Biographieberichte in der Kurzzeitpflege

Sie sollen einer Praktikantin etwas über Ihren Beruf berichten.
Ihr Vortrag sollte circa zwei Minuten dauern. Anschließend sollen Sie Fragen des Prüfers bzw. der Prüferin beantworten.
Biographieberichte in der Kurzzeitpflege

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Kandidat: Ich habe dieses Thema gewählt, weil Biographiearbeit oft als selbstverständlich gilt – aber in der Kurzzeitpflege stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, wenn jemand nur für kurze Zeit bei uns ist. Ich möchte über drei Dinge sprechen: was Biographiearbeit bedeutet, warum sie auch in der Kurzzeitpflege wichtig ist und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Biographiearbeit bedeutet, die Lebensgeschichte eines Menschen kennenzulernen – Gewohnheiten, Vorlieben, wichtige Lebensstationen, familiäre Situation, Beruf, Hobbys. Diese Informationen fließen in den Biographiebericht ein, der Teil der Pflegedokumentation wird. Ziel ist es, die Person nicht nur als Patienten zu sehen, sondern als Mensch mit einer Geschichte.
Warum ist das auch in der Kurzzeitpflege wichtig? Weil auch ein kurzer Aufenthalt – zum Beispiel nach einer Operation oder zur Entlastung von Angehörigen – für den Betroffenen eine große Umstellung ist. Wenn ich weiß, dass jemand morgens gerne Kaffee trinkt, nachmittags ein Nickerchen macht und abends Nachrichten schaut, kann ich seinen Alltag auch in unserer Einrichtung so gestalten, dass er sich weniger fremd fühlt. Das beschleunigt die Eingewöhnung und reduziert Stress.
Die größte Herausforderung ist der Zeitaufwand. In der Kurzzeitpflege ist der Aufenthalt oft sehr kurz – manchmal nur wenige Wochen. Bis ein vollständiger Biographiebericht erstellt ist, ist der Patient vielleicht schon wieder zu Hause. Außerdem sind manche Menschen nicht bereit, viel über sich zu erzählen – besonders kurz nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn sie erschöpft sind.
Kurz gesagt: Biographiearbeit lohnt sich immer – aber in der Kurzzeitpflege muss man pragmatisch sein und die wichtigsten Informationen zuerst sammeln.

Prüfer: Sie haben gesagt, man sollte in der Kurzzeitpflege pragmatisch sein und die wichtigsten Informationen zuerst sammeln. Welche Informationen sind das konkret?
Kandidat: Die allerwichtigsten sind: Schlaf- und Essgewohnheiten, Vorlieben beim Essen und Trinken, Allergien, Tagesstruktur – wann steht jemand auf, wann geht er schlafen – und ob es besondere Gewohnheiten gibt, die ihm wichtig sind. Dazu religiöse oder kulturelle Besonderheiten und die familiäre Situation. Das sind die Dinge, die den Alltag direkt betreffen und mit denen man sofort arbeiten kann. Die tiefere Lebensgeschichte kann man nach und nach ergänzen, wenn der Mensch bereit ist zu erzählen.

Prüfer: Welche Probleme können bei der Erstellung von Biographieberichten auftreten?
Kandidat: Ein häufiges Problem ist, dass die Angaben nicht immer zuverlässig sind – manchmal erinnern sich Patienten falsch oder erzählen, was sie glauben, was man hören möchte. Bei dementen Menschen kann es sein, dass Vergangenheit und Gegenwart vermischt werden. Auch Angehörige sehen die Person manchmal anders als sie sich selbst sieht. Ein weiteres Problem ist Datenschutz – nicht alle Informationen dürfen ohne Einwilligung weitergegeben werden. Und manchmal fehlt schlicht die Zeit für ein ausführliches Gespräch.

Prüfer: Ist Biographiearbeit auch dann sinnvoll, wenn ein Patient nur ein paar Tage bei uns ist?
Kandidat: Ja – auch wenn es dann natürlich kürzer und fokussierter sein muss. Selbst ein kurzes Gespräch, bei dem man herausfindet, ob jemand morgens Ruhe braucht oder gerne früh aufsteht, ob er lieber alleine isst oder Gesellschaft mag – das verändert die Qualität der Betreuung. Und manchmal fühlt sich jemand durch dieses Gespräch selbst besser – weil jemand echtes Interesse zeigt. Das ist mehr als eine Informationssammlung, das ist auch eine Form von Begegnung.

Prüfer: Haben Sie selbst schon erlebt, dass ein Biographiebericht geholfen hat, einen Patienten besser zu verstehen oder zu versorgen?
Kandidat: Ja. Ich hatte eine ältere Dame in der Kurzzeitpflege, die sehr unruhig war und sich geweigert hat, zu essen. Im Gespräch mit ihrer Tochter haben wir erfahren, dass sie ihr ganzes Leben lang mittags ein Schläfchen gemacht hat – und dass man bei ihr niemals vor 13 Uhr mit dem Essen anfangen sollte. Wir haben den Mahlzeitenplan angepasst – und plötzlich war sie viel kooperativer und ruhiger. Das war eine kleine Information mit großer Wirkung. Seitdem nehme ich Biographiegespräche noch ernster.

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