Jugendliche interessieren sich für Kunst und Kultur deutlich mehr, als viele Erwachsene vermuten. Auch sie möchten kreativ sein, nutzen dafür jedoch andere Wege als Erwachsene. Erst in den letzten Jahren beginnt die Forschung damit, diese neuen Ausdrucksformen genauer zu untersuchen.
Oft wird behauptet, junge Menschen seien oberflächlich, konsumorientiert und respektlos gegenüber älteren Generationen. Solche Aussagen tauchen bereits seit Jahrhunderten immer wieder auf und wirken erstaunlich zeitlos.
Doch ist diese Kritik wirklich berechtigt? Es gibt durchaus Jugendliche, die sich nicht kreativ betätigen und Kunst lediglich konsumieren. Gleichzeitig existiert jedoch eine große Zahl junger Menschen, die aktiv gestalten und nach eigenen Ausdrucksformen suchen.
Gibt man beispielsweise den Begriff „Fanart“ in eine Suchmaschine ein, stößt man auf unzählige selbst gestaltete Inhalte von Jugendlichen aus aller Welt.
Diese Werke entstehen freiwillig und ohne äußeren Zwang.
Genau hier zeigt sich deutlich der Wunsch vieler junger Menschen, sich mitzuteilen und kreativ tätig zu sein.
Wir Erwachsenen sollten daher vorsichtiger mit vorschnellen Urteilen über die Kunst junger Menschen umgehen.
Erfreulicherweise gibt es inzwischen zahlreiche Fachleute, die Jugendkultur als einen gleichwertigen und produktiven Bestandteil unserer Gesellschaft anerkennen.
Doch wodurch wird das Interesse Jugendlicher an Kunst und Kultur eigentlich beeinflusst? Eine groß angelegte Befragung ergab, dass für etwa die Hälfte der Jugendlichen vor allem das familiäre Umfeld entscheidend ist.
Lehrkräfte spielen hingegen eine deutlich geringere Rolle, ebenso der Freundeskreis.
Jugendliche brauchen mehr Raum, um ihre Kreativität auch außerhalb des Internets entfalten zu können. So sollten sie beispielsweise ihre Zimmer oder Schulräume aktiv mitgestalten dürfen.
Sie sollten also mitentscheiden, welche Farben, Formen und Materialien verwendet werden. Auch der Kunstunterricht könnte davon profitieren, Jugendliche stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Positiv ist, dass es im deutschsprachigen Raum bereits vielversprechende Ansätze in diese Richtung gibt.