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Von Haus aus arbeitet Miriam Vogel eigentlich als Übersetzerin für internationale Korrespondenz. Seit einiger Zeit engagiert sie sich jedoch gemeinsam mit weiteren Freiwilligen in einem besonderen Projekt: In einer westdeutschen Großstadt hat sie ein Restaurant mit dem Namen „Satt & Zufrieden“ mitgegründet, das sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung widmet.
Der Name ist dabei Programm. Gekocht wird ausschließlich mit Produkten, die von Supermärkten und landwirtschaftlichen Betrieben aussortiert wurden und dem Restaurant kostenlos zur Verfügung stehen. Dazu zählen etwa Karotten mit ungewöhnlicher Form, zu kleine Kartoffeln, Obst mit Druckstellen oder Waren in beschädigten Verpackungen. Obwohl diese Lebensmittel in der Regel noch bedenkenlos verzehrbar sind, würden sie normalerweise entsorgt.
Miriam Vogel und ihr Team möchten jedoch nicht nur Nahrungsmittel vor dem Wegwerfen bewahren. Sie wollen auch das Bewusstsein der Menschen verändern. Jährlich landen allein in diesem Land viele Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall, ein großer Teil davon aus privaten Haushalten. Das Restaurant soll zeigen, dass sich aus vermeintlichen Resten hochwertige und schmackhafte Gerichte zubereiten lassen.
Für die Küchencrew bedeutet das eine besondere Herausforderung. Da nie feststeht, welche Zutaten am jeweiligen Tag zur Verfügung stehen, gibt es keinen festen Speiseplan. Die Köchinnen und Köche müssen spontan entscheiden, was sie zubereiten – Kreativität und Improvisation sind daher unverzichtbar. Die Gäste erleben so jeden Abend neue Menüs, die aus zufällig verfügbaren Lebensmitteln entstehen.
Miriam hofft, dass Besucher dadurch lernen, bewusster mit Essen umzugehen und weniger wegzuwerfen. Nicht nur die Gerichte sind nachhaltig – auch die Einrichtung folgt diesem Prinzip. Alte Möbelstücke vom Trödelmarkt, gebrauchte Stühle und eine aufgearbeitete Holzbank prägen das Ambiente. Serviert werden die Speisen in gemütlicher Atmosphäre mit Kerzenlicht, unverputzten Wänden und einem bewusst einfachen, urbanen Stil, der besonders bei jüngeren Gästen gut ankommt.
Die Idee zu diesem Projekt entstand während eines Aufenthalts in Skandinavien, wo Miriam ein ähnliches Konzept kennenlernte. Begeistert davon, entwickelte sie gemeinsam mit Freundinnen und Freunden einen Plan und startete eine Finanzierungskampagne im Internet. Dabei sammelte sie nicht nur Geld, sondern gewann auch zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer.
Heute wird „Satt & Zufrieden“ als gemeinnütziger Verein geführt. Rund 15 feste Mitarbeitende arbeiten dort, zusätzlich helfen etwa 60 Ehrenamtliche regelmäßig mit. Da das Restaurant nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, decken die Preise der Gerichte lediglich die laufenden Kosten. Überschüsse fließen in Bildungsprojekte, etwa Kochkurse und Workshops zum Thema nachhaltiger Konsum.
Neben dem Restaurantbetrieb bietet das Team auch Veranstaltungen für Schulklassen, Kinder und Erwachsene an. Wer dort essen möchte, wird gebeten, im Voraus einen Tisch zu reservieren. Nur so kann das Team besser planen, wie viele Portionen benötigt werden – und verhindern, dass am Ende des Tages erneut Lebensmittel übrig bleiben.

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