = nicht gut finden / „viele Menschen“ = viele Menschen

3

Erfolgreiche Bauprojekte können ein Stadtviertel beliebter machen.

✅ Erfolgreiche Bauprojekte können ein Stadtviertel beliebter machen.

Richtige Lösung: Katja Lindner

Begründung: Katja Lindner erzählt: Am alten Hafen wollte früher niemand wohnen. „Das hat sich erst geändert, als meine Kollegin Merle und ich dort ein neues Wohnviertel gebaut und dafür internationale Preise gewonnen haben.“ Und: „Heute ist der Hafen der beliebteste Teil der Stadt.“ → Ein erfolgreiches Bauprojekt hat das Viertel beliebt gemacht.

Fallenanalyse: Die Lösung steht nicht in einem einzigen Satz, sondern in einer Geschichte. Man muss verstehen, was die Geschichte zeigt: Erst kam der Erfolg mit den Preisen, dann kamen Cafés, Läden, eine Schule und Familien. Das Wort „Erfolg“ hört man vorher bei Markus Holtkamp: In der Großstadt geht es „vor allem um Erfolg und Umsatz“. Er meint aber den Erfolg von Firmen und sieht das kritisch. Nach Lindners Geschichte sagt die Moderatorin nur „Eine tolle Entwicklung!“. Das ist eine Reaktion, keine eigene Aussage.

Schlüsselwörter: „ein neues Wohnviertel gebaut und internationale Preise gewonnen“ = erfolgreiche Bauprojekte / „der beliebteste Teil der Stadt“ = beliebter machen

4

Kinder sollten lieber draußen spielen, als nur am Bildschirm zu sitzen.

✅ Kinder sollten lieber draußen spielen, als nur am Bildschirm zu sitzen.

Richtige Lösung: Katja Lindner

Begründung: Katja Lindner sagt: „Und es macht mich glücklich, wenn Kinder im Sommer wie im Winter draußen herumtoben, statt den ganzen Tag in der Wohnung vor dem Handy oder dem Fernseher zu hängen. Das ist doch wirklich nicht gesund!“ → Draußen spielen ist für Kinder besser als Handy und Fernseher.

Fallenanalyse: Direkt danach sagt Markus Holtkamp: „Bei mir ging es in eine ähnliche Richtung.“ Das klingt wie Zustimmung, aber dann erzählt er etwas ganz anderes: wie er die Großstadt verlassen hat. Später spricht Holtkamp auch über Kinder und Jugendliche: „Spielenachmittage für Kinder“, und die jungen Leute sollen „mal rauskommen“. Über Handy und Fernseher sagt er aber nichts.

Schlüsselwörter: „draußen herumtoben“ = draußen spielen / „vor dem Handy oder dem Fernseher hängen“ = am Bildschirm sitzen / „statt“ = lieber … als

5

Gemeinsame Aktionen in der Stadt können Menschen verschiedener Herkunft gut miteinander in Kontakt bringen.

✅ Gemeinsame Aktionen in der Stadt können Menschen verschiedener Herkunft gut miteinander in Kontakt bringen.

Richtige Lösung: Markus Holtkamp

Begründung: Markus Holtkamp erzählt von seinen Stadtspaziergängen für Jugendliche: „Außerdem war das auch eine gute Chance, junge Leute aus ganz verschiedenen Ländern zusammenzubringen.“ → Gemeinsame Aktionen bringen Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen.

Fallenanalyse: Ganz am Anfang spricht Katja Lindner über eine alte Idee: Auf dem Marktplatz sollen „Menschen aus der ganzen Stadt und aus aller Welt zusammenkommen“. Sie sagt aber, dass diese Idee heute verloren geht. Direkt nach Holtkamps Antwort sagt die Moderatorin: „In vielen Städten gibt es ja inzwischen sehr erfolgreiche Projekte für die Integration.“ Das passt sehr gut zur Aussage, aber sie sagt nur, dass es solche Projekte gibt. Was sie bewirken, sagt sie nicht.

