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Viele Menschen kennen das Märchen vom Schlaraffenland – einem erfundenen Ort, an dem gebratene Speisen von selbst bereitstehen und Mühe unbekannt ist. Dass es jedoch einen realen Zusammenschluss gibt, der sich diesen Namen gegeben hat, ist weit weniger bekannt. Dieser Verein zählt heute mehrere tausend Mitglieder auf der ganzen Welt.
In den Erzählungen über das sagenhafte Schlaraffenland fließen Getränke in Flüssen, und fertige Mahlzeiten warten darauf, verzehrt zu werden. Um dorthin zu gelangen, muss man laut Fantasiegeschichten zunächst Hindernisse aus Süßspeisen überwinden. An dieses Bild knüpft auch der Männerbund an, der seinen Namen von einem mittelhochdeutschen Wort ableitet, das sinngemäß für sorgenfreies Genießen steht. Der Zusammenschluss versteht sich als Gemeinschaft von Männern, die Wert auf Humor, Geselligkeit und den Austausch über angenehme Themen legen.
Wenn sich die Mitglieder treffen, stehen kulturelle Inhalte, künstlerische Aktivitäten und freundschaftliches Beisammensein im Vordergrund. Gespräche über politische oder religiöse Fragen sind dabei ausdrücklich ausgeschlossen. Stattdessen geht es um Kunst, Literatur, Musik und gemeinsames Lachen. Die Treffen finden einmal pro Woche an einem festen Tag statt – in einem Vereinslokal, das bewusst im Stil vergangener Jahrhunderte gestaltet ist und Raum für traditionelle Gesprächsrunden bietet.
Der Verein ist heute in zahlreichen Ländern vertreten. Bei den Zusammenkünften wird ausschließlich Deutsch gesprochen, doch unbedingt Deutscher zu sein ist keine Voraussetzung für die Aufnahme. Unter den Mitgliedern finden sich bekannte Künstler, Autoren, Schauspieler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich auch außerhalb des Vereins kulturell engagieren, etwa bei Aufführungen, Lesungen oder Konzerten.
Entstanden ist der Männerbund im 19. Jahrhundert in einer mitteleuropäischen Hauptstadt. Damals dominierten Kunstvereinigungen, die nur wohlhabenden Gesellschaftsschichten offenstanden. Menschen mit geringerem Einkommen hatten kaum Zugang. Aus Protest gegen diese Ausgrenzung gründete eine Gruppe von Kreativen einen neuen Zusammenschluss, den sie bewusst ironisch benannten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der heutige Verein.
Als satirische Antwort auf bestehende kulturelle Strukturen übernahmen die Mitglieder zunächst bewusst Bräuche und Rituale aus dem Mittelalter. Diese Praxis sorgt bis heute für Unterhaltung, denn die Mitglieder pflegen weiterhin symbolische Rittertraditionen. Auch Kleidung und Sprache greifen diese Epoche humorvoll auf. Dabei werden absichtlich altertümlich klingende Begriffe verwendet, die an vergangene Zeiten erinnern sollen. Im vereinseigenen Sprachgebrauch heißt beispielsweise das Bier „Quell“ und eine Zugfahrt wird als „Dampfreise“ bezeichnet. Sogar gilt eine eigene Zeitrechnung innerhalb des Vereins. Als Ausgangspunkt dient das Jahr der Gründung, 1859. Alle späteren Jahreszahlen werden von diesem Datum an gezählt. Auf diese Weise entsprach das Kalenderjahr 2000 im vereinsinternen System dem Jahr 141. Diese besondere Zählweise hängt mit dem Vereinssymbol zusammen: dem Uhu, der für Klugheit und Humor steht. Entsprechend tragen die Jahre im internen Sprachgebrauch eigene Bezeichnungen, die sich deutlich von der offiziellen Zeitrechnung unterscheiden.

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