Ein bekannter europäischer Autor und Kulturtheoretiker, der mit mehreren internationalen Bestsellern berühmt wurde, äußerte sich kritisch zur Zukunft elektronischer Lesegeräte. Er stellte das klassische Buch auf eine Stufe mit bedrohten Lebensformen. Seiner Ansicht nach müsse man nicht nur bedrohte Tierarten schützen, sondern auch das gedruckte Buch bewahren.
Doch nicht alle teilen diese Sorge. Viele Menschen zeigen sich gegenüber dem klassischen Buch zunehmend gleichgültig.
Digitale Medien gelten als geradlinig, wenig flexibel und in ihrer Nutzung eher technisch als sinnlich. Trotzdem ist das gedruckte Buch seit Jahrhunderten eine stabile und übersichtliche Form der Wissensvermittlung geblieben und wird dies vermutlich auch in Zukunft sein – davon ist ein renommierter lateinamerikanischer Essayist überzeugt. Er hebt besonders hervor, dass Bücher durch ihre räumliche Struktur ein gleichzeitiges Erfassen mit Augen und Händen erlauben und damit klare Vorteile gegenüber digitalen Geräten besitzen.
Ein Grund dafür liegt darin, dass sich die Art des Lesens deutlich verändert hat. Texte werden immer häufiger auf Bildschirmen konsumiert, wie eine Untersuchung eines unabhängigen Bildungsinstituts zeigt.
Anfangs galten digitale Lesegeräte als unpraktisch, da ganze Seiten schlecht dargestellt wurden.
Inzwischen existieren jedoch Modelle, die Text, Ton und bewegte Bilder miteinander kombinieren. Auch frühere technische Schwächen – etwa kurze Akkulaufzeiten oder geringe Bildschirmauflösung – spielen kaum noch eine Rolle. Die heutige junge Generation, die mit Computern und Smartphones aufgewachsen ist, wird daher oft als weniger buchaffin eingeschätzt.
Lexika, Fachliteratur und Nachschlagewerke haben ihren festen Platz im digitalen Format längst gefunden, ebenso viele weitere Textarten.
Beim Lesen literarischer Werke hingegen wünschen sich viele Menschen ein bestimmtes Umfeld, etwa Ruhe, ein bequemes Sofa oder einen besonderen Ort im Freien. Hinzu kommt die sinnliche Erfahrung: der Geruch von Papier, das Umblättern der Seiten. In diesen Punkten – so meinen zahlreiche Fachleute – besitzt das gedruckte Buch weiterhin klare Vorteile.