Taxifahrerinnen und Taxifahrer

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Hörtext – Interview

J = Journalist / Journalistin
G = Gast (Herr Schütz, Taxifahrer)

J:
Guten Abend und herzlich willkommen. Heute sprechen wir über Taxifahrerinnen und Taxifahrer, also über Menschen, die jeden Tag viele Kilometer fahren, ständig neue Personen treffen und dabei oft mehr zuhören als reden. Laut verschiedenen Branchenzahlen ist das Taxi für viele Leute immer noch wichtig, besonders wenn Bus und Bahn nicht gut passen, zum Beispiel spät am Abend oder bei schlechtem Wetter. Bei uns im Studio ist Herr Schütz. Er fährt Taxi, kennt das Geschäft aus unterschiedlichen Orten und hat im Laufe der Zeit viele Veränderungen erlebt. Guten Abend, Herr Schütz.

G:
Guten Abend.

J:
Herr Schütz, wenn man Ihnen zuhört, merkt man, dass Sie sehr routiniert klingen. Manche würden vielleicht denken, Sie machen diesen Job erst seit kurzer Zeit. Wie ist das bei Ihnen?

G:
Das ist so ein typisches Missverständnis, weil ich tatsächlich seit kurzer Zeit in meiner jetzigen Stadt unterwegs bin und außerdem erst seit kurzer Zeit ein anderes System nutze, also eine neue App für Aufträge und Bezahlung. Aber wenn wir vom Beruf selbst sprechen, dann ist das bei mir alles andere als neu. Ich habe früher in einer anderen Region gefahren, habe also vieles schon lange erlebt, nur eben nicht immer am gleichen Ort und nicht mit genau denselben Abläufen.

J:
Das heißt, „seit kurzer Zeit“ stimmt – aber nicht so, wie viele es verstehen würden.

G:
Genau. Man muss immer genau hinschauen, wovon man spricht.

J:
Sie haben gerade die andere Region erwähnt. Sie waren vorher in einer Kleinstadt tätig. Was war dort anders?

G:
In einer Kleinstadt ist das Ganze viel privater, und es ist auch von den Fahrten her anders. Da hat man oft Leute, die nach Hause wollen, zum Arzt müssen oder jemanden besuchen. Was man dort kaum hat, sind Fahrten, bei denen jemand im Anzug schnell zum Geschäftstermin muss oder vom Flughafen direkt zur Firma will. Das klingt jetzt vielleicht überraschend, aber bei uns in der Kleinstadt war das praktisch kein Thema. Dafür kannte man viele Gesichter, und manchmal wusste man schon nach zwei Sätzen, aus welcher Ecke jemand kommt.

J:
Und heute?

G:
Heute ist es gemischter, auch weil hier mehr passiert.

J:
Viele sagen, im Taxi wird besonders viel geredet – und zwar gerade dann, wenn man sich nicht kennt. Beobachten Sie das auch?

G:
Ja, das ist ganz typisch. Wenn Fahrgäste merken, dass sie mich nicht persönlich kennen und dass das Gespräch nicht weitergetragen wird, dann erzählen sie oft Dinge, die sie nicht mal im Freundeskreis so offen sagen würden. Manche fangen erst mit etwas Unpersönlichem an, zum Beispiel mit dem Wetter oder mit Verkehr, aber dann geht es schnell um private Themen: Familie, Streit, Trennung, Sorgen mit Geld, manchmal auch um Gesundheit. Und genau diese Mischung ist es, die den Job so speziell macht.

J:
Da gibt es ja auch Klischees, dass Männer eher über unpersönliche Dinge sprechen.

G:
Das Klischee hört man oft, aber ganz ehrlich: Ich erlebe es nicht so eindeutig. Viele Männer starten vielleicht sachlich, ja, aber dann wird es häufig persönlich, und manchmal sogar sehr direkt. Bei Frauen ist es auch oft persönlich, aber anders, manchmal emotionaler. Bei Männern kommt es oft plötzlich, und sie sagen dann Dinge, bei denen man denkt: „Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“

J:
Man lernt also viel über Menschen.

G:
Ja, aber man muss dabei innerlich auf Distanz bleiben.

J:
Herr Schütz, manche Hörerinnen und Hörer stellen sich bestimmt die Frage: Haben Sie sich schon einmal in einen Fahrgast verliebt? So etwas hört man ja in Filmen.

G:
Das ist eine witzige Frage, weil das Wort „verliebt“ bei mir eher anders passt. Ich würde sagen, ich bin manchmal fast „verliebt“ in Geschichten, also in das, was Menschen erzählen, weil es so verschieden ist. Aber in eine konkrete Person aus dem Taxi – nein, das ist nicht mein Thema. Erstens ist das unprofessionell, und zweitens sieht man die meisten Leute nur einmal.

