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Anfang der 2000er-Jahre wurde das deutsche Bildungssystem unerwartet stark kritisiert. Eine internationale Vergleichsstudie aus dem Jahr 2002, deren Datengrundlage aus dem Vorjahr stammte, zeigte deutliche Schwächen bei Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Besonders alarmierend war, dass etwa jeder vierte Fünfzehnjährige einfache Texte nur unzureichend verstand oder selbst kurze Inhalte nicht sicher formulieren konnte. Diese Gruppe galt als besonders gefährdet, schulisch den Anschluss zu verlieren.
Fachleute aus Pädagogik und Politik reagierten mit großer Besorgnis. Lange Zeit hatte man angenommen, dass das deutsche Schulsystem international gut aufgestellt sei. Die Studienergebnisse widerlegten diese Einschätzung deutlich. Auffällig war zudem, dass schulischer Erfolg hierzulande stärker vom sozialen Hintergrund abhing als in fast allen anderen untersuchten Ländern.
Ein zentrales Problem bestand darin, dass mangelnde Lesekompetenz nicht nur den Deutschunterricht betrifft. Wer Texte nicht sicher versteht, stößt auch in Fächern wie Biologie, Chemie oder Mathematik schnell an Grenzen, da Aufgabenstellungen, Erklärungen und Fachtexte nicht richtig erfasst werden können. Lesen ist daher eine grundlegende Schlüsselqualifikation für nahezu alle Lernbereiche.
Als Reaktion auf diese Erkenntnisse wurde der Unterricht schrittweise neu ausgerichtet. Während früher vor allem der sogenannte Durchschnittsschüler im Fokus stand, begann man zunehmend, Kinder als individuelle Lernende wahrzunehmen. Ziel war es, unterschiedliche Fähigkeiten stärker zu berücksichtigen und gezielter zu fördern – was allerdings bei großen Klassen nur begrenzt umsetzbar ist.
In den folgenden Jahren zeigten sich durchaus Fortschritte: Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ging zurück, und deutsche Schülerinnen und Schüler verbesserten sich bei späteren internationalen Tests. Dennoch blieben strukturelle Schwächen bestehen. Besonders deutlich wurde dies im Bereich der Chancengleichheit. Kinder aus Familien mit geringer Bildung, aus einkommensschwachen Haushalten oder mit Migrationsgeschichte hatten weiterhin deutlich schlechtere Aussichten auf höhere Abschlüsse.
Warum diese Ungleichheiten so hartnäckig sind, lässt sich nicht eindeutig erklären. Vermutet wird, dass Faktoren wie das regionale Schulangebot, die Wohnlage, die Auswahl der Schule durch die Eltern sowie das allgemeine soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielen. Studien zeigen: In Regionen mit höherem Durchschnittseinkommen und besserem Bildungsniveau steigen auch die Bildungschancen der Kinder deutlich.

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