Für uns der Arbeitsplatz – für unsere Bewohner das Zuhause

Sie sollen einer Praktikantin etwas über Ihren Beruf berichten.
Ihr Vortrag sollte circa zwei Minuten dauern. Anschließend sollen Sie Fragen des Prüfers bzw. der Prüferin beantworten.
Für uns der Arbeitsplatz – für unsere Bewohner das Zuhause

Beispiel

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Kandidat: Ich habe dieses Thema gewählt, weil es einen Perspektivwechsel beschreibt, der im Pflegealltag sehr wichtig ist und manchmal leider vergessen wird. Ich möchte über drei Dinge sprechen: was dieser Unterschied bedeutet, welche Konsequenzen er für unsere Arbeit hat und wo die größten Herausforderungen liegen.
Wenn ich morgens zur Arbeit komme, betrete ich meinen Arbeitsplatz – mit Dienstplan, Aufgaben und Abläufen. Aber für die Bewohner ist genau dieser Ort ihr Zuhause – der einzige Ort, den sie noch haben. Sie schlafen dort, essen dort, verbringen ihren ganzen Tag dort. Das ist ein fundamentaler Unterschied, der unsere Haltung prägen sollte.
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass wir anklopfen, bevor wir ein Zimmer betreten. Dass wir die Gewohnheiten der Bewohner respektieren – wer spät aufstehen möchte, sollte das dürfen. Dass persönliche Gegenstände, Fotos und Möbel ernst genommen werden, weil sie Identität bedeuten. Und dass wir nicht mit lautstarken Dienstgesprächen durch die Gänge laufen, als wäre das ein Büro.
Die größte Herausforderung ist der Alltag. Wenn man gestresst ist, zehn Dinge gleichzeitig erledigen muss und unter Zeitdruck steht, ist es schwer, immer daran zu denken. Man fällt leicht in einen routinierten Arbeitsmodus. Deshalb ist es so wichtig, sich diese Perspektive immer wieder bewusst zu machen – am besten als Team.
Kurz gesagt: Wir können unsere Arbeit gut machen und trotzdem daran denken, dass wir uns im Zuhause eines anderen Menschen befinden. Das kostet keine extra Zeit – es ist eine Frage der Haltung.

Prüfer: Sie haben gesagt, es sei eine Frage der Haltung, nicht der Zeit. Wie kann man diese Haltung im Team aktiv fördern – besonders bei neuen Kollegen?
Kandidat: Am wirkungsvollsten ist es, wenn man es vorleben und konkret benennt – nicht nur einmal in der Einarbeitung, sondern immer wieder. Zum Beispiel: wenn ich mit einem neuen Kollegen zusammen arbeite und er vergisst anzuklopfen, spreche ich das kurz an – ohne Vorwurf, sondern als Erinnerung. Manche Einrichtungen machen auch Teamreflexionen, wo man gemeinsam bespricht, wie die Wohnatmosphäre empfunden wird. Und es hilft, wenn Bewohner selbst zu Wort kommen – wenn sie sagen, was ihnen wichtig ist, bleibt das viel besser im Gedächtnis als jede Schulung.

Prüfer: Welche kleinen alltäglichen Dinge machen für Bewohner den größten Unterschied?
Kandidat: Oft sind es wirklich kleine Dinge. Anklopfen und auf Antwort warten. Den Bewohner mit seinem Namen ansprechen. Kurz fragen, wie die Nacht war – nicht als Pflichtfloskel, sondern mit echtem Interesse. Respektieren, wenn jemand gerade alleine sein möchte. Nicht über den Bewohner hinweg mit Kollegen reden, als wäre er nicht da. Und wenn man das Zimmer verlässt, kurz schauen, ob alles so liegt wie der Bewohner es mag. Das sind keine großen Gesten – aber sie summieren sich und machen den Unterschied zwischen einem Heim, das sich wie ein Heim anfühlt, und einem, das sich wie eine Institution anfühlt.

Prüfer: Was kann man tun, wenn ein Bewohner das Gefühl hat, in seiner Privatsphäre nicht respektiert zu werden?
Kandidat: Zuerst das Gespräch suchen und zuhören – ohne defensiv zu werden. Vielleicht hat der Bewohner konkrete Erlebnisse, über die er sprechen möchte. Das nehme ich ernst, auch wenn ich das anders wahrgenommen habe. Dann schaue ich, was sich ändern lässt – manchmal ist es eine kleine Anpassung im Ablauf. Wenn das Problem struktureller Natur ist, bringe ich es ins Team oder zur Stationsleitung. Wichtig ist, dass der Bewohner merkt, dass seine Rückmeldung gehört und ernst genommen wird – das allein gibt schon ein Stück Kontrolle zurück.

Prüfer: Gab es einen Moment, in dem Ihnen dieser Unterschied – Arbeitsplatz vs. Zuhause – besonders bewusst geworden ist?
Kandidat: Ja. Ich erinnere mich an einen Bewohner, der sehr ruhig und zurückhaltend war. Eines Tages habe ich ihn gefragt, ob er zufrieden ist – so allgemein. Er hat kurz überlegt und dann gesagt: „Ich wünschte, die Leute würden öfter anklopfen." Das hat mich wirklich getroffen – weil es so eine kleine Sache war, die für uns selbstverständlich klingen sollte, aber offenbar nicht immer gelebt wurde. Seitdem erinnere ich mich jedes Mal, wenn ich vor einem Zimmer stehe, an diesen Satz.

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