J:
Also eher „verliebt in den Beruf“ als „verliebt in einen Fahrgast“.

G:
Wenn man es so formulieren will: ja.

J:
Kommen wir zu einem Punkt, der viele interessiert: Trinkgeld. Bekommen Taxifahrer häufig einen Tipp?

G:
Da gibt es viele Vorstellungen, aber die Realität ist eher nüchtern. Es passiert natürlich, dass jemand aufrundet, aber das ist nicht etwas, womit man rechnen kann. Wenn man ehrlich ist, ist es eher selten, und es hängt stark von der Person ab. Ich würde sagen: Wer Taxi fährt, sollte das nicht wegen Trinkgeld machen, denn darauf kann man sich nicht verlassen.

J:
Sie haben vorhin gesagt, man muss innerlich auf Distanz bleiben. Das klingt auch nach Stress. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

G:
Für mich steht Bewegung ganz oben. Das sage ich nicht nur so. Ich merke einfach, dass ich nach vielen Stunden Sitzen etwas brauche, das mich körperlich fordert. Andere gehen ins Kino oder treffen sich lange im Café – ich mache das auch manchmal, aber wenn ich wählen muss, gewinnt Sport fast immer. Das ist für mich wirklich die Nummer eins.

J:
Welche Sportart?

G:
Ich gehe schwimmen. Viele denken, Schwimmen sei nur Entspannung. Bei mir ist es eher Training. Ich schwimme zügig, ich mache Bahnen, und ehrlich gesagt: Wenn ich nach einem anstrengenden Tag ins Wasser gehe, dann ist es nicht so, dass ich mich sofort erhole. Im Gegenteil: Manchmal bin ich danach noch müder, aber auf eine gute Art. Es ist eher so, dass der Kopf frei wird, nicht dass der Körper plötzlich ausgeruht ist.

J:
Also keine klassische Erholung wie auf dem Sofa.

G:
Genau, eher ein anderer Stress, der mir guttut.

J:
Taxifahren hat auch mit Tageszeiten zu tun. Viele fahren nachts, andere lieber tagsüber. Wie ist das bei Ihnen?

G:
Ich habe das für mich klar entschieden. Ich fahre nur am Tag. Das hat verschiedene Gründe: Der Rhythmus passt besser, und ich fühle mich so sicherer. Nachts ist die Stimmung manchmal anders, und ich brauche das nicht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die das gerne machen, aber ich habe mich bewusst anders entschieden.

J:
Und wie sehen das jüngere Fahrer? Haben die weniger Angst nachts?

G:
Ich würde nicht sagen, dass sie weniger Angst haben. Viele Junge sind sogar ziemlich vorsichtig, weil sie noch nicht so viele Situationen erlebt haben und weil sie vieles aus Erzählungen kennen. Manche sind mutiger, ja, aber viele sind eher angespannt. Ich glaube, die Vorstellung „jung gleich furchtlos“ stimmt nicht so. Jeder reagiert anders, und die Nacht ist für viele einfach ein spezieller Bereich.

J:
Spannend. Zum Schluss: Was würden Sie jemandem raten, der Taxi fahren will?

G:
Man sollte geduldig sein, zuhören können und Menschen mögen. Und man sollte wissen: Es geht nicht nur ums Fahren, sondern auch um Verantwortung, um Ruhe im Verkehr und um die Fähigkeit, mit ganz verschiedenen Charakteren klarzukommen.

J:
Herr Schütz, vielen Dank für das Gespräch.

G:
Gern. Auf Wiederhören.

0 / 10 richtige Optionen

1

Herr Schütz arbeitet erst seit kurzer Zeit als Taxifahrer.

1. F

Richtige Antwort: falsch. Im Interview hört man zwar die Formulierung „seit kurzer Zeit“, sie bezieht sich aber nicht auf den Beruf als Taxifahrer. Herr Schütz erklärt, dass er seit kurzer Zeit in seiner jetzigen Stadt arbeitet und außerdem seit kurzer Zeit ein neues technisches System nutzt. Gleichzeitig betont er, dass der Beruf selbst für ihn schon lange nichts Neues ist. Deshalb ist die Aussage falsch.

  • telc-Falle: gleiches Signalwort („seit kurzer Zeit“), aber anderer Bezug (Ort/Technik ≠ Beruf).
2

In der Kleinstadt hatte Herr Schütz keine Geschäftsleute als Fahrgäste.

2. R

Richtige Antwort: richtig. Herr Schütz beschreibt die Kleinstadt so, dass dort vor allem private Fahrten stattfanden. Fahrgäste mit Geschäftsterminen oder Flughafenfahrten nennt er ausdrücklich als kaum vorhanden bzw. praktisch kein Thema. Damit wird klar, dass er dort keine typischen Geschäftsleute als Fahrgäste hatte.

