Goethe
Russisch
Sie lesen in einer Zeitung einen Artikel. Wählen Sie bei jeder Aufgabe die richtige Lösung.
0% (0 из 3 человек правильно ответили с первого раза)
Kinder, die in reisenden Familien aufwachsen, haben es oft schwerer als andere, dauerhafte Freundschaften zu schließen und dem Unterricht kontinuierlich zu folgen. Ihr Alltag ist geprägt davon, dass sie gemeinsam mit ihren Eltern regelmäßig den Standort wechseln und dadurch immer wieder neue Schulen besuchen. Trotzdem möchten viele dieses bewegliche Leben nicht gegen mehr Beständigkeit eintauschen.
Luca hat auf einer Sitzbank neben dem Anhänger Platz genommen. Erst seit wenigen Stunden ist er hier und zählt noch nicht zu den Gästen des Sommerfestes. Der 16-Jährige beschäftigt sich mit geometrischen Zeichnungen in seinem Schulheft. Dabei bearbeitet er Aufgaben, die möglicherweise Teil einer wichtigen Prüfung in naher Zukunft sein werden. Sein Ziel ist klar: Er möchte später selbstständig im Schaustellergewerbe arbeiten. „Ohne einen anerkannten Schulabschluss ist das nicht möglich, ebenso wenig wie die Anmeldung eines eigenen Betriebs“, erklärt Luca. Für ihn steht außer Frage, welchen beruflichen Weg er einschlagen will.
Gegen 8.15 Uhr hält ein Schulfahrzeug am Rand des Festgeländes und bringt die Kinder zum Unterricht. Jungen und Mädchen aus Schaustellerfamilien sind es gewohnt, zwischen Fahrgeschäften, Buden und Attraktionen aufzuwachsen – das ist für sie Alltag. In der Schule jedoch gelten für sie dieselben Pflichten und Anforderungen wie für alle anderen Kinder. Während des Sommerfestes besuchen sie über mehrere Wochen hinweg durchgehend dieselbe Bildungseinrichtung. Anschließend erfolgt erneut ein Schulwechsel.
Für Luca ist diese Situation völlig normal. Seine Klassenkameraden, die an einem festen Ort leben, empfinden diese Lebensweise jedoch häufig als ungewöhnlich. Deshalb besuchen die Kinder aus reisenden Familien außerhalb der Saison eine feste Schule. Dort werden sämtliche Leistungsnachweise aus den verschiedenen Schulen gesammelt und dokumentiert. Am Ende des Schuljahres stellt diese Schule auch das offizielle Zeugnis aus.
Tim geht in die vierte Klasse einer Grundschule in der Nähe eines großen Veranstaltungsareals. Zwar kommt er mit seinen Mitschülern gut aus, seine engsten Freunde stammen jedoch ebenfalls aus Schaustellerfamilien. Immer wieder muss er erklären, wie sein Alltag aussieht. „Viele glauben, ich würde das ganze Jahr auf dem Festplatz wohnen“, erzählt er. „Diese Fragen gehen mir manchmal richtig auf die Nerven.“
Auch im Schaustellerleben spielt schulische Bildung eine entscheidende Rolle. Wie überall gilt: Gute Kenntnisse eröffnen bessere Zukunftschancen. Gleichzeitig sei dieser Weg für Kinder nicht immer leicht, meint Tims Mutter Anna Müller. Ihr Sohn solle später selbst entscheiden können, welchen Beruf er ergreift. Wird Tim danach gefragt, antwortet er eindeutig: „Für mich ist klar, was ich will – ich werde Schausteller.“
Luca steht am Ende einer Attraktion, sammelt Sitzauflagen ein und bereitet alles für die nächsten Gäste vor. Schon früh helfen Kinder aus Schaustellerfamilien im Familienbetrieb mit. Luca denkt oft darüber nach, was ihn an diesem Beruf besonders reizt. „Das ist kein gewöhnlicher Job. Das Leben im Wohnwagen und das ständige Reisen würde ich nicht gegen einen festen Alltag eintauschen“, sagt er. „Das gehört einfach zu mir.“

У вас есть вопросы?
Спросите у нашего помощника!