Gewalt gegen Pflegekräfte

Sie sollen einer Praktikantin etwas über Ihren Beruf berichten.
Ihr Vortrag sollte circa zwei Minuten dauern. Anschließend sollen Sie Fragen des Prüfers bzw. der Prüferin beantworten.
Gewalt gegen Pflegekräfte

Beispiel

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Kandidat: Ich habe dieses Thema gewählt, weil Gewalt gegen Pflegekräfte leider häufiger vorkommt als viele denken – und weil es ein Thema ist, über das lange zu wenig gesprochen wurde. Ich möchte über drei Dinge sprechen: welche Formen von Gewalt es gibt, warum Patienten gewalttätig werden können und wie man damit umgeht.
Gewalt in der Pflege bedeutet nicht nur körperliche Angriffe – also Schlagen, Kratzen oder Beißen. Es gibt auch verbale Gewalt wie Beleidigungen, Beschimpfungen oder Drohungen, und psychische Gewalt wie ständige Erniedrigung oder sexuelle Belästigung. Alle diese Formen sind ernst zu nehmen – auch wenn verbale Übergriffe im Alltag manchmal als „normal" abgetan werden. Das sind sie nicht.
Warum werden Patienten gewalttätig? Oft steckt keine böse Absicht dahinter. Demente Patienten reagieren aggressiv, weil sie Angst haben oder eine Situation nicht verstehen. Patienten in akuten Schmerzen oder unter Drogeneinfluss können die Kontrolle verlieren. Manchmal ist es auch Frustration über lange Wartezeiten, fehlende Kommunikation oder das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Das erklärt das Verhalten – aber es entschuldigt es nicht.
Wie geht man damit um? Im Moment selbst: ruhig bleiben, Abstand halten, deeskalieren. Nicht zurückschreien, nicht festhalten, wenn es nicht notwendig ist. Kollegen holen, wenn die Situation eskaliert. Nach dem Vorfall: alles dokumentieren – Zeitpunkt, Ort, was passiert ist, wer dabei war – und den Vorfall melden. Viele Pflegekräfte machen das nicht, weil sie es als Teil des Jobs betrachten. Das ist falsch – Gewalt gehört nicht zum Job.
Kurz gesagt: Gewalt gegen Pflegekräfte ist kein Kavaliersdelikt. Sie muss gemeldet, dokumentiert und konsequent angegangen werden.

Prüfer: Sie haben gesagt, viele Pflegekräfte melden Gewalt nicht, weil sie es als Teil des Jobs betrachten. Warum ist diese Haltung problematisch?
Kandidat: Weil sie das Problem unsichtbar macht. Wenn niemand meldet, denkt die Leitung, es gibt kein Problem – und ändert nichts. Dabei zeigen Studien, dass ein Großteil der Pflegekräfte regelmäßig Übergriffe erlebt. Wer schweigt, schützt sich nicht – und schützt auch die Kollegen nicht, die denselben Patienten betreuen. Außerdem sendet Schweigen das falsche Signal: dass Gewalt tolerierbar ist. Das ist sie nicht. Jede Meldung trägt dazu bei, dass Maßnahmen ergriffen werden – bessere Schulungen, angepasste Betreuungskonzepte, rechtliche Schritte wenn nötig.

Prüfer: Was kann man tun, um Gewalt präventiv zu verhindern?
Kandidat: Gute Kommunikation ist das wichtigste Mittel. Viele Aggressionen entstehen aus Missverständnissen, Angst oder dem Gefühl, nicht gehört zu werden. Wenn ich Zeit nehme, erkläre was ich tue, auf Fragen eingehe und dem Patienten das Gefühl gebe, respektiert zu werden – dann sinkt die Spannung. Außerdem hilft es, Warnsignale früh zu erkennen: Unruhe, Anspannung, lauter werdende Stimme. Wenn ich das bemerke, gehe ich einen Schritt zurück, gebe dem Patienten Raum und hole wenn nötig Unterstützung. Schulungen in Deeskalation sind ebenfalls wichtig – und leider noch nicht überall Standard.

Prüfer: Was muss eine Pflegekraft tun, wenn sie von einem Patienten angegriffen wurde?
Kandidat: Zuerst sich selbst in Sicherheit bringen – Abstand zum Patienten schaffen und Kollegen rufen. Dann den eigenen Zustand checken: gibt es Verletzungen? Wenn ja, medizinische Versorgung holen. Danach kommt die Dokumentation – so genau wie möglich: was ist passiert, wann, wo, wer war dabei, was hat der Patient gesagt oder getan. Das ist wichtig sowohl für den Eigenschutz als auch für eventuelle rechtliche Schritte. Dann den Vorfall offiziell melden – an die Stationsleitung und wenn nötig an den Betriebsrat. Und manchmal braucht man nach einem solchen Erlebnis auch psychologische Unterstützung – das sollte man sich nicht verweigern.

Prüfer: Haben Sie selbst schon Gewalt erlebt oder miterlebt? Wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Kandidat: Ja. Ich hatte einmal einen dementen Patienten, der mich beim Waschen mehrfach gekratzt und geschlagen hat. Im Moment selbst habe ich versucht, ruhig zu bleiben und deeskalierend zu sprechen – aber innerlich war ich erschrocken und auch ein bisschen hilflos. Danach war ich kurz überfordert – nicht wegen der körperlichen Verletzung, die war nicht schlimm – sondern wegen des Gefühls, nichts dagegen tun zu können. Ich habe mit einer Kollegin geredet und das hat geholfen. Was ich daraus mitgenommen habe: man muss über solche Erlebnisse sprechen – mit Kollegen, mit der Leitung. Schweigen hilft niemandem.

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