An einer Straßenbahnhaltestelle
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Jonas: Hallo, Leonie!
Leonie: Hallo Jonas! Na, alles gut bei dir?
Jonas: Ja, danke. Und bei dir?
Leonie: Ganz gut eigentlich. Aber ich hab ein Wochenende hinter mir – das glaubst du nicht.
Jonas: Stimmt, du warst doch am Samstag auf einer Feier eingeladen, oder?
Leonie: Ja, genau, ein Geburtstag. Klaus, ein Kollege von meinem Vater, ist sechzig geworden. Seine Frau ist Kapitänin auf einem Kreuzfahrtschiff, und die beiden haben richtig groß gefeiert – fast achtzig Gäste. Die leben schon ein bisschen anders als wir.
Jonas: Und? Wie war’s da?
Leonie: Oh, ein Traum! Die wohnen in einer alten Mühle direkt am Fluss: draußen noch das große Holzrad, drinnen dicke Balken an der Decke und ein Kamin, so groß wie meine ganze Küche. Und hinten ein Garten mit einem kleinen Teich. Also, wenn ich mal im Lotto gewinne – genau so etwas hätte ich auch gern.
Jonas: Und dein Vater, war der auch da?
Leonie: Klar. Und er musste mich natürlich jedem einzelnen Gast vorstellen, du kennst ihn ja …
Jonas: Oh ja …
Leonie: „Das ist meine Tochter. Sie macht gerade eine Ausbildung zur Konditorin, und später will sie mal ihr eigenes Café aufmachen.“ Achtzigmal! Mir war das so unangenehm …
Jonas: Und was gab’s zu essen?
Leonie: Da hat wirklich alles gestimmt. Zuerst Fingerfood und kleine Suppen im Glas, dann ein riesiges Grillbuffet mit Fisch, Fleisch und Gemüse, und zum Nachtisch drei verschiedene Torten. Ich hab von jeder ein Stück probiert – nur aus beruflichem Interesse, natürlich.
Jonas: Mmh, klingt lecker …
Leonie: Aber das Beste war die Musik. Eine Sängerin mit Gitarre, so eine Stimme hab ich selten gehört. Ich hab mir sofort einen Stuhl ganz vorne geholt. Irgendwann zwischen zwei Liedern hat sie mich dann angesprochen: ob ich selbst ein Instrument spiele, ich würde so genau zuhören. „Ein bisschen“, hab ich gesagt, „Gitarre, und ich singe im Chor – aber nur zum Spaß …“
Jonas: Und dann?
Leonie: Tja, hätte ich mal lieber den Mund gehalten. Nach ungefähr zwei Stunden wollte sie eine Pause machen. Und weil sie ja jetzt wusste, dass ich Gitarre spiele, meinte sie, ich könnte doch in der Zeit ein paar Lieder für die Gäste spielen …
Jonas: Ach du je …
Leonie: Ja, genau so ging’s mir auch. Aber sie hat nicht lockergelassen, und plötzlich hatte ich ihre Gitarre in der Hand. Da konnte ich ja schlecht wieder Nein sagen …
Jonas: Vor achtzig Leuten?
Leonie: Genau! Ich hab dann ein paar alte Volkslieder gespielt, die kann ich ganz gut. Aber dann wollte ein Gast unbedingt einen Schlager hören, „Atemlos“. Und gerade, als ich anfangen wollte, war die Sängerin wieder da und hat mir die Gitarre abgenommen.
Jonas: „Atemlos“ auf der Gitarre – das hätte ich gern gehört!
Leonie: Die Leute haben jedenfalls getanzt wie verrückt. Und als wir um halb eins gegangen sind, hat sie immer noch Schlager gesungen …
Jonas: Und am Sonntag?
Leonie: Sonntag hab ich erst mal bis Mittag geschlafen, und nachmittags bin ich mit meiner Schwester mit dem Rad an den See gefahren. Aber was uns da passiert ist … das erzähl ich dir lieber in Ruhe.
Jonas: Da bin ich ja gespannt! Morgen in der Mittagspause?
Leonie: Gern. Oh, da kommt meine Bahn – ich muss los. Bis morgen!
Jonas: Tschüss!
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