Goethe
Russisch
Sie lesen in einer Zeitung einen Artikel. Wählen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung.
Bunte Bilder an Hauswänden spalten die Meinungen. Während die einen darin kreative Kunst sehen, empfinden andere sie als störende Beschädigung von Eigentum. In einer westdeutschen Großstadt versucht man inzwischen, zwischen beiden Seiten zu vermitteln und neue Wege im Umgang mit Graffiti zu finden.
Ein großflächiges Wandbild zeigt eine fremdartige Figur mit überzeichneten Zügen. Die kräftigen Farben und scharfen Linien wirken auf manche Betrachter provokant, auf andere faszinierend. Entscheidend ist jedoch: Dieses Werk wurde mit Genehmigung angebracht. Die Stadt hatte dafür eigens eine Fläche zur Verfügung gestellt. Anders verhält es sich bei unerlaubten Schmierereien an Wohnhäusern, Unterführungen oder Verteilerkästen.
Illegale Graffiti verursachen erhebliche Kosten. Jährlich muss die Stadtverwaltung hohe Summen aufbringen, um ungewollte Farbspuren zu entfernen. Ein Mitarbeiter des städtischen Bauamts erklärt, dass die Ausgaben seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau liegen. Zudem würden viele Fälle vor Gericht landen, da unerlaubtes Besprühen als Sachbeschädigung gilt.
Besonders problematisch sind Graffiti an technischen Anlagen, die anderen Unternehmen gehören. Dort entstehen für die Entfernung der Farbe zusätzliche Kosten, die sich schnell summieren. Um diesem Problem zu begegnen, arbeitet die Stadt mit Polizei, Verkehrsbetrieben und privaten Firmen zusammen. Ziel dieser Kooperation ist es, illegale Graffiti schneller zu beseitigen und langfristig einzudämmen. Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Frage offen, ob ein rein strafender Ansatz sinnvoll ist.
Ein anderer Stadtteil zeigt einen alternativen Umgang. In einer wenig genutzten Unterführung wurde ein bekanntes historisches Motiv großflächig als Schablonenkunst aufgetragen – ebenfalls mit offizieller Erlaubnis. Die reduzierte Farbwahl und der klare Stil lassen das Bild bewusst schlicht erscheinen. Nach Ansicht vieler Anwohner wirkt der Ort dadurch aufgewertet. Der verantwortliche Künstler erklärt, dass legale Aufträge Sprayenden die Möglichkeit geben, ihr Können zu zeigen, ohne fremdes Eigentum zu beschädigen.
Ein weiteres Beispiel ist ein früherer Verkehrsknotenpunkt, der vor Jahren bewusst für legale Wandgestaltung freigegeben wurde. Seitdem kam es dort kaum noch zu illegalen Aktionen. Der Künstler sieht darin einen Beweis, dass genehmigte Flächen helfen können, unerlaubtes Sprühen zu verringern. Kritisch äußert er sich jedoch darüber, dass solche Angebote in der Stadt noch zu selten seien.
Einige Vertreter der Stadtverwaltung bezweifeln allerdings, dass zusätzliche Flächen allein das Problem lösen. Wenn eine bemalte Wand erneut besprüht werde, könne dies andere dazu ermutigen, ebenfalls aktiv zu werden. Deshalb setze man weiterhin auf schnelles Entfernen unerlaubter Bilder. Es gebe inzwischen spezielle Beschichtungen, die Farbe leicht abwaschbar machten.
Graffiti ist jedoch nicht immer reine Zerstörung. Manche Werke transportieren politische Botschaften oder gesellschaftliche Kritik. Auch international bekannte Künstler begannen einst illegal, bevor ihre Arbeiten später als wertvoll anerkannt wurden. Dennoch betonen viele Hausbesitzer, dass sie selbst entscheiden möchten, wie ihre Gebäude aussehen – unabhängig davon, ob das Bild als Kunst gilt oder nicht.

У вас есть вопросы?
Спросите у нашего помощника!