Schlüsselwörter: „junge Leute aus ganz verschiedenen Ländern“ = Menschen verschiedener Herkunft / „zusammenbringen“ = in Kontakt bringen / „Stadtspaziergänge“ = gemeinsame Aktionen

6

Für die Kosten eines Projekts mit Schulen im Ausland brauche ich noch Ideen.

✅ Für die Kosten eines Projekts mit Schulen im Ausland brauche ich noch Ideen.

Richtige Lösung: Katja Lindner

Begründung: Katja Lindner sagt: „Wir möchten nämlich mit Schulen aus anderen Ländern ein gemeinsames Projekt zum Thema ‚Wohnen in der Zukunft‘ machen, aber wir wissen noch nicht, wie wir das bezahlen sollen. Herr Holtkamp, haben Sie da vielleicht ein paar Tipps für mich?“ → Sie braucht Ideen, wie sie das Projekt bezahlen kann.

Fallenanalyse: Kurz vorher spricht Markus Holtkamp über Geld: „Dafür habe ich bei der Stadt auch Fördergeld beantragt.“ Deshalb denken viele, die Aussage kommt von ihm. Holtkamp hat sein Geld aber schon beantragt, er braucht keine Ideen mehr. Lindner fragt ihn nach Tipps, also sucht sie Ideen. Ihre Antwort beginnt mit „Das klingt ja spannend!“ – sie unterbricht, ohne dass die Moderatorin sie aufruft.

Schlüsselwörter: „wie wir das bezahlen sollen“ = die Kosten / „ein paar Tipps“ = Ideen / „Schulen aus anderen Ländern“ = Schulen im Ausland

7

Der Wettbewerb in der Großstadt bringt die Menschen nicht zusammen.

✅ Der Wettbewerb in der Großstadt bringt die Menschen nicht zusammen.

Richtige Lösung: Markus Holtkamp

Begründung: Markus Holtkamp sagt: „Ich glaube, in der Großstadt herrscht vor allem Konkurrenz – um Wohnungen, um Jobs, sogar um Parkplätze. Das bringt die Menschen nicht so sehr zusammen.“ → Die Konkurrenz in der Großstadt verbindet die Menschen nicht.

Fallenanalyse: Das Wort „Wettbewerb“ hört man nur bei Katja Lindner: „im Wettbewerb um den schönsten Vorgarten“. Sie sagt aber das Gegenteil: Das „verbindet das sehr“. Am Ende sagt Holtkamp selbst, dass ihn das große Stadtfest in der Innenstadt mit seinen Freunden „ganz stark“ verbindet. Das ist aber nur ein Fest, kein Wettbewerb. Seine Meinung über die Konkurrenz in der Großstadt bleibt gleich.

Schlüsselwörter: „Konkurrenz“ = Wettbewerb / „bringt die Menschen nicht so sehr zusammen“ = bringt die Menschen nicht zusammen

8

In der Nachbarschaft können Menschen zu Freunden werden.

✅ In der Nachbarschaft können Menschen zu Freunden werden.

Richtige Lösung: Markus Holtkamp

Begründung: Markus Holtkamp sagt: „Aber im eigenen Viertel treffen sich oft ganz unterschiedliche Menschen, die sonst nie miteinander zu tun hätten. Da können sogar Freundschaften entstehen.“ → In der Nachbarschaft kann man Freunde finden.

Fallenanalyse: Holtkamp ist bei der Großstadt kritisch. Deshalb erwarten viele, dass dieser positive Gedanke von Katja Lindner kommt. Holtkamp unterscheidet aber: Die Großstadt verbindet nicht, das eigene Viertel schon. Lindner sagt kurz vorher nur allgemein, dass das Zusammenwohnen „verbindet“. Von Freundschaften spricht sie nicht.

Schlüsselwörter: „im eigenen Viertel“ = in der Nachbarschaft / „Freundschaften entstehen“ = zu Freunden werden

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Kategorien von Übungen

Wählen Sie eine Übungskategorie für Goethe B1

Anmelden