Medikamentengabe

Sie sollen einer Praktikantin etwas über Ihren Beruf berichten.
Ihr Vortrag sollte circa zwei Minuten dauern. Anschließend sollen Sie Fragen des Prüfers bzw. der Prüferin beantworten.
Medikamentengabe

Beispiel

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Kandidat: Ich habe dieses Thema gewählt, weil die Medikamentengabe eine der häufigsten und gleichzeitig risikoreichsten Aufgaben in der Pflege ist. Ein Fehler dabei kann ernste Folgen haben. Ich möchte über drei Dinge sprechen: worauf man bei der Medikamentengabe achten muss, welche Fehler typischerweise passieren und wie man sie verhindert.
Bei der Medikamentengabe gibt es die sogenannte „6-R-Regel" – das richtige Medikament, dem richtigen Patienten, in der richtigen Dosis, zur richtigen Zeit, auf dem richtigen Weg und mit der richtigen Dokumentation. Das klingt einfach, ist aber in der Praxis mit vielen kleinen Fallstricken verbunden. Zum Beispiel gibt es Medikamente, die ähnlich aussehen oder ähnliche Namen haben – da kann man schnell verwechseln. Deshalb sollte man vor der Gabe immer nochmal den Medikamentenplan checken und im Zweifel nachfragen.
Die häufigsten Fehler sind: falsche Dosis, falscher Zeitpunkt, Verwechslung von Patienten – besonders auf vollen Stationen – oder vergessene Einnahme. Auch Wechselwirkungen zwischen Medikamenten werden manchmal übersehen, besonders wenn ein Patient sehr viele verschiedene Präparate nimmt. Und manchmal nimmt ein Patient das Medikament nicht wirklich ein, ohne dass es jemand bemerkt.
Was hilft? Das Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Medikamenten, Barcode-Scanner, sorgfältige Dokumentation und eine Kultur, in der man Unsicherheiten offen ansprechen darf. Und ganz wichtig: wenn der Arzt die Medikation ändert, muss der Patient darüber informiert werden – er hat das Recht zu wissen, was er bekommt und warum.
Kurz gesagt: Medikamentengabe braucht Konzentration, klare Abläufe und den Mut, bei Unsicherheit zu fragen – bevor etwas passiert, nicht danach.

Prüfer: Sie haben gesagt, manche Patienten nehmen das Medikament nicht wirklich ein, ohne dass es jemand bemerkt. Wie erkennt man das und was tut man dann?
Kandidat: Es gibt einige Hinweise: das Medikament wird unter der Zunge versteckt und später ausgespuckt, oder der Patient schluckt demonstrativ, aber man hört kein Schlucken. Manche Patienten sammeln Tabletten und man findet sie später im Zimmer. Wenn ich das vermute, beobachte ich genauer – ich bitte den Patienten, den Mund nach der Einnahme kurz zu öffnen, oder reiche das Medikament mit ausreichend Wasser. Wichtig ist, das Gespräch zu suchen: warum will er das Medikament nicht nehmen? Manchmal gibt es einen guten Grund – Nebenwirkungen, Schluckprobleme, Angst. Das alles dokumentiere ich und melde es dem Arzt.

Prüfer: Was macht man, wenn ein Patient seine Medikamente grundsätzlich verweigert?
Kandidat: Zuerst ruhig fragen, warum – ohne Druck. Manchmal liegt es an Nebenwirkungen, manchmal an Unwissen über den Zweck des Medikaments, manchmal an mangelndem Vertrauen. Ich erkläre, was das Medikament bewirkt und was passieren kann, wenn es nicht eingenommen wird. Wenn der Patient trotzdem ablehnt und einwilligungsfähig ist, muss ich das respektieren – aber sofort dokumentieren und den Arzt informieren. Zwangsmedikation ist in Deutschland nur unter sehr strengen Voraussetzungen und mit richterlicher Genehmigung möglich. Das ist kein alltägliches Mittel.

Prüfer: Was muss man einem Patienten erklären, wenn der Arzt die Medikamente ändert?
Kandidat: Der Patient hat das Recht zu wissen, was sich geändert hat und warum. Ich erkläre, welches Medikament neu dazukommt oder wegfällt, was der Zweck ist und welche möglichen Nebenwirkungen auftreten können. Außerdem sage ich, worauf er achten soll – zum Beispiel ob er das neue Medikament mit dem Essen nehmen soll oder nüchtern, ob er Auto fahren darf oder nicht. Viele Patienten sind unsicher, wenn sich ihre Medikation ändert – deshalb ist es wichtig, Fragen zu erlauben und in Ruhe zu beantworten. Das stärkt das Vertrauen und die Bereitschaft, die Medikamente wirklich einzunehmen.

Prüfer: Haben Sie selbst schon einen Fehler bei der Medikamentengabe erlebt oder fast gemacht? Was haben Sie daraus gelernt?
Kandidat: Ja – ich hatte einmal zwei Patienten mit ähnlichen Namen auf derselben Station. Ich habe beim Richten kurz nicht aufgepasst und fast das Medikament des einen dem anderen gegeben. Zum Glück habe ich es im letzten Moment gemerkt, als ich nochmal den Armband-Check gemacht habe. Dieser Moment hat mich wirklich aufgeweckt. Seitdem prüfe ich immer zweimal – Name, Geburtsdatum, Medikament – auch wenn ich müde bin oder unter Zeitdruck stehe. Und ich habe den Vorfall im Team besprochen, weil andere dasselbe hätte passieren können. Fehler zu teilen ist kein Zeichen von Schwäche – es schützt die Patienten.

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