Zentrum für Hören & Lesen „AudioArt“
Sie hören eine Ansage aus dem Radio. Zu dieser Ansage gibt es eine Aufgabe. Welche Lösung (a, b oder c) passt am besten?
Hallo und herzlich willkommen!
Heute haben wir Lukas Brandt aus dem AudioArt‑Zentrum für Hören und Lesen zu Gast. Das Zentrum wurde 2018 in einem renovierten Kulturhaus in Berlin eröffnet. Hier kann man nicht nur Kinder‑ und Jugendbücher ausleihen, sondern auch Hörbücher, Podcasts und Audio‑Reportagen entdecken. Außerdem wird hier ein Jugend‑Podcast von Jugendlichen für Jugendliche produziert. Lukas ist Mitglied des Zentrums und kann uns sicher mehr darüber erzählen.
— Guten Tag, Lukas.
— Guten Tag.
— Was ist das für ein Podcast, den ihr da macht?
— Unser Podcast heißt „HörMal!“ und besteht aus drei Teilen. In den ersten Minuten sprechen wir über Themen, die uns selbst beschäftigen – zum Beispiel Freundschaft, Schule, Gaming oder Umwelt. In der Mitte spielen wir kurze Hörgeschichten oder Gedichte ein, die uns andere Jugendliche zugeschickt haben. Und am Ende stellen wir neue Hörbücher oder spannende Podcasts vor, die wir empfehlen möchten. Unser Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche wieder mehr Lust auf Geschichten bekommen – egal ob gelesen oder gehört.
— Das klingt nach viel Arbeit. Dauert es lange, bis eine neue Folge fertig ist?
— Oh ja, das ist ziemlich viel Arbeit. Zuerst suchen wir uns ein Hauptthema, und alle Beiträge müssen dazu passen. Danach besprechen wir in einer Redaktionssitzung alle Ideen und verteilen die Aufgaben. Bis eine Folge fertig produziert ist, dauert es ungefähr sechs Wochen.
— Wie oft erscheint denn euer Podcast?
— Alle zwei Monate. Die Länge ist unterschiedlich: manchmal sind es 20 Minuten, manchmal 40, je nachdem, wie viele Beiträge wir haben. Aber jede Folge hat immer drei feste Rubriken, das bleibt gleich.
— Und wie entsteht so eine Folge technisch?
— Wir schneiden, ordnen und bearbeiten alles am Computer. Viele Jugendliche lernen bei uns zum ersten Mal, wie man Tonspuren mischt oder Hintergrundmusik einsetzt. Wenn wir fertig sind, feiern wir immer eine kleine Release‑Party.
— Wer kann bei euch eigentlich mitmachen?
— Jeder Schüler oder Student, der Spaß am Schreiben, Sprechen oder Produzieren hat. Aber jeder darf nur an einer einzigen Podcast‑Folge mitarbeiten, damit möglichst viele junge Leute die Chance bekommen, kreativ zu sein. Geld gibt es natürlich nicht.
— Warum machen die Jugendlichen dann mit?
— Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Viele finden es toll, ihre Stimme später im Podcast zu hören. Andere wollen später vielleicht im Bereich Mediengestaltung oder Audioproduktion arbeiten und sammeln hier erste Erfahrungen. Manche geben die fertige Folge sogar ihrem Schulleiter, um eine eigene Schul‑Podcast‑AG zu starten. Und dann gibt es auch Jugendliche, die feststellen, dass ihnen diese Art Arbeit gar nicht gefällt – auch das ist eine wichtige Erfahrung.
— Das Zentrum heißt ja AudioArt. Was bedeutet das eigentlich?
— Das ist eine Kombination aus „Audio“ und „Art“. Die Jugendlichen sollen nicht nur hören und lesen, sondern auch kreativ ausdrücken, was sie gehört oder gelesen haben – mit eigenen Bildern, Fotos, Liedern, Plakaten, Hörspielen oder Videos. Wir wollen zeigen, dass Geschichten heute nicht nur auf Papier existieren.
— Bevor wir zum Schluss kommen: Es heißt ja oft, dass Jugendliche kaum noch lesen. Stimmt das?
— Teilweise. Laut einer Studie von 2023 hören über 60 % der Jugendlichen regelmäßig Podcasts, aber nur 35 % lesen mehrmals pro Woche Bücher. Gleichzeitig boomt der Markt für Hörbücher: In Deutschland wurden 2024 über 20 Millionen Hörbücher verkauft oder gestreamt. Das zeigt, dass Jugendliche Geschichten lieben – nur eben in anderen Formaten.
— Das ist wirklich spannend. Hoffentlich erscheint bald wieder eine neue Folge.
— Ja, wir arbeiten schon daran.
Vielen Dank für das Interview, Lukas.
— Sehr gern.
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