Was wiegt schwerer - Selbstbestimmung oder Sicherheit?

Was wiegt schwerer - Selbstbestimmung oder Sicherheit?

Situation: Ein Bewohner möchte trotz großer Sturzgefahr unbedingt allein spazieren gehen. Das Team ist sich uneinig, ob man ihn lassen soll. In der Pause reden zwei Pflegekräfte darüber, was am Ende wichtiger ist.

Beispiel

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Person A: Mir geht gerade etwas nicht aus dem Kopf. Herr Lang will jeden Nachmittag allein in den Garten, obwohl er so wackelig auf den Beinen ist. Ein Teil von mir will ihn lassen, ein anderer hat Angst, dass er stürzt. Was wiegt für dich eigentlich schwerer — die Selbstbestimmung oder die Sicherheit? Wie denkst du darüber?

Person B: Eine wirklich schwierige Frage. Die Kollegin links auf der Karte legt den Schwerpunkt klar auf die Freiheit des Menschen. Sie meint, jeder solle sein Leben so führen dürfen, wie er möchte, weil das Würde und Zufriedenheit gibt — solange keine akute Gefahr besteht. Das finde ich einen schönen Gedanken. Wir sind ja nicht die Wächter der Bewohner. Kannst du dem etwas abgewinnen?

Person A: Auf jeden Fall, das spricht mir aus dem Herzen. Ich hatte mal eine Bewohnerin, der wir aus Vorsicht fast alles verboten haben. Am Ende war sie nur noch traurig und still. Als sie wieder mehr selbst entscheiden durfte, ist sie richtig aufgeblüht. Trotzdem lässt mich die Dame rechts auf der Karte nicht kalt. Sie stellt die Sicherheit an die erste Stelle und sagt, wir müssten eingreifen, wenn sich jemand oder andere in Gefahr bringen. Es sei unsere Aufgabe, Schaden zu verhindern. Das kann ich auch nicht einfach wegwischen. Wie stehst du dazu?

Person B: Da hast du recht, das ist der Punkt, der mir auch Bauchschmerzen macht. Ich denke an einen Herrn, der nachts allein aufstehen wollte und dann böse gestürzt ist. Danach habe ich mich gefragt, ob wir nicht besser hätten aufpassen müssen. Diese Verantwortung lastet schon schwer. Aber dürfen wir deshalb jedem die Freiheit nehmen? Das wäre doch auch falsch, oder?

Person A: Genau da finde ich den Kollegen in der Mitte am hilfreichsten. Er sucht einen Mittelweg und sagt, beides sei wichtig — man müsse jeden Menschen einzeln anschauen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die Freiheit ermöglichen und trotzdem vor Schaden schützen. Das überzeugt mich am meisten. Nicht alles verbieten und nicht alles zulassen, sondern für jeden Bewohner einzeln überlegen. Wäre das für dich auch der richtige Weg?

Person B: Ja, das klingt am vernünftigsten. Bei Herrn Lang könnten wir zum Beispiel schauen, dass er rausgeht, aber mit gutem Schuhwerk, einem Rollator oder wenn jemand in der Nähe ist. So bleibt seine Freiheit erhalten, und das Risiko wird kleiner. Nur machen wir das gerade völlig unterschiedlich. Der eine erlaubt viel, der andere fast nichts, und der Bewohner versteht die Welt nicht mehr.

Person A: Das ist wirklich ein Problem. Wie wäre es, wenn wir für solche Fälle eine gemeinsame Absprache im Team vorschlagen? Also dass wir zusammen mit dem Bewohner und den Angehörigen festlegen, welche Risiken in Ordnung sind und wo wir schützend eingreifen. Möchtest du das mit mir bei der nächsten Besprechung vorbringen?

Person B: Sehr gerne, das ist überfällig. Fassen wir es zusammen: Selbstbestimmung und Sicherheit stehen nicht gegeneinander, sondern wir müssen sie für jeden Bewohner in Einklang bringen. Deshalb schlagen wir eine gemeinsame Absprache mit Bewohner und Angehörigen vor, damit alle nach denselben Regeln handeln.

Person A: Genau so gehen wir es an. Ich bin froh, dass aus dem ganzen Hin und Her jetzt ein klarer Plan geworden ist.

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