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Über sehr lange Zeiträume hinweg orientierte sich das menschliche Leben an einem einfachen Wechsel: Hell bedeutete Aktivität, Dunkelheit stand für Ruhe. Daraus entwickelte sich ein natürlicher Tagesrhythmus, der Zeiten für Leistung und Erholung klar voneinander trennte. Das Tageslicht war dabei der wichtigste äußere Impulsgeber. Erst mit der Erfindung künstlicher Beleuchtung wurde es möglich, die Nacht aktiv zu nutzen. Als Folge davon nehmen Übermüdung, gesundheitliche Beschwerden und Fehler im Alltag deutlich zu.
Dabei verläuft die innere Zeit jedes Menschen unterschiedlich. Man kann sie weder hören noch sehen, und sie passt sich nicht automatisch gesellschaftlichen Vorgaben an. Wer früh wach wird und leistungsfähig ist, gilt oft als diszipliniert, während Menschen mit spätem Aktivitätsbeginn als wenig ehrgeizig wahrgenommen werden. Fachleute widersprechen dieser Bewertung: Nicht mangelnder Wille, sondern individuell unterschiedliche innere Zeitgeber seien dafür verantwortlich. Diese inneren Uhren werden durch genetische Faktoren beeinflusst und bestimmen, wann jemand sich wach oder müde fühlt. Sie steuern den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Verlauf des Tages und sogar die Leistungsfähigkeit zu verschiedenen Uhrzeiten. Deshalb fällt es manchen leicht, früh aktiv zu sein, während andere erst später am Tag ihr Leistungshoch erreichen. Diese Unterschiede lassen sich kaum verändern.
Problematisch wird es, wenn Menschen dauerhaft gegen ihren natürlichen Rhythmus leben. Durch künstliches Licht verliert die Nacht ihre ursprüngliche Bedeutung, und Arbeit wird zu nahezu jeder Uhrzeit möglich. Schichtarbeit ist ein besonders extremes Beispiel dafür. Wer regelmäßig nachts arbeitet, kann seinen inneren Rhythmus nicht einfach umstellen. Fehlt dem Körper das natürliche Licht, geraten wichtige Prozesse durcheinander: Die Hormonproduktion verändert sich, Müdigkeit nimmt zu, und der Blutdruck sinkt. Eigentlich sind die Nachtstunden für Erholung vorgesehen. Werden sie dauerhaft missachtet, kann das ernste gesundheitliche Folgen haben – von Stoffwechselstörungen über Herz-Kreislauf-Probleme bis hin zu psychischen Erkrankungen. Auch das Immunsystem leidet, und Konzentrationsschwierigkeiten treten häufiger auf.
Die Forschung zu inneren Zeitrhythmen und deren medizinischer Bedeutung zeigt, wie problematisch ein dauerhaftes Leben gegen die eigene innere Uhr ist. Viele schwerwiegende Arbeitsunfälle und technische Pannen lassen sich auf extreme Erschöpfung zurückführen. Müdigkeit als Risikofaktor werde dabei häufig unterschätzt. Untersuchungen zeigen zudem, dass ein großer Teil schwerer Verkehrsunfälle in den frühen Morgenstunden geschieht, wenn die Leistungsfähigkeit besonders niedrig ist.
Würden Erkenntnisse aus der Zeitrhythmusforschung stärker berücksichtigt, ließen sich viele Probleme vermeiden – im Arbeitsleben ebenso wie im Straßenverkehr. Dennoch orientiert sich der Alltag weiterhin an festen Uhrzeiten, statt an biologischen Unterschieden. In der Bevölkerung überwiegt ein später Aktivitätstyp: Viele Menschen erreichen ihr Leistungshoch nicht am frühen Morgen, sondern erst später am Tag. Trotzdem gelten frühes Aufstehen und frühe Arbeitszeiten nach wie vor als Maßstab. Fachleute plädieren dafür, individuelle Zeitrhythmen stärker zu berücksichtigen, anstatt sie als Schwäche zu bewerten.

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