  • telc-Falle: „kaum / praktisch kein Thema“ bedeutet im Prüfungssinn eindeutig „nein“.
3

Herr Schütz hat sich schon einmal in einen Fahrgast verliebt.

3. F

Richtige Antwort: falsch. Der Journalist fragt nach Verliebtheit in einen Fahrgast. Herr Schütz grenzt das klar ab und sagt ausdrücklich, dass das nicht sein Thema ist und unprofessionell wäre. Das Wort „verliebt“ benutzt er nur bildlich, bezogen auf Geschichten, nicht auf eine reale Person. Deshalb ist die Aussage falsch.

  • telc-Falle: Wort kommt vor, Bedeutung wird aber bewusst umgedeutet (Metapher).
4

Fahrgäste sprechen besonders offen, weil sie den Taxifahrer nicht persönlich kennen.

4. R

Richtige Antwort: richtig. Herr Schütz erklärt, dass Fahrgäste besonders offen sprechen, weil sie ihn nicht persönlich kennen und davon ausgehen, dass man sich wahrscheinlich nicht wieder sieht. Genau diese Anonymität nennt er als Grund für die Offenheit.

  • telc-Falle: Ursache–Wirkung: Offenheit wird klar begründet, nicht nur beschrieben.
5

Männer reden im Taxi meistens nur über sachliche Themen.

5. F

Richtige Antwort: falsch. Zwar wird das Klischee erwähnt, dass Männer eher sachlich reden, Herr Schütz widerspricht dem aber direkt. Er erklärt, dass Männer zwar manchmal sachlich beginnen, dann aber oft sehr schnell persönlich und sogar sehr direkt werden. Die Aussage mit „meistens nur“ ist deshalb falsch.

  • telc-Falle: Absolutformulierung („meistens nur“) wird im Text relativiert.
6

Herr Schütz erhält von seinen Fahrgästen regelmäßig Trinkgeld.

6. F

Richtige Antwort: falsch. Herr Schütz sagt, Trinkgeld komme zwar vor, betont aber mehrfach, dass es nicht regelmäßig ist und dass man sich darauf nicht verlassen kann. Die Aussage stellt Trinkgeld als etwas Regelmäßiges dar und widerspricht damit dem Text.

  • telc-Falle: „kommt vor“ klingt positiv, wird aber durch Häufigkeitsangaben stark eingeschränkt.
7

In der Freizeit ist Sport für Herrn Schütz besonders wichtig.

7. R

Richtige Antwort: richtig. Herr Schütz beschreibt Sport als wichtigsten Ausgleich zu seiner Arbeit. Er sagt ausdrücklich, dass Bewegung für ihn ganz oben steht und dass Sport fast immer seine erste Wahl ist. Damit hat Sport in seiner Freizeit einen besonders hohen Stellenwert.

  • telc-Falle: „fast immer“ ist nicht absolut, reicht aber klar für „besonders wichtig“.
8

Beim Schwimmen kann sich Herr Schütz nach einem anstrengenden Arbeitstag gut erholen.

8. F

Richtige Antwort: falsch. Herr Schütz erklärt, dass Schwimmen für ihn eher Training ist. Er sagt ausdrücklich, dass er sich dabei nicht sofort erholt und manchmal danach sogar noch müder ist. Zwar hilft es ihm, den Kopf frei zu bekommen, aber echte Erholung beschreibt er gerade nicht.

  • telc-Falle: positives Gefühl („Kopf frei“) ≠ körperliche Erholung.
9

Herr Schütz hat sich bewusst dafür entschieden, nur tagsüber Taxi zu fahren.

9. R

Richtige Antwort: richtig. Herr Schütz sagt klar, dass er sich bewusst entschieden hat, nur tagsüber Taxi zu fahren. Er nennt dafür Gründe wie Rhythmus und Sicherheitsgefühl. Diese bewusste Entscheidung wird eindeutig im Text genannt.

  • telc-Falle: Das Wort „nur“ ist hier korrekt, weil es vom Sprecher selbst so festgelegt wird.
10

Jüngere Taxifahrer haben nach Meinung von Herrn Schütz nachts weniger Angst als ältere.

10. F

Richtige Antwort: falsch. Die Aussage behauptet, jüngere Fahrer hätten nachts weniger Angst. Herr Schütz widerspricht dem deutlich. Er sagt, man könne das nicht so sagen, viele Jüngere seien sogar besonders vorsichtig oder angespannt. Damit ist die Aussage falsch.

  • telc-Falle: Vergleich („weniger Angst“) wird im Text ausdrücklich zurückgewiesen.

Audio in dieser Übung wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

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